Keanu Reeves

Keanu Reeves





Die Emanzipation des traurigen Mr. "Matrix"

Keanu Reeves hat es nicht gerade leicht in der Schauspielbranche: Hollywood steckt ihn in eine Schublade, und die Boulevard-Presse sieht in ihm aufgrund seiner Biografie den ewig Trauernden. Im Interview zu seinem neuen Film "47 Ronin" (Start: 30.01.) im Bayerischen Hof in München bemüht sich der 49-Jährige klarzumachen, dass er bei all den Image-Geschichten immer noch ein normaler Mensch ist. Ein Mensch, der keine extravaganten Hobbys hat, der nach dem Aufstehen erst einmal auf die Toilette muss und der sich seiner "Opa-Knie" wegen nicht erklären kann, warum ihn die Zeitschrift "Glamour" zum zweiten Mal in Folge zum "Sexiest Man Alive" gekürt hat.

Schon als Kind sei er sehr zurückhaltend und diesseitig gewesen, erklärt Keanu Reeves. Und daran scheint sich in den rund 30 Jahren, die er nun im Showgeschäft ist, tatsächlich wenig geändert zu haben. Auf die Frage, warum er schon so lange nicht mehr in einer großen Studio-Produktionen zu sehen war, antwortet er freiheraus und schulterzuckend: "Ich weiß nicht, sie wollten mich wohl nicht. Oder es gab kein Material, zu dem ich passe." Auch wenn Reeves schon in über 50 Filmen die unterschiedlichsten Rollen spielte, der schwarze Mantel aus "Matrix" (1999) scheint weiterhin schwer auf den Schultern des Kanadiers zu liegen.

Für die Boulevardjournalisten hingegen ist Reeves der schöne Schauspieler, der schon so viele Verluste beklagen musste: Als sein damals bester Freund im Show-Business, River Phoenix, 1993 den Drogentod starb, trauerte er lange. Sechs Jahre später kam seine Tochter tot zur Welt, ihre Mutter Jennifer Syme verstarb 2001 bei einem Autounfall. Doch trotz dieser Trauerfälle kann der Schauspieler recht unbeschwert über das Thema Endlichkeit sinnieren. Sein diesjähriger 50. Geburtstag am 2. September sei zum Beispiel keine große Nummer - die erste große Panik vor dem Altern sei nämlich schon vor zehn Jahren aufgekommen: "Mit 40 weiß man erstmals: Ja, ich werde wirklich sterben. Wie ein zweites Mal erwachsen werden ist das", lacht er. "Nun hoffe ich, dass ich nicht bald sterben werde. Mit 60 heißt es dann wahrscheinlich: Scheiß drauf', dann sterb' ich halt. Lass uns aber vorher noch etwas unternehmen."

Zuletzt trug auch ein kleines Internetphänomen dazu bei, dass der Bambi-Gewinner trotz seiner humorvollen Art das Image des Melancholikers weg hat. Auf dem Foto, das 2010 über Wochen und Monate im Internet kursierte, war Reeves auf einer Parkbank zu sehen, alleine ein Sandwich verdrückend. Tatsächlich machte er dabei einen überaus bedrückten Eindruck. Dieses Bild wurde zu Dutzenden sogenannten Memes verarbeitet, Bildern, die in Kombination mit kleinen Sprüchen stellenweise richtig lustig sein können. Zumindest heute kann er über diese Geschichte lachen: "Ich weiß noch, wie ein Freund mich damals anrief und meinte, ich sei die Antwort in einem Kreuzworträtsel. Das fand ich super. Und als ich von diesem Meme erfuhr, dachte ich mir auch nur: Hey cool, ich bin ein Meme."

Allerdings kann er sich auch an Zeiten erinnern, in denen er sich wirklich allein fühlte. Wie seine Figur in "47 Ronin", Halbblut Kai, sei er einst ein Außenseiter gewesen. "Ich war auf fünf Schulen in vier Jahren", erinnert sich der in Beirut Geborene an seine High-School-Zeit. "Und mit meinen hawaiianisch-chinesischen Wurzeln ohnehin nirgendwo so richtig zuhause.

Heute sei das selbstverständlich kein Thema mehr. In Los Angeles hat Reeves eine Heimat gefunden: "Mit dem Motorrad den Sunset Boulevard herunter oder durch die Berge - es gibt kaum etwas Schöneres", strahlt er. Die restliche Zeit verbringt er dort mit Filmen, Büchern und gutem Scotch. Während der nun längeren, vermeintlichen Durststrecke hat er eine eigene Motorradfirma gegründet, will dieses Jahr ein eigenes Bike auf den Markt bringen. Außerdem arbeitete er lange an seinem Regiedebüt "Man Of Tai Chi". Der Martial-Arts-Actionfilm ist in Deutschland ab 13. März in den Kinos zu sehen. Vielleicht schafft es Keanu Reeves ja mit solchen Projekten, endgültig die "Matrix"-Schublade zu verlassen. Nach so sympathischen Interview-Auftritten ist das Trauerkloß-Image zumindest schon mal passé.

Quelle: teleschau - der mediendienst