Peter Maffay

Peter Maffay





Eine Frage der Haltung

15 Nummer-eins-Alben. Mehr Spitzenplatzierungen kann kein deutscher Künstler aufweisen. Und nicht nur die begeisterten Reaktionen von 5.000 Fans bei seiner Albumpräsentation im Münchner Zenith deuten darauf hin: Mit "Wenn das so ist" wird Peter Maffay seine unglaubliche Erfolgsbilanz ausbauen. Denn sein bunt gemischtes Publikum liebt den 64-Jährigen für das, was er ist: eine ehrliche Haut, ein Kumpeltyp, ein nahbarer Rock-Star. Bevor er auf die Bühne kommt, um mit seiner Band die 15 Songs des neuen Albums zu präsentieren, begibt er sich dementsprechend auch einmal quer durch die Halle, lässt sich von zahlreichen Fans herzen und auf die Schulter klopfen. Und sie lieben seine Musik, die genau dieses Image - gerade auf dem neuen, kantigen "Rock'n'Roll"-Album - transportiert. Und dennoch: Als Musiker hat Peter Maffay nie sonderlich große Wertschätzung erfahren. Das ist aus vielerlei Gründen nicht verwunderlich - aber, so macht der Abend deutlich, auch ungerecht.

Zurück zu den Ursprüngen. Herausfinden, welche Sounds ihn zu Beginn seiner Karriere elektrisierten. Endlich wieder auf die Vorbilder hören. Bereits im Vorfeld hatte Maffay wissen lassen, dass er mit "Wenn das so ist" nach seinen musikalischen Wurzeln forschen wollte. Bei der Ansage zu "Gelobtes Land" erzählt er von diesem Findungsprozess, von einem seiner großen Helden, Bob Dylan, aus dessen Feder der Song stammt. Er habe bislang selten Coverversionen aufgenommen, erinnert sich Maffay, aber versucht, den Song in die Gegenwart zu transportieren und für sich zu adaptieren. Dass seine Version nur wenig mit dem Original zu tun hat und zudem eine der schwächeren Nummern des Albums darstellt, ist dabei fast nebensächlich. Interessanter ist die Tatsache, dass er sich auf die Folk-Ikone beruft.

Denn in der breiten Wahrnehmung ist Maffay weniger ernstzunehmender Musiker, sondern vor allem eins: Maffay. Ein Kerl, ein Typ, eine Marke. Oder eben: früher Schnulzen-Heini, jetzt Deutsch-Rocker. Und selbst in letzterer Kategorie wird er eher unterschätzt. Im Vergleich zu Kollegen besitzt er nicht den Coolness-Faktor eines Lindenberg, nicht die weltmännischen Qualitäten eines Grönemeyer, nicht den intellektuellen Anspruch eines Heinz Rudolf Kunze. Nein, Maffay ist - und das ist kein Witz auf Kosten seiner Körpergröße - der kleine Mann. Ein Fan von erdigem-ehrlichen Blues und Rock, ein Handwerker, ein Perfektionist. Einer, der hofft, dass seine Arbeit Respekt und Anerkennung findet.

Nicht umsonst lässt er im Vorlauf zu seinem Live-Konzert, zur "Taufe seines neuen Babys" Szenen aus der ARD-Dokumentation "Auf dem Weg zu mir" (zu sehen am 2. Februar, 23.35 Uhr) laufen, die ihn bei der akribischen Arbeit an seinem neuen Album zeigen. Dort gibt er - einmal mehr - zu, dass er selbst keine Texte schreiben könne. Dennoch sieht man, wie viel Wert er auf die gemeinsame Arbeit daran legt. Als Musiker muss er sich ohnehin nicht verstecken. Denn auch wenn dieser Aspekt seiner Schaffens oft ausgeblendet wird: Maffay weiß, was er tut, er kennt seine Vorbilder bestens.

