Beau Bridges

Beau Bridges





"Meine Frau wackelt prima mit dem Hintern!"

Der 72-jährige Beau Bridges stand lange im Schatten seines kleineren Bruders und Oscar-Gewinners Jeff. Nun, im vorgerückten Alter, scheint sich das zu ändern. Der fünffache Familienvater kommt gerade in dieser Rolle als etwas trotteliger Daddy, der sich nach 43 Jahren Ehe von seiner Frau trennt und bei seiner Tochter einzieht, beim US-Publikum sehr gut an. So ist seine Sitcom "The Millers", die am Dienstag, 4. Februar, 21.05 Uhr, bei ProSieben nun auch im deutschen Fernsehen startet, das derzeit beliebteste Comedy-Format im US-TV. Im Interview erzählt Beau Bridges von seinem Verhältnis zu Bruder Jeff und welche ungeahnten Talente er jüngst bei seiner Frau Wendy entdeckt hat.

teleschau: In der Sitcom "The Millers" spielen Sie ein etwas ungeschicktes Familienoberhaupt. Vor allem als Handwerker ist Ihr Tom Miller eine Niete. Können Sie wenigstens eine Glühbirne auswechseln?

Beau Bridges: Haben Sie sich etwa mit meiner Frau unterhalten? (lacht) Zu Hause heißt es tatsächlich, wenn ich irgendein technisches Gerät auch nur anfasse, würde es auseinanderfallen. Ich habe also einige Gemeinsamkeiten mit dem ungeschickten Tom Miller.

teleschau: In der Serie trennt sich Tom gleich zu Beginn von seiner Frau und zieht bei seiner Tochter ein. Könnten Sie sich vorstellen, bei einem ihrer Kinder zu wohnen?

Bridges: Um Himmels Willen, nein! Alle fünf führen ihr eigenes Leben. Das würde ich mit meiner ständigen Anwesenheit nur durcheinander bringen. Lieber würde ich in ein Hotel in ihrer Nähe ziehen.

teleschau: Haben Sie etwa nur noch wenig Kontakt mit ihnen?

Bridges: Auch wenn sie bereits alle außer Haus sind, das Nest also leer ist, kann davon keine Rede sein. Sie kommen immer wieder zu Besuch und bleiben gelegentlich für ein paar Tage in ihrem Elternhaus.

teleschau: Damit sich die Eltern nicht so einsam fühlen?

Bridges: Einsam? Ganz im Gegenteil! Meine Frau Wendy und ich genießen dieses neue Kapitel in unserem Leben. In gewisser Weise sind wir inzwischen frei von Verantwortung, auch wenn Eltern diese gegenüber ihren Kindern immer haben. Und sei es, dass wir uns nun eben mehr um die beiden Enkelkinder kümmern.

teleschau: Tom Miller richtet in der Sitcom immer wieder einigen Unfug an. Wenn Sie mit ihm einiges gemeinsam haben, sollten ihre Enkel viel Spaß haben.

Bridges: Weniger die Enkel, dafür mehr meine Frau. Erst kürzlich hatte ich eine Twerking-Szene. Bei diesem Tanzstil wackelt man ruckartig mit dem Hintern. Als ich Wendy davon erzählte, stellte sie sich in unserem Badezimmer vor den großen Spiegel und zeigte mir aus der Hüfte heraus, wie dieser Tanz funktioniert. Jetzt bin ich seit knapp 30 Jahren mit Wendy verheiratet und wusste nicht, dass sie so vehement mit dem Hintern wackeln kann.

teleschau: Ging beim Dreh später wenigstens alles gut?

Bridges: Mit der Hilfe von Will Arnett, der in der Serie meinen Sohn Nathan spielt, lief es schließlich - auch wenn ich mich beinahe verletzt hätte. Diese ruckartigen Bewegungen mit der Hüfte sind für mich nichts mehr - ich bin 72 Jahre alt.

teleschau: "The Millers" wird als Multi-Kamera-Format vor Studiopublikum aufgezeichnet. Ist das eine besondere Herausforderung?

