Pompeii

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Ein trauriger Haufen Asche

Über Paul W. S. Anderson, der uns Werke wie "Mortal Kombat", "Resident Evil" oder "Alien versus Predator" bescherte, kann man sagen, was man will. Doch eines muss man ihm lassen: Der britische Filmemacher verfügt über ein Höchstmaß an Begeisterungsfähigkeit. Hinsichtlich der Idee hinter "Pompeii" erklärt er, dass ihn die Stadt, die 79 nach Christus von einer beispiellosen Naturkatastrophe ausgelöscht wurde, schon in Kindestagen fasziniert habe. Und er erzählt von dem "Plan, den größten Schwert- und Sandalen-Film aller Zeiten zu machen - und noch einen Vulkanausbruch draufzupacken". Ob die hochgesteckten Ziele dabei erreicht wurden? Nur so viel: Dass von Pompeji am Ende nicht mehr als ein trauriger Haufen Asche übrigbleibt, hätte man eigentlich wissen können. Steht ja in jedem Geschichtsbuch.

Keine Frage, man merkt dem Ergebnis an, dass "Pompeii" richtig "groß" werden sollte. Insgesamt sechs Jahre arbeiteten Anderson und Produzent Jeremy Bolt an dem Action-Epos. Und die beiden begnügen sich nicht damit, nur eine Geschichte zu erzählen: Sie packen gleich drei Storys auf einmal an. Im Fokus der Aufmerksamkeit steht der wortkarge Kelte Milo, gespielt vom perfekt durchtrainierten "Game of Thrones"-Star Kit Harrington. Als kleiner Junge muss der arme Milo mit ansehen, wie der abscheuliche Senator Corvus (Kiefer Sutherland) seinen gesamten Stamm samt Mama und Papa abschlachten lässt. Fortan hat Milo, der versklavt, nach Pompeji verschleppt und dort zum eisernen Supergladiator ausgebildet wird, nur noch eines im Sinn: Rache!

Im wahren Leben hätten sich Milo und Corvus natürlich nie wieder gesehen. Doch wie es Anderson will, landet zufällig auch der fiese Römer in der unbedeutenden Provinz. Dort lebt im Übrigen auch die schöne Cassia (Emily Browning) - eine unabhängige junge Frau aus gutem Hause, die dem spröden "Charme" des Sklaven Milo sofort verfällt. Es ist, wie romantisch, Liebe auf den ersten Blick, doch sie steht unter keinem guten Stern: Denn zufällig interessiert sich auch Corvus für die Tochter des bedeutendsten Kaufmannes von Pompeji.

Man ahnt: An dem Drehbuch haben Anderson und sein Stab wahrscheinlich keine sechs Jahre gearbeitet. Doch wo ist die Zeit geblieben? In Bibliotheken, wie es scheint. Kleider, Kulissen, die ethnische Zusammensetzung der Stadtbewohner, antike Graffitis, überlieferte Redewendungen - kurz: das gesamte Drumherum wurde mit penibelster Genauigkeit recherchiert und rekonstruiert. Doch statt den Historikern Genüge tun zu wollen, hätten die Macher besser an diejenigen gedacht, die am Ende im Kino sitzen. All die Sorgfalt, die in eine historisch korrekte Darstellung gesteckt wurde, ist wenig wert, wenn die Inszenierung nichts taugt.

Die einzelnen Charaktere werden nämlich nur grob und skizzenhaft umrissen. Anderson streut zu viele plumpe Hinweise auf das, was noch kommt, und die ohnehin dröge Story dümpelt ohne echte Höhepunkte vor sich hin. Der Film bekommt nie die Chance, eine echte Wirkung aufzubauen. Milos und Cassia, deren zarte Romanze eigentlich im Fokus der Geschichte steht, wird nicht mehr als 30 Sekunden ruhiger Zweisamkeit zugestanden. Und auch vom Leid des Protagonisten, der seine Eltern verliert und den Großteil seines Lebens in Gefangenschaft verbringt, ist nichts zu spüren. Der Einzige, der leidet, ist der Zuschauer, dem man es nicht mal verdenken kann, wenn er sich die totale Zerstörung allen Lebens eher früher als später herbeiwünscht.

Nach zwei Dritteln des Films drückt Anderson dann schließlich den roten Knopf, der den Vesuv ausbrechen lässt. Pyroklastische Stürme, Lava-Bomben, Erdbeben, Tsunamis, Feuerwalzen: Mit ein paar netten 3D-Effekten angereichert bespielt der Regisseur die gesamte Klaviatur der CGI-Zerstörung und lässt alle Beteiligten bei lebendigem Leibe einäschern. Es scheint beinahe wie ein Gnadenakt.

Quelle: teleschau - der mediendienst