Endlich erwachsen

Endlich erwachsen





Daniel Radcliffe spielt die Hauptrolle in "Kill Your Darlings" (Start: 30.1.)

Nicht schlecht für einen Erstlingsfilm: US-Regisseur John Krokidas zeigt in seiner Künstlerbiografie "Kill Your Darlings" (Start: 30.1.) die jugendlichen Selbstfindungsjahre von Allen Ginsberg und den Beatpoeten - bevor sie solche waren. Als Ginsberg, Lucien Carr, Jack Kerouac und William S. Burroughs sich als Studenten in New York kennen lernen, sind sie noch auf der Suche nach ihrer Identität. Drogen- und Sexexperimente erscheinen für diesen Prozess unumgänglich. Daniel Radcliffe (24), der Allen Ginsberg spielt, hat Verständnis für die Selbstfindungsprobleme seines Protagonisten, einer Art Zauberlehrling der Poesie.

teleschau: Herr Radcliffe, wollten Sie mit dieser Rolle Ihr "Harry Potter"-Image loswerden?

Daniel Radcliffe: Wie kommen Sie denn darauf? Mich hat niemand gezwungen, zehn Jahre lang Harry Potter zu spielen. Und die Fanunterstützung durch diese Filme ist ganz wunderbar. Aber ich möchte von meinem Publikum eben nicht nur als eine bestimmte Filmfigur wahrgenommen werden, sondern als vielseitiger Darsteller.

teleschau: Ginsberg war, wie Sie, Jude. Sie schreiben privat Gedichte. Welche Parallelen gibt es sonst noch?

Radcliffe: Ich habe auch Haare auf dem Kopf! Im Ernst: Es mag Verbindungen geben, und ich habe auch schon Gedichte geschrieben. Aber ich würde doch kaum meine Ergüsse mit Gedichten von Allen Ginsberg vergleichen. Es ist im Grunde auch vollkommen egal, ob ich etwas mit Ginsberg gemeinsam habe oder nicht: Ich habe ihn ja nur gespielt! Die Maskenbildner, der Haarstylist und die Kostümabteilung haben hier Großartiges geleistet. Ich sehe vollkommen verändert aus, finde ich. Am Ende aller Tage habe ich aber auch schon einen Iren gespielt. Muss man Ire sein, um einen Iren spielen zu können? Nein.

teleschau: Wie anspruchsvoll war die Kussszene mit Dane DeHaan, der Ginsbergs große Liebe Lucien Carr spielt?

Radcliffe: Das fragen Sie einen Mann, der auf der Bühne schon gefakten Sex auf dem Rücken eines Pferdes hatte? Eine schwule Sexszene schockt mich nicht wirklich. Außerdem drehten wir sie an einem der letzten Drehtage. Es war mitten in der Nacht, jeder war völlig erschöpft und wir hatten es eilig. Also schnell, zwei Wiederholungen, dann Klappe und fertig. Erst danach haben Dane und ich uns angeschaut und festgestellt: Hey, wir haben uns gerade zweimal heftig geknutscht! Und es hat ohne Probe geklappt (lacht).

teleschau: Waren Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Radcliffe: Ich finde, dass es sehr überzeugend aussieht.

teleschau: Mussten Sie am Set oft unter solchem Zeitdruck und bis spät in die Nacht arbeiten?

Radcliffe: Andauernd, der ganze Dreh dauerte ja nur 24 Tage. Wir haben acht bis neun Szenen am Tag gedreht. Es war auf diese Art sehr kreativ. Außerdem hatte keiner am Set einen Wohnwagen, das heißt, wir saßen ständig alle bei den Haar- und Make-up-Leuten herum. So kam man sich unweigerlich näher, wurde sehr vertraut. Das hat sehr geholfen, wir sind Freunde geworden.

teleschau: Erfüllt es Sie mit Befriedigung, dass Ihr Name auf der Besetzungsliste inzwischen die Finanzierung eines Films sichert?

Radcliffe: Auf jeden Fall, auch wenn das so natürlich noch nicht stimmt. Ausschließlich deshalb, weil ich an einer Produktion beteiligt bin, bezahlt niemand einen Film. Aber ich kann dabei helfen und das ist toll.

teleschau: Im Film geht es auch um Vergebung. Könnten Sie jemandem vergeben, wenn er zum Beispiel schwulenfeindlich wäre oder einen Mord begehen würde?

Radcliffe: Schwulenfeindlichkeit und Rassismus wären in meinem eigenen Freundeskreis ganz sicher ein K.O.-Kriterium für Freundschaft.

teleschau: Glauben Sie an die Rebellion der Jugend, wie von der Beatgeneration idealisiert?

Radcliffe: Hält sich nicht jede junge Generation für äußerst aufmüpfig? Aber heutzutage werden spannende Themen schon in den sozialen Netzwerken diskutiert und damit verwässert. Was nicht in 140 Zeichen passt, ist es nicht wert, artikuliert zu werden. Das verhindert echte, ausführliche Diskussionen.

teleschau: Twittern Sie?

Radcliffe: Nein, ich bin auch nicht bei Facebook. Ich habe eine Google Plus Seite. Das ist mein Zugeständnis an die Ära der Sozialen Netzwerke. Ich archiviere Bilder online. Dafür finde ich das Netz hervorragend.

Quelle: teleschau - der mediendienst