DeAD

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Bedrohliches Schachspiel

Wenn etwas nicht passt, muss man mitunter zurück in die Vergangenheit, zu den Eltern. Wenn das im Kino passiert, wird daraus ein ernster, vielleicht melancholischer Film. Aber sicher kein cooler. Bis jetzt. Der Absolvent der Filmhochschule Hamburg Sven Halfar lebt in seinem Debüt "DeAD" die Lust am Pulp, zelebriert sogar die "Pulp Fiction"- Optik, die zuletzt ein bisschen in Vergessenheit geriet.

Die Hauptfigur trägt Tolle, fährt Amischlitten und pafft Zigarette: Patrick (Tilman Strauß) stellt mit offensichtlicher Wut im Bauch fest, dass sich seine Mutter erhängt hat. Mit dieser Wut stattet er seinem "Erzeuger" (Thomas Schendel) einen Besuch ab. Bis er dort angelangt, verarbeitet der Filmdebütant visuell aufregende Ideen. Angefangen beim Vorspann, der im Wortsinn trickreich daherkommt, setzt Halfar auf Tempo und Coolness - und macht richtig Lust auf das Folgende. Der 1972 am Bodensee geborene Ästhet kreiert eine aufregende, junge Bildsprache und schüttet unruhige Musik wie einen Eimer Farbe auf das Geschehen.

Der Stoff weise viele Parallelen zu Halfars eigenem Leben auf - da er sich oft selbst verloren fühle, sich nach familiärer Idylle sehne. Der abwesende Vater spielte bei diesen Gedanken eine zentrale Rolle. Deshalb wollte er eine Geschichte erfinden, bei der sie sich gegenüberstehen, der Vater und der verlorene Sohn - klischeehalber am 60. Geburtstag des Älteren.

Die Intention ist keine alltägliche. "DeAD" soll zeigen, dass Verantwortungslosigkeit von Vätern in Aggression der Nachkommen mündet. Nach dem launigen Start entert Halfar die neureiche, bürgerliche Idylle. Doch es ist gar nicht so sehr Patrick und Kumpel Elmer (Niklas Kohrt), die den Eklat herbeiführen. Vielmehr sorgen eine weitere Verflossene des "Erzeugers", Birgit (kein leichter Part für Suzanne von Borsody), und ihr porscheverliebter Sohn Holger (Tobias Kay) für erste Misstöne.

Die vorliegende Konstellation ist wild, aber nicht ungewöhnlich. Ungewohnt ist dagegen die Entschlossenheit und Härte, mit der der Regisseur die Dialoge präsentiert. Brutal und direkt diskutiert "DeAD" sein Thema. Doch dabei bleibt es nicht. Dem verbalen Pingpongspiel folgen erste Scherben, der Geburtstag wird zum Tag für Patricks Vergeltung. Dabei hat Regisseur Halfar durchaus gute Ideen, doch schließlich will er nur noch geniale Schachzüge abliefern und schießt etwas übers Ziel hinaus. Er setzt seinen Stil durch, vergisst dabei aber ein wenig seine ursprüngliche Geschichte - nach dem Motto: Stil vor Talent.

Quelle: teleschau - der mediendienst