Pierre Brice

Pierre Brice





Winnetou hat Geburtstag

Der Neue Deutsche Film war mit dem Oberhausener Mainfest 1962 gerade geboren. Doch Opas Kino verbreitete sich noch ein letztes Mal. Der Produzent der Zeit hieß Horst Wendlandt, und Pierre Brice wurde als sein "Winnetou" zum Star. Mit dem berühmten Zwei-Finger-Friedensgruß grüßte er von der Leinwand herab. Dabei hatte Brice zunächst gar keine Lust, die Rolle der Karl-May-Rothaut zu spielen. Erst die Aussicht auf den verehrten Tarzan-Darsteller Lex Barker als Partner Old Shatterhand lockte ihn. Der am 06. Februar 1929 in Brest geborene Baron Pierre Luis Le Bris war damals 33 Jahre alt. Nun wird er 85.

Aus dem Bündnis des Schauspielers mit seinem Produzenten wurde ein phänomenaler Erfolg. Meist zehn Millionen Zuschauer sahen die Karl-May-Filme im Kino, Brice wurde vor allem von der jüngeren Generation gefeiert. Der Schauspieler bekam nicht weniger als fünf Bambis und zwölf "Bravo"-Ottos, er wurde von der Jugendzeitschrift 56-mal auf den Titel gesetzt.

Das Aussehen des schönen Franzosen, der in Frankreich unter der Doppelgängerschaft mit dem knapp sieben Jahre jüngeren "eiskalten Engel" Alain Delon zu leiden hatte und daher kaum größere Rollen bekam, war es nicht allein, womit er sich in die Herzen der Zuschauer stahl. Er verwandelte sich die Rolle des edlen Indianerhäuptlings bis in die tiefste Seele an. Er wollte auf der Leinwand ein Vorbild sein. "Für mich gelten nur noch Ideale wie Treue, Ehre und Tapferkeit. Ich habe in meinem Leben noch nie etwas Böses getan", so sprach er gern.

Winnetou als Friedensfürst - davon träumte der ehemalige Indochinakämpfer und spätere UNICEF-Botschafter noch, als er nach dem Jugoslawienkrieg zum Schauplatz der Filme fuhr, um dort beim Aufräumen zu helfen. "Ich habe Winnetou eine Seele gegeben", schrieb er in seiner Biografie "Winnetou und ich". Selbst ein kroatischer Karst als Ersatz-Arizona, eine deutsche Synchronstimme und einheimische Rothäute änderten nichts an seiner seltsamen Glaubwürdigkeit. Von deutschen Westmännern wie Götz George oder Ralf Wolter ganz zu schweigen.

Schon vor Zeiten ließ Brice wissen, er habe zu viele "Winnetou"-Filme gedreht, nach "Winnetou III" hätte er 1965 besser aufgehört. Das war allerdings bereits der achte Film der Reihe. Winnetou war auf der Leinwand längst den Indianertod gestorben (Brice: "Meine Lieblingsszene!"), als sich Wendlandt dazu überreden ließ, den Häuptling noch mal zum Leben zu erwecken. Spätere Versuche, sich durch weitere Rollen von Winnetou zu entfernen, glückten nicht. So blieb er auch noch bei den Karl-May-Festspielen in Elspe und Bad Segeberg Winnetou.

Schade, dass Brice für gut gemeinte Veralberungen wie Bully Herbigs "Der Schuh des Manitu" so gar nicht zugänglich blieb. Doch ob er ohne "Winnetou" in Deutschland jemals so berühmt geworden wäre, lässt sich bezweifeln. Er selbst ist davon überzeugt. Vor dem Indianerhäuptling spielte er in Frankreich kleinere Rollen (sogar neben Belmondo bei Marcel Carné) und mehrere Kostümrollen in Italien und Spanien. Doch in Frankreich blieb er weitgehend unbekannt. "Le célèbre inconnu" ("Der unbekannte Berühmte") nannte man ihn.

Privat ist der mit jetzt 85 noch immer gut aussehende Franzose ein rechter Hans im Glück. Mit 58 heiratete er seine deutsche Bewundererin Hella Krekel aus Amberg. Sie mochte "die Wärme seiner Augen und seine große Herzensgüte". Die Ehe hält bis jetzt. Gemeinsam wird man in diesem Frühjahr in ein neues großes Haus mit Grundstück in Garmisch ziehen. Der Graf hat seinen alten Landsitz bei Paris verkauft. Der Heimat seiner Frau, Bayern, gehörte schon immer Pierres ganze Liebe.

Filme zum 85. Geburtstag von Pierre Brice:

"Old Surehand", 1965, BR, 08.02., 20.15 Uhr

"Winnetou und sein Freund Old Firehand", 1966, BR, 08.02., 22.00 Uhr; RBB, 09.02., 14.00 Uhr

"Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten", 1968, BR, 08.02., 23.30 Uhr (Wh. 09.02., 13.30 Uhr)

"Winnetou III", 1965, ARD, 15.02., 12.03 Uhr

"Unter Geiern", 1964, ARD, 22.02., 12.03 Uhr

Quelle: teleschau - der mediendienst