Und Äktschn!

Und Äktschn!





Zu viel Hitler

Man lehnt sich vielleicht etwas zu weit aus dem Fenster, und doch: Will man eine der besten Eröffnungsszenen eines deutschen Films sehen, bleibt einem nichts anderes übrig, als "Kehraus" (1983) einzulegen. Dieser grandiose Film von und mit Gerhard Polt wird von dem einen oder anderen gar als einer der besten deutschen Filme bezeichnet. Polt ist brutal, wie man in Bayern lobend sagt. Er spielt in einer Liga mit Loriot, mit Karl Valentin, gar mit den Briten von Monty Python. Ein neuer Film mit Gerhard Polt ist also immer ein Ereignis. Das verbirgt jedoch nicht, dass sein Neuester, "Und Äktschn!", Probleme hat.

"Magst Du wirklich einen Film über Hitler drehen?" - "Nein, ich nicht. Aber wir!", rumpelt Hans Pospiech (Gerhard Polt), Amateurfilmer und großer Cineast, seinen Neffen Alfons (Maximilian Brückner) an. Pospiech will mit seinem Film über den "privaten Hitler" den Hauptpreis der ersten Filmfestspiele der kleinen, an der Grenze zu Österreich liegenden (fiktiven) Gemeinde Neufurth gewinnen. Sparkassen-Direktor Faltermeier (Michael Ostrowski) rief den Wettbewerb aus und spendete gleich mal das Siegergeld von 30.000 Euro aus dem Kulturförder-Topf.

Für Pospiech ist das eine große Chance: Er ist nämlich ein traditionell erfolgloser Filmer und hat in den vielen Jahren seiner unbändigen Filmleidenschaft nicht nur seine Ehe zerstört, sondern auch jede Menge Schulden angesammelt. Landet Pospiech also mit seinem Werk auf dem ersten Platz, ist er aus dem Gröbsten raus. Wäre da nicht der fiese Kleinstadtklüngel mit seinen vielen gescheiterte Existenzen ...

Was hätte "Und Äktschn!" nicht alles werden können: Satire über wahnwitzige Hitlereien - man denke nur an "Der Untergang" -, zynische Abrechnung mit der Bankenkrise, Dorfposse, überspitzte Abhandlung über den Medienzirkus oder ein Blick auf fragwürdige Ruhmfokussierung vieler Menschen - siehe "DSDS", "Germany's Next Topmodel", "Der Bachelor" und so weiter. Am Ende kann man ein wenig überrascht sagen: "Und Äktschn!" ist von allem immer nur ein bisschen.

Es fehlt dem Film noch nicht mal an polt'schen Sprüchen - "Armut ist ohne Geld nicht denkbar!" - oder an aberwitzigen Figuren und bissigen Situationen: Der indische Koch Herr Suk, vermutlich illegal in Deutschland, darf Goebbels im Bunker spielen. Die Autoren Gerhard Polt und Frederick Baker entwerfen ein Kleinod der Skurrilitäten und füllen es mit Leben. Doch "Und Äktschn!" fehlt es an Struktur, an Fallhöhe und letztlich an Mut.

Polt und Baker gingen den Weg des geringsten Widerstands: die inzwischen sehr breitgetretene Route der verbrauchten Hitler-Witze. Sicherlich, wenn darüber diskutiert wird, wie der Führer denn nun eine Prinzregententorte bestellt hätte, ist das herrlich amüsant. Der Film vergeudet jedoch zu viel Zeit am Set dieses Films im Film. Die Geschichten der eigenwilligen Figuren kommen viel zu kurz.

Vielleicht hätte "Und Äktschn!" besser als Serie funktioniert. Polt und Baker nennen den britischen Komiker Ricky Gervais mit seiner Serie "The Office", das hierzulande als "Stromberg" adaptiert wurde, ohnehin als Vorbild ihres Films. Im Episodenformat hätten die beiden die Möglichkeit gehabt, ihrer unbändigen Ideenflut Platz zu geben. So ist "Und Äktschn!" eine Komödie, die witzig, die ideenreich und die melancholisch ist. Die aber auch schnell zerfasert und nicht genau weiß, wohin sie soll. Es ist eine Mixtur, die nicht recht schmeckt: Zu viel Hitler verdirbt den Brei.

Quelle: teleschau - der mediendienst