Winter's Tale

Winter's Tale





Fantasy-Frau des Lebens

Ein echter Klopper: 1983 erschien in den USA "Winter's Tale", eine epische Geschichte, die sich über mehr als 100 Jahre und 800 Seiten erstreckt. Es geht um Gut und Böse, um Liebe und Hass und immer wieder auch um das einzigartige New York. Autor Mark Helprin erntete für sein Werk reichlich gute Kritiken und wohl noch mehr Tantiemen. Jetzt wurde das Buch verfilmt: Pünktlich zum Valentinstag kommt die Geschichte, in deren Zentrum eine große Romanze steht, in die Kinos. Mit Colin Farrell, Jessica Brown Findlay ("Downton Abbey"), Russell Crowe und Jennifer Connelly hat sie eine prominente Besetzung zu bieten - sonst aber leider fast nichts.

Colin Farrell spielt Peter Lake, einen Mechaniker, der seine Kenntnisse am liebsten zum Safeknacken einsetzt. Als er in einem vermeintlich verlassenen Haus auf Beverly (Jessica Brown Findlay) trifft, hängt er allerdings sämtliche Ganovenpläne an den Nagel. Die schöne Exzentrikerin verzaubert ihn von Anfang an - und findet ebenso Gefallen an dem hübschen Halunken. Doch ihre Liebe steht unter keinem guten Stern: Sie ist tuberkulosekrank und dem Tode nah, er will an ihrer Seite bleiben, so lange es eben geht. Das gestaltet sich eher schwierig, denn Peters einstiger Bandenboss Pearly (Russell Crowe) funkt immer wieder dazwischen. Er hat noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen - und steht mit unheimlichen Mächten im Bunde.

"Winter's Tale" war ein Herzensprojekt von Akiva Goldsman. Der Regisseur tritt auch als Produzent auf und adaptierte den Roman selbst für die Leinwand. Immerhin: In der Verarbeitung erfolgreicher Buchvorlagen hat er schon einige Übung. Die Ergebnisse allerdings waren mal mehr ("A Beautiful Mind", "I, Robot"), mal weniger ("Sakrileg", "Batman & Robin") gut geraten. Diesmal hat er sich an der Dreifachlast leider verhoben.

Die in Helprins Buch reichlich vorhandenen übernatürlichen Elemente werden hier zum reinen Fantasy-Kitsch: Die Winterwelt wird bevölkert von Engeln, Dämonen und einem fliegenden Schimmel mit Regenbogen-Glitzer-Schwingen, den man so vielleicht in einem pinken Überraschungsei erwarten würde, aber nicht in einem Blockbuster. In welchem Zusammenhang diese geheimnisvollen Kräfte stehen, erfahren letztlich aber weder die Charaktere noch der Zuschauer.

Der Spielfilm macht den Eindruck als wäre er die hastig zusammengestückelten Kinofassung einer längeren Serie. Trotz des gekürzten Eindrucks gibt es immer wieder Längen in Goldsmans Inszenierung. Ebenfalls deutlich verloren hat die Stadt New York, die in Helprins Buch noch eine heimliche Hauptrolle spielte. Hier verblasst sie zur reinen Kulisse - diese Geschichte könnte auch überall sonst auf der Welt spielen.

Die Schwäche von Regie und Buch können auch die Schauspieler nicht ausgleichen. Zwar liefert Jessica Brown Findlay als frohgemute Todgeweihte einen wirklich frischen und liebenswerten Auftritt ab, doch Colin Farrell stolpert so halblebig durch die Szenerie, dass man sich fast fragt, ob nicht doch er den Todkranken spielt. Der etwas aufgeschwemmte Russell Crowe gibt seinen uralten Dämon mit einer unangenehmen Mischung aus Bräsigkeit und Overacting. Und Will Smith als leibhaftiger Satan könnte vielleicht in einer Satire als Casting-Coup herhalten, hier aber sorgt er statt für Furcht allenfalls noch für milde Fremdschamattacken.

Mit dieser Verfilmung wird Goldsman wohl nicht nur den einen oder anderen Fan der Buchvorlage enttäuschen, sondern auch die Pärchen, die zum Valentinstag in der Hoffnung auf eine große Romanze ins Kino strömen. Zumindest letzteren bleibt nur zu wünschen, dass sie diese dann eben nicht auf der Leinwand, sondern auf dem Kinosessel erleben.

Quelle: teleschau - der mediendienst