Bridges: Der Unterschied direkt vor Publikum zu spielen, ist riesig. Wie im Theater erfolgen Reaktionen spontan und sofort. Zudem muss man stets auf die Kameras achten. Die haben ihre Positionen. Bei den Aufzeichnungen bin ich immer noch einigermaßen angespannt, auch wenn das gesamte Ensemble inzwischen mehr Routine hat.

teleschau: Können Sie am Set während der Aufzeichnungen improvisieren?

Bridges: Kaum! Vor allem wegen der Kameras, die die eigene Freiheit doch einschränken. Die Dialoge sind eindeutig festgelegt und müssen stets klar und deutlich zu verstehen sein. Wir können uns bei den Texten keine Aussetzer erlauben, sie müssen sitzen. Das ist nicht immer leicht. Es gibt insgesamt neun Autoren. Bis zur Aufzeichnung am Freitag ändern sie das Drehbuch immer wieder. Manchmal muss ich unmittelbar vor dem Dreh einen komplett neuen Text einstudieren.

teleschau: Und wenn doch mal etwas daneben geht?

Bridges: Halb so schlimm, dann können wir die Szene immer noch wiederholen. Außerdem: Das Publikum wartet doch auf Fehler, und es hat auch seinen Spaß an ihnen. Anfangs haben mich die Lacher irritiert, gerade wenn etwas nicht geklappt hat. Da ich in meiner Karriere auch sehr viel Theater gespielt habe, hatte ich zunächst den Anspruch, alles perfekt machen zu müssen. Das hat sich inzwischen gelegt. Schließlich sind auch Schauspieler nur Menschen. Und die machen eben Fehler.

teleschau: "The Millers" hatte anfangs einige Fehler. US-Kritiker bewerteten den Serien-Start nicht gerade blendend.

Bridges: Schauspieler sollten Kritiken eigentlich nicht lesen. Leider bin ich viel zu neugierig. Ich habe also mitbekommen, dass nicht alle Kritiken blendend waren. Andererseits: "The Millers" ist die derzeit beliebteste Sitcom im US-Fernsehen. Die Kunst für einen Schauspieler ist, nach guten Kritiken nicht abzuheben und sich eine schlechte Benotung nicht allzu sehr zu Herzen zu nehmen.

teleschau: Ihre andere Serie "Masters of Sex" kommt ebenfalls sehr gut im US-TV an, in Deutschland ist sie zurzeit schon im Pay-TV zu sehen. Fast scheint es, dass Sie derzeit erfolgreicher sind als Ihr bekannterer Bruder Jeff. Gibt es zwischen Ihnen beiden so etwas wie Konkurrenz?

Bridges: Durch unseren Vater Lloyd sind wir bereits in frühen Jahren mit der Schauspielerei in Berührung gekommen. Diese Liebe teilen wir beide bis heute - das verbindet. Von Konkurrenz kann also keine Rede sein. Unser Verhältnis ist bestens, und ich bin sehr stolz auf ihn. Wir telefonieren ein- bis zweimal in der Woche. Zudem treffen wir uns immer an Festtagen.

teleschau: Wie darf man sich ein Familientreffen zweier Hollywood-Legenden vorstellen?

Bridges: Da wir uns regelmäßig sehen und auch nicht allzu weit voneinander entfernt wohnen, hält sich das Spektakel in Grenzen. Spannend ist immer nur das Essen zu Thanksgiving oder Weihnachten. Ich bin Veganer, esse weder Fisch noch Fleisch. Wenn Jeff Gastgeber ist, muss er sich also immer etwas Besonderes für mich einfallen lassen. Bei großen Familientreffen unterhalten wir uns ansonsten vor allem über unsere Kinder. Später packen wir unsere Instrumente aus und machen gemeinsam Musik.

Quelle: teleschau - der mediendienst