Free Birds - Esst uns an einem anderen Tag

Free Birds - Esst uns an einem anderen Tag





Die Wurzel ausrupfen

Vogel müsste man sein, dann könnte man frei und erhaben über den Baumwipfeln dahingleiten. Unaufhaltsam, wunderbar. Es sei denn, man ist ein Truthahn, dann guckt man dumm vor sich hin, schubbert sich ein wenig an einer Holzwand und zu Thanksgiving wird man, sofern man Truthahn in den USA ist, gegessen. Doch nun gibt es einen Auserwählten, dem dieses Leben zu banal ist, der für sich und seine Kumpel mehr erreichen will: Der US-Animationsfilm "Free Birds - Esst uns an einem anderen Tag" erzählt eine in sich stimmige Geschichte über eine Zeitreise und ist über weite Strecken sehr, sehr komisch.

Mit nicht mal Mitte 40 ist Jimmy Hayward bereits ein alter Hase im Animationsgeschäft: Als Animator hauchte er bereits 1995 den Helden von Pixars "Toy Story" Leben ein, 2008 gab er mit "Horton hört ein Hu" ein sehr gelungenes Regiedebüt. Als Hayward bei "Free Birds" einstieg, überarbeitete er erst einmal die komplette Story. Wie auch immer die vorher war: So, wie sie jetzt ist, ist sie gut.

Der Gedankengang der Truthähne, die schon aufgrund ihrer Körperform lustig sind, ist folgender: Wenn wir nicht mehr der Hauptgang an Thanksgiving sein wollen, müssen wir dahin zurück, wo dieser Brauch entstanden ist. Ihr gewagter Sprung in die Vergangenheit ist natürlich dem Wunsch der Macher geschuldet, noch ein bisschen mehr technischen Schnickschnack aufbieten zu können und damit die jüngeren Zuschauer, die ein "Höher, schneller, bunter" gewöhnt sind, zu begeistern.

Glücklicherweise hat Jake, der Ältere der beiden Hauptakteure, schon einen generalstabsmäßigen Plan und eine Zeitmaschine an der Hand, die ihn und seinen auserwählten Kumpel Reggie ins 17. Jahrhundert zurückkatapultiert. An die amerikanische Ostküste, wo - und das ist das Glück der Zuschauer - die Truthähne noch lustiger sind als in der Gegenwart, vor allem aber schlauer. Dies gilt insbesondere für die Henne Jenny.

Man weiß sich mit Lianen zu helfen, fliegt wie Tarzan durch die Baumwipfel und ist zum Kampf bereit: Esst uns an einem anderen Tag - oder gar nicht! Hayward hat die Reise mit vielen liebevollen Details und schönen Einfällen ausgestattet. Technisch ist die 3D-Produktion guter Standard, insbesondere beeindruckt die Verwendung von Feuer. Die Charaktere sind bestens ausgearbeitet, die Geschichte wurde konsequent zu Ende gedacht und ist bis zum letzten Streifenhörnchen gelungen. Bleibt die Frage: Kann man die Vergangenheit wirklich ändern?

Mit der 3D-Produktion wurde den beiden Schauspielern und Freunden Owen Wilson und Woody Harrelson der Wunsch erfüllt, gemeinsam an einem Film mitzuwirken - als Sprecher der beiden Hauptfiguren. In Deutschland wurden die Stimmen ebenso prominent besetzt wie im Original - erfreulicherweise mit Menschen, die sich mit Humor auskennen: Rick Kavanian, Nora Tschirner und Christian Tramitz. Oliver Kalkofe wurde an dieser Stelle wissentlich unterschlagen.

Quelle: teleschau - der mediendienst