Maximilian Schell

Maximilian Schell





Er war ein Rebell, den die Menschen mochten

Er galt als Rebell, als intellektueller, meinungsstarker Künstler mit einem eigenem Kopf. Er wurde, gerade im Alter, überall verehrt, doch der Star für alle - das war nie die Rolle, die Maximilian Schell für erstrebenswert erachtete. Jetzt ist der große Schauspieler im Alter von 83 Jahren verstorben. Medienberichten zufolge teilte seine Wiener Schauspielagentur mit, dass Schell in der Nacht zum Samstag im Klinikum Innsbruck "nach langwierigen Problemen mit seinem Rücken an den Folgen einer für ihn wichtigen Operation unglücklicherweise verstorben" sei. Schell weilte in Kitzbühel, wo er für eine ZDF-Produktion vor der Kamera stand. Bereits vor einer Woche war der Schauspieler in einem Hotel in Kitzbühel kollabiert, er soll an einer Lungenentzündung erkrankt gewesen sein.

Gern gab Maximilian Schell die kapriziöse Diva hinterm seidenen Krawattenschal - und er meldete sich besonders dann, wenn die Öffentlichkeit Gefahr lief, ihn eine Zeitlang zu vergessen. Im August 2013 erregte er Aufsehen, als er seine 48 Jahre jüngere Lebensgefährtin, die Opernsängerin Iva Mihanovic, heiratete. Vor drei Jahren, zu seinem 80., widmete ihm das Fernsehen ein filmisches Porträt. Wenn in der auf ARTE erstausgestrahlten Dokumentation eines deutlich wurde, dann, dass der einstmalige Gigolo, zu dessen Eroberungen Ex-Kaiserin Soraya, Jaqueline Bisset oder Marthe Keller zählten, zwar vielleicht ruhiger geworden ist, doch auch im hohen Alter umtrieb wie eh und je.

Er hat sie alle gespielt: ob Shakespeares Hamlet, den Jedermann oder einen Kardinal in einem Vampirschocker aus Hollywood. Maximilian Schell war sich nie zu fein für die unterschiedlichsten, mitunter auch abwegig erscheinenden Rollen, wenn sie denn nur Charisma hatten. Freilich brauchte er in schwierigen Zeiten auch Geld und schaute weniger auf die Qualität des Drehbuchs als vielmehr auf den Gehaltsscheck. Und doch beteuert er: "Mir ging es einfach darum, gute Rollen zu spielen."

Der Sohn eines Schriftstellers und einer Schauspielerin ist dem Ausweis nach Eidgenosse und hängt innerlich stark an seiner Heimat. Hierher zog er im Alter von drei Jahren mit seinen Eltern und den Geschwistern, verbrachte seine Schulzeit in Basel und Zürich und beendete anschließend sein Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft. Am Baseler Stadttheater gab der Nachwuchsakteur 1953 schließlich sein Bühnen-Debüt, das eine beispiellose Karriere einleitete. Später wurde der Schauspieler Oscarpreisträger ("Das Urteil von Nürnberg", 1961) und galt als herausragender Regisseur ("Marlene", "Meine Schwester Maria").

Anders als viele seiner Altersgenossen lebte Schell auch mit mehr als 80 Jahren noch im permanenten Unruhestand. Eine Rolle in einem deutschen Fernsehfilm hier, eine Operninszenierung da - und dann war der künstlerische Tausendsassa, der musizierte, malte und schrieb, auch noch Professor für Schauspiel an der University of Southern California. Um sich heimisch zu fühlen, brauchte der Jubilar, der abwechselnd in Los Angeles und auf seinem Hof in Kärnten lebte, wenig: "Eigentlich genügen die eigenen vier Wände. Es reicht, wenn man seine Bücher hat und ein Klavier - wenn man spazieren gehen kann. Das ist praktisch überall möglich."

1997 veröffentlichte Maximilian Schell seine Autobiografie "Der Rebell". Passend zum 80. Geburtstag erschienen vor drei Jahren die Erinnerungen des Charakter-Darstellers erneut in Buchform. In "Ich fliege über dunkle Täler. Mein Leben" erzählte er laut Verlag "Privates wie Berufliches aus allen Phasen seines Lebens, ehrlich, spannend und sprachgewaltig". So wie in Talkshowauftritten oder im "Süddeutsche Zeitung Magazin", wo er von seiner Begegnung mit Marlene Dietrich berichtete oder davon, wie er mit Marlon Brando über Gott und die Welt philosophierte.

Schell war auf Du und Du mit den ganz Großen der Filmgeschichte. Doch an eine traute er sich nicht ran: Angelina Jolie - sein Patenkind. "Sie ist so berühmt, ein Weltstar, wie Leonardo DiCaprio oder George Clooney. Sie kommt mir so weit weg vor, als lebte sie in einer anderen Welt." Nein, die Stars, also das, was die Welt unter solchen verstand, waren nicht die Welt des Mannes, der von sich gerne sagte: "Ich war immer der kleine Bruder von Maria Schell."

Quelle: teleschau - der mediendienst