Schon als Teenager spielte er mit seiner Beat-Rock-Band The Dukes Lieder eben von Bob Dylan, aber auch von den Small Faces, Cream und den Kinks. Er blickte früh über den Tellerrand, der ihm - nach dem sofortigen Erfolg seiner Debütsingle "Du" (1970) - vom Schlagergeschäft vorgegeben wurde. Er sang bald seine eigenen Songs, spielte gemeinsam mit dem Songwriter Johnny Tame als Tame & Maffay zwei mehr als passable Country-Rock-Alben ein.

Zudem erkannte Maffay schnell, dass er seine begrenzten Fähigkeiten als Gitarrist ("Es gibt Dinge, die kann ich gut spielen. Zugegeben: Das ist relativ wenig", sagte er noch 2011 im Interview) durch herausragende Mitmusiker kompensieren musste. Für "Dein Gesicht" (1977) holte er sich den profilierten Blues-Musiker Frank Diez sowie Keyboarder Jean-Jacques Kravetz und Schlagzeuger Bertram Engel (beide von Udo Lindenbergs Panikorchester) ins Boot, die seinen Weg jahrzehntelang begleiteten. Inzwischen bedient Kravetz' Sohn Pascal die Tasteninstrumente, Engel sitzt sogar bis heute für Maffay hinter den Drumkits. Und er ist stolz auf seine oft prominent besetzte Band: Für "Wenn das so ist" konnte er den renommierten US-Jazz-Saxofonisten Everette Harp (Chaka Khan, Anita Baker) gewinnen, der auch bei der Live-Präsentation des Albums auf der Bühne steht und für seine Soli frenetischen Beifall erntet.

Denn auch das macht der Abend deutlich: Peter Maffay ist ein Teamplayer. Er lässt - und das nicht etwa gezwungenermaßen - seinen Mitmusikern großen Raum. Darin ähnelt er - wie auch mit seinen erdigen Rocksound, dem Einsatz des Saxofons und dem optimistischen Freiheits- und Gerechtigkeitsdrang in seinen Texten - fast ein wenig Bruce Springsteen und dessen E Street Band. Maffay selbst würde sich diesen Vergleich mit seinem US-Altersgenossen - beide feiern 2014 ihren 65. Geburtstag - zwar sicher nicht anmaßen. Er ist zugegebenermaßen auch kein versierter Chronist des kleinen Mannes, nur ganz selten (etwa in den frühen 80er-Jahren mit dem fortschrittskritischen "Liebe wird verboten" oder apokalyptischen "Eiszeit") in seinen Texten so explizit politisch wie der "Boss".

In einem der zahlreichen Vorab-Videoeinspielungen des Konzertabends sagt Maffay aber den vielleicht entscheidenden, ihn charakterisierenden Satz: "Im Wort Unterhaltung steckt das Wort Haltung". Denn mindestens das verbindet beide Künstler tatsächlich: Auch Maffay weiß um seine Verantwortung als Rockstar, wie er nicht nur mit seiner Stiftung für traumatisierte Kinder beweist. Er engagiert sich, ist ein Mann klarer Worte. Dabei nimmt er sich selbst zwar niemals allzu ernst - auf der Aftershowparty etwa witzelt er selbst über seine Körpergröße. Als auch musikalisch engagierter Musiker mit Haltung verdient Maffay allergrößten Respekt.

Peter Maffay auf Deutschland-Tournee:

15.01.2015, Hamburg, O2 World

16.01.2015, Dortmund, Westfalenhalle

17.01.2015, Köln, Lanxess Arena

20.01.2015, Frankfurt, Festhalle

23.01.2015, Mannheim, SAP Arena

24.01.2015, Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle

26.01.2015, Trier, Arena

28.01.2015, Leipzig, Arena

30.01.2015, München, Olympiahalle

03.02.2015, Nürnberg, Arena

05.02.2015, Erfurt, Messehalle

07.02.2015, Berlin, O2 World

10.02.2015, Hannover, TUI Arena

13.02.2015, Bremen, ÖVB Arena

Quelle: teleschau - der mediendienst