Madame empfiehlt sich

Madame empfiehlt sich





Viel Rauch um Catherine Deneuve

Dem Mythos nach sind es ja immer die Männer, die die Schnauze voll von ihrem einengenden Leben haben, sodass sie irgendwann losfahren ... Zigaretten holen. Hier ist es die Restaurantbesitzerin Bettie, gespielt von der mittlerweile 70-jährigen Grande Dame des französischen Kinos, Catherine Deneuve. Sie geht - und kehrt nicht mehr zurück. Dabei liegt das zunächst nur daran, dass es sich in der bretonischen Provinz, in der die Ex-Schönheitskönigin und Kettenraucherin hängengeblieben ist, als äußerst schwierig erweist, an einem Sonntag Fluppen aufzutreiben. Regisseurin Emmanuelle Bercot verfasste zusammen mit Jérôme Tonnerre das Drehbuch zu ihrer vierten Regiearbeit. Nun startet "Madame empfiehlt sich" in den Kinos.

Betties Weg führt sie immer weiter weg von zu Hause, von ihrem mies laufenden Restaurant "Auberge" samt Hummeraquarium, ihrer dominanten Mutter und ihrem verheirateten Langzeitliebhaber, der sie just für eine 25-Jährige verlassen hat. Fortan scheint die Kamera förmlich an Catherine Deneuve zu kleben. Ebenso wie die französische Regisseurin Bercot und Kameramann Guillaume Schiffmann wird der Zuschauer nicht müde zu enträtseln, was sich bloß hinter diesen verträumten Augen abspielt. Offensichtlich ist dieses tragikomische Roadmovie nicht mehr, aber auch nicht weniger als eine offensichtliche Hommage an eine Ausnahmedarstellerin, die in über hundert Filmen ihre unnachahmliche Sphinxhaftigkeit kultiviert hat.

Bercot hat sich als Co-Autorin des in Cannes 2011 ausgezeichneten, ungewöhnlichen Dramas "Polisse" bereits einen Namen gemacht. Um so überraschender sind hier nun das oberflächliche Drehbuch und nicht ausreichend entwickelte Figuren. Betties von ihrer Mutter zutiefst enttäuschte Tochter Muriel (dargestellt von Sängerin Camille) und ihr Enkel Charly (Nemo Schiffman), den sie bislang nicht kennengelernt hat, werden zur Nebensache. So fährt die kühle Schönheit immer weiter durch die malerische Landschaft, gönnt sich einen One-Night-Stand mit einem aufdringlichen jungen Mann mit Mutterkomplex, verfrachtet ihren elfjährigen Enkel, der ihre Geduld überstrapaziert, zu seinem Großvater und schaut vorher noch bei einem Treffen früherer Schönheitsköniginnen vorbei.

Leider führt ihr Selbstfindungstrip letztlich in die Sackgasse einer filmischen Auflösung, die an klischeehaft französischem Kitsch nur schwer zu überbieten ist. Doch während die Filmfigur Bettie bereits nach dem Abspann rapide zu verblassen beginnt, geistert die rätselhafte Diva Deneuve wieder einmal noch Wochen danach durch die Tagträumereien des Zuschauers.

Quelle: teleschau - der mediendienst