Max Uthoff und Claus von Wagner

Max Uthoff und Claus von Wagner





"Wir haben Anliegen"

Das Erste, was sie sich zugelegt haben, war eine gemeinsame Kaffeemaschine. Jetzt dampft, zischt und duftet es, wenn Max Uthoff (46) und Claus von Wagner (36) zusammensitzen und erste Texte für das gemeinsame Satire-Projekt "Die Anstalt" verfassen. Ab Dienstag, 4. Februar, um 22.15 Uhr, müssen die beiden Künstler, die rein äußerlich so gar nicht zusammenpassen, unter Beweis stellen, dass sie ein Erbe würdig verwalten können: Der smarte Anzugträger Uthoff, der wie ein etwas zu selbstgefälliger Wirtschaftszyniker wirkt, und sein Kollege von Wagner, den eine romantischere Weltverbesserungsaura umgibt, treten im ZDF die Nachfolge von Urban Priol und Frank-Markus Barwasser an. Dass der Erwartungsdruck auf den reformierten und verjüngten Satire-Klassiker ernorm ist, spüren die beiden Kabarettisten aus der Münchner Szene durchaus. Doch die Angst vor dem Scheitern können sie souverän weglächeln.

teleschau: Herr Uthoff, wie groß sind denn Ihre Schuhe?

Max Uthoff: Die sind wahrscheinlich zu klein für die Fußstapfen, in die wir treten werden. In die könnten wir uns ja auch reinlegen und ein Nickerchen machen. Das ist anderseits auch der Vorteil: Wir haben nichts zu verlieren.

Claus von Wagner: Und wir haben uns gedacht: wir treten ein Erbe an - und werden das erst mal ordentlich verprassen. Wie nachfolgende Generationen das ja öfter tun ...

teleschau: Sie kennen ja das Format bestens, waren selbst schon zu Gast. Wie muss man sich den Moment vorstellen, an dem Sie konkret für die "Anstalt"-Nachfolge gefragt wurden?

Uthoff: Es war ein ziemlich langer Prozess. Urban und Markus war schon länger klar, dass sie beide einmal eine Pause einlegen wollten. Das ZDF hat sich dann offenbar ein wenig umgehört. Wir zwei haben uns vor anderthalb Jahren einmal in einem Café erstmalig zu der Frage zusammengesetzt...

Von Wagner: Genau genommen, war es ein wunderbares Gasthaus. (lacht) Wir wollten uns erst mal beschnuppern, haben aber schnell bemerkt: Es wäre großartig, zusammen was zu machen. Ob es diese Sendung werden würde oder etwas anderes, das war für uns zunächst nicht entscheidend. Das Spannende war die Chemie, die von Anfang an zwischen uns geherrscht hat.

Uthoff: Wenn der Funke überspringt, macht es Spaß, sich mit einem Kollegen mal zwei Stunden lang auszutauschen. Deswegen konnten wir uns beide rasch ausrechnen, dass es mit uns klappen würde. Die eigentliche künstlerische Arbeit ist natürlich etwas ganz anderes. Da sitzen wir zusammen, wälzen Themen - und müssen auch ertragen, dass der andere einen Witz, den man macht, überhaupt nicht lustig findet. Bis jetzt gab's noch keinen Punkt, an dem wir gesagt hätten: Wir lassen's doch lieber.

teleschau: Wie spielen Sie sich derzeit denn aufeinander ein - und miteinander warm?

Uthoff: Bislang hat es gut geklappt, dass wir uns nicht gegenseitig in die Parade fahren. Das liegt daran, dass wir beide einen jeweils etwas anderen Kabarett-Ansatz verfolgen: Mein natürlicher Bühnen-Zustand ist der Monolog - und das sehr Reduzierte. Ich spiele keine Sketche. Alles, was ich mache, ist nur Wort.

Von Wagner: Ich bin da eher barock veranlagt.

Uthoff: Claus ist bei Weitem der bessere Schauspieler. Er wagt die Mischform zwischen Theater und Kabarett - und baut gerne einen Spannungsbogen auf. In der Pilotsendung, die wir für das ZDF bereits aufgenommen haben, griffen unsere beiden Stile gut ineinander.

Von Wagner: Genau. So läuft's: Uthoff steht in der Mitte - und ich laufe außen herum.

teleschau: Einer spricht - und Sie jonglieren mit rohen Eiern?

Von Wagner: Jonglieren kann ich leider nicht.

Uthoff: Wir werden die Rollenverteilung schon ab und an brechen. Auch ich werde gelegentlich meinen Spaß am Spielen entdecken. Wir wollen den Leuten zur steifen Wissensvermittlung über die Missstände in der Welt auch ein klein wenig Emotion mit auf den Weg geben. Wir ergänzen uns gut.

teleschau: Sie wirken heiß darauf, dass es nun endlich raus geht auf die ZDF-Bühne. Wie groß ist Ihre Unruhe, wenn zwischendurch so viel kabarettistisch Verwertbares passiert - Stichwort ADAC-Skandal - und damit für Ihre erste Sendung schon fast wieder durch ist?

Uthoff: Ich ärgere mich schon, wenn mir etwas zu spät unterkommt, das ich gerne noch eingebaut hätte. Können die sich nicht an meine Terminplanungen halten?

Von Wagner: Es ist aber nicht nur so, dass wir Kabarettisten unser Wohl und Wehe nur Politikern verdanken, die etwas Blödes sagen. Wir hecheln nicht den peinlichen Versprechern hinterher. Bei uns geht es schon um grundlegende Dinge. Wenn ich mich mit den Verwerfungen in der Finanzwelt beschäftige, ist es fast unerheblich, wann Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen mal was ziemlich Unpassendes von sich gibt.

Uthoff: Wir warten nicht darauf, dass mal jemand in der Langlaufloipe stolpert. Wir haben Anliegen - etwa eine bestimmte Form von Gerechtigkeitsempfinden. Und das ist doch fast zeitlos.

teleschau: Nehmen Sie auch Medienkritisches mit ins Programm?

Uthoff: Selbstverständlich. Wir wollen die erste Sendung fast ausschließlich damit bestreiten. Wir machen das, um uns für die vielen Verrisse zu wappnen - und die Kollegen schon mal vorzuwarnen.

Von Wagner: Solche Themen werden schon immer wieder mal vorkommen. Wir haben ja so gut wie keine Primärerfahrung, weil wir nicht selbst in den politischen Gremien drinsitzen. Deswegen sind wir auf die Medien angewiesen und wollen sie dazu anhalten, ihre Rolle so gut wie möglich zu erfüllen.

Quelle: teleschau - der mediendienst