Gabriel Macht

Gabriel Macht





Stilvoll im Anzug

Wenn man an einen Anwalt denkt, ploppen meistens Bilder von Anzug-tragenden Männern auf. Da ist es nur folgerichtig, dass die neue Anwaltsserie "Suits", die ab 7. Februar, immer freitags, 21.15 Uhr, bei VOX zu sehen ist, maßgeschneiderte Anzüge als Leitmotiv verwendet. In den USA ist die Sendung rund um den erfolgreichen, aber auch leicht überheblichen Staranwalt Harvey Specter (Gabriel Macht) und seinen jungen Partner Mike Ross (Patrick J. Adams) ein voller Erfolg. Das Duo, das rein äußerlich unterschiedlicher nicht sein könnte, geht einen illegalen Deal ein, der beide die Karriere kosten könnte, sollte ihr Pakt jemals auffliegen. Gabriel Macht ("The Spirit") mimt den stets in feinstem Zwirn gehüllten Advokaten mit so nonchalanter Arroganz, dass es für Außenstehende schwer zu bewerten ist, ob der dargestellte Charakter nicht doch auf den Schauspieler abfärbt. Ein Gespräch über maßgeschneiderte Anzüge, Überheblichkeit und Unterdrückung von Emotionen.

teleschau: Kennen Sie in den USA das Sprichwort: "Kleider machen Leute"?

Gabriel Macht: Nein, das kenne ich vom Wortlaut her nicht, aber ich meine zu verstehen, was es bedeuten soll. Wer gute Kleidung trägt, strahlt Autorität aus, oder?

teleschau: Genau. Und in "Suits" spielen Anzüge ja eine große Rolle.

Macht: Ja, das ist eigentlich das zentrale Thema der Serie. Ein eleganter Anzug kann auf einige Personen einschüchternd wirken. Als wir 2011 mit der Planung anfingen, überlegte ich mit unserem Ausstatter, meine Rolle des Harvey Specter äußerlich umzusetzen. Denn über seine Wirkung macht sich Harvey viele Gedanken. Er möchte seine Umgebung mit seiner Erscheinung beeindrucken. Er ist ein knallharter Bürohengst, ein Anwalt, der stark ist und eine gewisse Männlichkeit verkörpert. Man könnte ihn als eine Mischung aus Steve McQueen und Carey Grant sehen. Einerseits ist Harvey jemand, der eine eindrucksvolle Aura besitzt, andererseits kann er sofort in den Einschüchterungsmodus wechseln.

teleschau: Kann ein Anzug das Selbstbewusstsein steigern?

Macht: Da kommt es auch darauf an, wer den Anzug designt hat (lacht). Nicht jeder Dreiteiler sitzt, das kann auch nach hinten losgehen. Aber maßgeschneiderte, klare Linien, die den Körper an den richtigen Stellen betonen, können das Selbstwertgefühl auf jeden Fall stärken.

teleschau: Kaschiert Harvey mit seinem Äußeren vielleicht sein wahres Ich?

Macht: Ja, auf jeden Fall, sein Anzug ist ein Schutzpanzer. Harvey möchte zwar beeindrucken, dadurch aber auch keinen so wirklich an sich heranlassen. Die Rüstung ließe sich auch mit dem Umhang eines Comic-Helden vergleichen, sie spiegelt seine Superkräfte wider.

teleschau: Harvey Specter beeindruckt also auch Sie selbst ...

Macht: Hin und wieder könnte er etwas mehr Verletzlichkeit zeigen und weniger ein Sturkopf sein, aber ja: Ich mag ihn. Er ist gebildet, charmant und sieht gut aus (lacht). Trotzdem ist er geerdet und steht mit beiden Beinen auf dem Boden. Und für eine TV-Serie hat er etwas Heldenhaftes.

teleschau: Harvey ist in "Suits" so etwas wie der Mentor für seinen jüngeren Partner Mike Ross. Sehen Sie Parallelen zu sich selbst als erfahrenem Schauspieler und ihrem Co-Star Patrick J. Adams, der noch ein richtiger Newcomer im Geschäft ist?

Macht: Patrick und ich haben eine relativ ähnliche Sichtweise, was bestimmte Dinge angeht. Es ist richtig, dass meine Karriere schon länger als seine läuft, aber bei unserem ersten Treffen haben wir bereits erkannt, dass wir beide gemeinsam die Sendung tragen. Ich musste nicht nur lernen, meinen Erfahrungsschatz mit jemanden zu teilen, sondern auch mein Ego zurückzustecken. Patrick hat meine Tipps dankend angenommen und verstanden, dass eine Serie keine One-Man-Show ist. Das Tolle an uns beiden ist, dass wir zueinander stehen und uns gegenseitig helfen.

teleschau: Was neidet Harvey seinem jungen Partner Mike Ross am meisten?

Macht: Mike ist unglaublich wissbegierig, kennt sich in Jura aus und besitzt ein fotografisches Gedächtnis. Harvey lernt von ihm viel über Menschlichkeit und versteht, dass er ohne Mike nicht mehr arbeiten kann und will. Harvey ist ein riesengroßer Narzisst, aber Mike repräsentiert in gewisser Weise sein jüngeres Ich.

teleschau: Welche Gefühlsregung beschreibt Harvey am besten?

Macht: Das ist schwer zu erklären, da er ein relativ emotionsloser Charakter ist - zumindest lässt er sich wenig anmerken. Unter seiner Schale befindet sich aber ein weicher Kern, der ihn greifbar, ja sogar angreifbar macht.

teleschau: Gibt es eine Emotion, die Harvey gerne zeigen würde, die aber seine nach außen gerichtete Fassade einfach nicht zulässt?

Macht: Er würde sehr gerne seinen Vertrauten seine verwundbare Seite zeigen. Für viele mag Gefühle zeigen als Schwäche herüberkommen, was Harvey Fremden gegenüber auch so sieht. Aber tief in ihm drin brodelt es, und er würde sich sehr gerne von diesen Fesseln lösen und das dann als Stärke für sich nutzen, um noch selbstbewusster zu werden.

teleschau: Ab welchem Punkt wandelt sich Selbstbewusstsein in Arroganz?

Macht: Die Grenze ist fließend, und Zuversicht kann schnell größenwahnsinnig wirken. Harvey lässt auf seine Worte aber auch Taten folgen. Arrogant wird er nur den Leuten gegenüber, die ihm ans Bein pinkeln wollen. Da kennt er nichts (lacht).

Quelle: teleschau - der mediendienst