RoboCop

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Der mechanische Bulle ist zurück

Ist die Altersfreigabe ausschlaggebend für gute Qualität? Möchte man einigen Kommentaren im Netz Glauben schenken, ist die Einstufung des "RoboCop"-Remakes ab zwölf Jahren Grund genug, dem Projekt keine Chance zu geben. Das von Paul Verhoeven 1987 inszenierte Original bestach seinerzeit durch einen Gewaltzynismus, der dem Titel schnell einen Platz auf dem Index bescherte. Mit bissigem Unterton teilte der Regisseur in seiner Zukunftsdystopie Seitenhiebe gegen raffgierige Wall-Street-Yuppies und gegen die Reagan-Administration aus. Am Ende bekam jeder das, was er verdiente - inklusive Zins und Zinseszins in bleihaltiger Form. Die ausufernde Brutalität war nie Mittel zum Zweck, sondern unterstrich vielmehr Verhoevens bitterbösen Blick auf eine korrupte Gesellschaft. In Zeiten der globalen Finanzkrise hätte das Remake demnach eigentlich eine interessante Ausgangsposition. Der Weg, den der neue "RoboCop" einschlägt, überrascht aber dann doch auf äußerst positive Weise.

2038 erwirtschaftet der multinationale Konzern OmniCorp mit Kampfdrohnen Milliarden in der Rüstungsindustrie, der ausufernden Kriminalität in Detroit steht die Firma aber passiv gegenüber. Einzig der idealistische Polizist Alex Murphy (Joel Kinnaman) versucht, die Straßen seiner Heimat einigermaßen sicher zu halten. Als er bei einem Einsatz schwer verletzt wird, sieht OmniCorp-Chef Raymond Sellars (Michael Keaton) seine Chance, seine Robotertechnologie am lebenden Objekt auszuprobieren.

Dr. Dennett Norton (Gary Oldman) macht aus Murphy einen Hybriden aus Mensch und Maschine: einen metallenen und nahezu unzerstörbaren Polizisten. Doch schon bald machen sich beim "RoboCop" getauften Prototypen erste Zweifel breit - nicht jeder ihm erteilte Auftrag erscheint moralisch vertretbar. Denn auch wenn der Überpolizist äußerlich einem Cyborg gleicht, steckt in der Maschine immer noch ein Mensch. OmniCorp verlangt von seinem Personal aber zu jeder Zeit blinden Gehorsam und schreckt auch nicht vor Mord an den eigenen Leuten zurück ...

Allen bereits im Vorfeld geäußerten Negativbekundungen zum Trotz, dass es dem neuen "RoboCop" alleine aufgrund seiner niedrigen Altersfreigabe an Zynismus fehlen müsse, stellen sich als nichtig heraus: José Padilhas ("Tropa de Elite") Version des maschinellen Polizisten ist zwar ein unblutiger, aber dennoch düsterer Science-Fiction-Film, der nur in ganz wenigen Augenblicken die grafische Gewalt des Originals vermissen lässt. Vielmehr ist es dem Hollywood-Debütanten gelungen, dem Stoff seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Denn "RoboCop" entwickelt dann seine große Stärke, je weiter er sich von Paul Verhoeven entfernt.

Padilha überfrachtete seine Interpretation des metallenen Gesetzeshüters glücklicherweise nicht mit übertriebenen Actionszenen, wie es die ersten bewegten Bilder noch befürchten ließen, sondern setzte diese wohldosiert und in der genau richtigen Größenordnung ein, um den Fokus nicht von der Story abzulenken. Denn sein Ansatz, Alex Murphy und nicht "RoboCop" in den Mittelpunkt zu stellen, ist der genau richtige. Erstaunlich, aber das Remake besitzt so viel eigene Identität, dass es getrost neben dem Original Bestand haben darf.

Quelle: teleschau - der mediendienst