Schiller, Jesus und Jack

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Der deutsche Film prägt das Programm der 64. Berlinale

Nicht immer ist den deutschen Filmen, die bei der Berlinale im offiziellen Wettbewerb gezeigt werden, danach auch ein Erfolg im Kino beschieden. Im Gegenteil: "Gold", ein Western mit Nina Hoss in der Hauptrolle, kam 2013 weder im Festival noch später beim Kinopublikum sonderlich gut an. In diesem Jahr jedoch hat das Ausrichterland der Filmfestspiele gleich mehrere Eisen im Feuer. Insgesamt vier deutsche Filme laufen im Wettbewerb, so viele wie seit über 25 Jahren nicht mehr. Auch wenn die Hauptrolle den 409 Produktionen zufällt, die in diesem Jahr von 6. bis 16. Februar in der Landeshauptstadt gezeigt werden: Wer die Berlinale mag, richtet diesmal seinen Blick vor allem auf eine außergewöhnliche Spielstätte.

"Ein Kino ist wieder auferstanden", schwärmt Festival-Direktor Dieter Kosslick und meint den legendären Zoo Palast in der Nähe des Kurfürstendamms. Sicher, nachdem vor einigen Jahren dessen aufwendiger Umbau begann, konzentrierte sich das Festival vor allem auf die Gegend rund um den Potsdamer Platz. Vom Berlinale-Palast für die Premieren über das CinemaxX und CineStar - die Wege waren kurz. Und sie bleiben es in diesem Jahr auch, nachdem die Häuser auch weiterhin Teil des Festivals sind. Und doch richten sich alle Augen auf den neu gestalteten Zoo Palast, dessen Kinos nunmehr rund 1.700 Gästen Platz bieten. Bei der Berlinale werden dort Filme aus den Sektionen Berlinale Special, Generation, Forum, Berlinale Shorts und NATIVe gezeigt. Vor allem aber kehrt die beim Publikum besonders beliebte "Panorama"-Reihe am Abend wieder in den Zoo zurück.

20 Filme konkurrieren im Wettbewerb der 64. Berlinale um die begehrten Goldenen und Silbernen Bären. Vier deutsche Filme sind dabei. Mit Spannung und einer gehörigen Portion Respekt wird Dominik Grafs 170-Minuten-Epos "Die geliebten Schwestern" erwartet, der am 31. Juli deutschlandweit in die Kinos kommt. Hannah Herzsprung, Henriette Confurius und Florian Stetter spielen die Hauptrollen in dem Historienfilm, der von der Liebe zweier Schwestern zu Friedrich Schiller erzählt. Die Regisseurin Feo Aladag vertritt Deutschland mit dem Drama "Zwischen Welten". Ronald Zehrfeld, Mohamad Mohsen und Burghart Klaußner gehören zur Besetzung des Films, der die Situation von Bundeswehrangehörigen in Afghanistan beschreibt und am 27. März in die Kinos kommt.

Dritter deutscher Wettbewerbsbeitrag ist Edward Bergers "Jack" über einen zehnjährigen Jungen, der sich gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder auf die Suche nach seiner verschwundenen Mutter macht. Dietrich Brüggemanns "Kreuzweg" (Bundesstart: 20. März) schließlich erzählt von einem 14-jährigen Mädchen, das sein Leben ganz Jesus widmen möchte. - Vier sehr unterschiedliche und dabei auch inhaltlich ungewöhnliche Filme sind es, die die internationale Jury rund um den Jurypräsidenten James Schamus (Produzent von "Brokeback Mountain") zu sehen bekommt. Zu Beginn richten sich jedoch alle Augen auf den Film "Grand Budapest Hotel" von US-Regisseur Wes Anderson, der am Donnerstag, 6. Februar, das Festival eröffnen wird. Anderson hat ebenso sein Kommen zugesagt wie der Hauptdarsteller des Films, Ralph Fiennes.

Stammgast bei der Berlinale ist der Regisseur Richard Linklater, der diesmal seinen Film "Boyhood" mit Patricia Arquette und Ethan Hawke in den Wettbewerb schickt. Aus Skandinavien kommt "Kraftidioten" von Hans Petter Moland mit Stellan Skarsgård, China präsentiert unter anderem Ning Haos "Wo Ren Qu" ("No Man's Land"). Die meisten Autogrammjäger werden sich indes am Samstag, 8. Februar, gegen 18.30 Uhr vor dem Berlinale-Palast einfinden. George Clooney kommt und stellt "The Monuments Men" vor, der außer Konkurrenz im Wettbewerb und bereits ab 20. Februar bundesweit in den Kinos läuft. Clooney, der Regie führte und mit Bill Murray und Matt Damon die Hauptrolle spielt, erzählt von einer amerikanischen Einheit, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs den Auftrag erhält, die von Hitler befohlene Zerstörung wertvoller Kunstwerke zu verhindern. Ebenfalls außer Konkurrenz läuft zweieinhalb Stunden lang "Nymphomaniac Volume I", die mit Spannung erwartete Langfassung des Regisseurs Lars von Trier mit Charlotte Gainsbourg, Shia LaBeouf und Christian Slater. Sexszenen gibt es in Berlinale-Filmen fast schon traditionell reichlich. Von Triers Film dürfte dennoch von einigen Schlagzeilen im Boulevard befeuert werden.

Im "Panorama" werden diesmal 52 Langfilme aus 34 Ländern gezeigt. Eröffnet wird das Programm eröffnet von einer Science-Fiction-Produktion aus Vietnam: "Nuoc" von Nguyen-Vo Nghiêm-Minh. Mit Jürgen Vogel, Moritz Bleibtreu und Petra Schmidt-Schaller namhaft besetzt ist der deutsche Thriller "Stereo" (Regie: Maximilian Erlenwein). Insgesamt sind es 107 deutsche Produktionen und Ko-Produktionen, die in Berlin zu sehen sein werden.

Der Goldene Ehrenbär geht diesmal an den Regisseur Ken Loach. "Die Leidenschaft, sich in eindringlichen Geschichten dem alltäglichen Leben von Menschen zu widmen, wie auch den Mut, Kontroversen über die gesellschaftliche Wirklichkeit anzustoßen, beweist Ken Loach in wagemutigen Grenzgängen zwischen Dokumentarfilm und Fiktion", formuliert die Jury. Der Preis wird am 13. Februar im Berlinale Palast vergeben. In der begleitenden Hommage werden insgesamt zehn Filme des 77-jährigen Briten gezeigt. Die Berlinale Kamera, die seit 1986 verliehen wird, geht diesmal an den Produzenten und Filmverleiher Karl Baumgartner.

Als prominente Gäste während der Berlinale-Tage haben sich unter anderem Christian Bale, Edward Norton, Pierce Brosnan, Toni Collette, Uma Thurman, Matt Damon, Viggo Mortensen, Charlotte Gainsbourg, Catherine Deneuve, Tilda Swinton und Bill Murray angesagt.

Wie gewohnt überträgt 3sat die Eröffnung der Berlinale am 6. Februar ab 19.20 Uhr live. Vom Höhepunkt der Berlinale, der Preisverleihung und Abschlussgala, berichtet 3sat am Samstag, 15. Februar, ab 19 Uhr. Während des Filmfestivals informiert "Kulturzeit" bei 3sat werktäglich um 19.20 Uhr über die wichtigsten Ereignisse in der Filmstadt. An sechs Tagen berichtet darüber hinaus das Berlinale-Studio gegen Mitternacht über Festival.

Quelle: teleschau - der mediendienst