Hansi Hinterseer

Hansi Hinterseer





Über das Glück

"60 ist nur eine Zahl", sagt Hansi Hinterseer und beteuert, er wundere sich über den ganzen Rummel, der im Vorfeld seines 60. Geburtstags am 2. Februar über ihn hereinbricht. Wäre nun Hansi Hinterseer nicht Hansi Hinterseer, also schon immer so zurückhaltend und bescheiden, wie es aus einer solchen eher lakonischen Antwort durchklingt, man müsste ihm unterstellen, dass eine große Portion Koketterie mit im Spiel ist. Aber Hinterseer kokettiert nie. Er übertreibt auch nicht, und er klopft sich nie selbst auf die Schulter. Da kann man ihn noch so sehr locken. Dabei bestünde gerade kein Mangel an Anlässen zur Prahlerei: Am Tag vor seinem Geburtstag, am Samstag, 1. Februar, 20.15 Uhr, läuft auf ORF 2 die Gratulationsshow "Hansi Hinterseer - Heut' ist dein Tag", in der sich alles um den jung gebliebenen Jubilar dreht. Der Sender ORF 2 ist es auch, der am Mittwoch, 29. Januar, 20.15 Uhr, Hinterseers zehnten Spielfilm, das Alpendrama "Ruf der Pferde", erstmals im Fernsehen zeigt. Da der Sänger zudem seit 20 Jahren auf der Bühne steht, ist selbstredend auch eine Jubiläums-CD "(Heut' ist Dein Tag") erschienen, mit der er ab 12. Februar auf Tournee geht. Last but not least wird demnächst noch ein Wachs-Hansi bei Madame Tussauds in Wien Einzug halten. Ein Jahresauftakt, der fast vergessen macht, dass die Hinterseer-Shows im vergangenen Jahr aus dem Ersten Programm der ARD gekickt wurden.

teleschau: Wollen wir heute über das Glück reden, Herr Hinterseer?

Hansi Hinterseer: Ja, gerne. Aber warum wollen Sie das ausgerechnet mit mir tun (lacht)? Übers Glück mache ich mir eigentlich koane Gedanken.

teleschau: Oh. Wir dachten, weil Sie immer so zufrieden wirken - selbst nach einem langen PR-Tag wie heute in Seefeld strahlen Sie noch übers ganze Gesicht. Und warum sind Sie eigentlich schon wieder so braungebrannt?

Hinterseer: (lacht) Das liegt am vielen Skifahren. Seit Weihnachten hatten wir in Tirol fast durchgehend Sonnenschein, und droben auf den Bergen ist's alles in allem super zum Fahren. Also war ich, wann immer ich Zeit hatte, oben - fast jeden Tag, um ehrlich zu sein.

teleschau: Eigentlich ist es kaum zu glauben: Sie vollenden am 2. Februar das 60. Lebensjahr. Wie finden Sie das?

Hinterseer: Ganz normal. Komisch ist nur, dass alle Medien in diesen Tagen mit mir darüber reden wollen. Das fühlt sich schon ein bisserl schräg an, denn für mich sind Geburtstage sonst nie etwas Besonderes, ich mache kein Aufhebens darum. Und dieser Geburtstag ist ja jetzt auch nicht anders als jeder Geburtstag. 60 ist auch nur eine Zahl.

teleschau: Sprechen Sie nun gerne übers Älterwerden oder nicht?

Hinterseer: Ich habe kein Problem damit. Es geht uns ja allen gleich: Das Rad der Zeit dreht sich immer weiter, und wir müssen das Beste aus unserem Leben machen. Garantien gibt es sowieso nie - ich habe erlebt, dass Menschen, die nie geraucht oder gesoffen und immer Sport getrieben haben, mit 40 einfach umgefallen sind. Ich glaube sowieso daran, dass uns der Weg vom Herrgott vorbestimmt worden ist.

teleschau: Sieht so Ihr religiöser Glauben aus?

Hinterseer: Ja. Das Schicksal ist uns vorbestimmt, daran glaube ich fest. Und daran, dass keiner weiß, wie es weitergeht - zum Glück. Wenn deine Zeit gekommen ist, ist sie halt gekommen. Da kannst du dich noch so sehr mühen und gegen das Altern ankämpfen.

teleschau: Haben Sie schon mal Ihr biologisches Alter feststellen lassen?

Hinterseer: Nein, so was interessiert mich nicht. Ich bin so alt, wie ich mich fühle - und ich fühle mich sehr wohl und bin ganz gut in Form. Aber natürlich ist das ein Geschenk vom Herrgott, eine reine Glückssache.

teleschau: Nun wären wir also doch wieder beim Glück angekommen.

Hinterseer: (lacht) Ja, aber nennen wir es vielleicht lieber innere Zufriedenheit. Und natürlich spielt diese innere Zufriedenheit eine große Rolle für Gesundheit und Wohlbefinden. Aber dieses Glück kommt ja nicht einfach so dahergeflogen, sondern man nimmt, was einem geschenkt wurde und versucht das Beste draus zu machen. Das Glück muss man sich erarbeiten.

teleschau: Wie sieht das bei Ihnen konkret aus?

Hinterseer: Ich versuche einfach so zu leben, wie ich gerne lebe: Da ist der Sport! Mein Beruf als Sänger, meine vielen Konzerte, die Begegnung mit den Menschen! Und da sind natürlich meine Lieben daheim, ich habe eine wunderbare Familie! All das ist wichtig, und dazu kommt eine positive Grundeinstellung dem Leben und anderen gegenüber. Wir sind alles nur Menschen, und das Wichtigste ist, dass wir miteinander auskommen. Ich bin überzeugt, dass jeder etwas Gutes in sich hat. Sogar ein Verbrecher. Ich kenne auch keinen Neid. Wenn jemand erfolgreich ist, dann gönne ich ihm das. Leben und leben lassen - so gehe ich's an.

teleschau: Was hat diese positive Sicht geprägt - Ihre Kindheit? Sie wuchsen in einfachsten Verhältnissen auf der Alm auf.

Hinterseer: Ich glaube schon. Eine Kindheit, wie ich sie hatte, kann man eigentlich jedem Kind nur wünschen. Ich hatte so gut wie nichts - und doch hatte ich alles. Wir lebten damals sehr intensiv und mit den vier Jahreszeiten. Man war mehr draußen und viel mehr zusammen. Das hat mich geprägt. Das hat den erfolgreichen Sportler aus mir gemacht und wahrscheinlich auch den Grundstein für alles andere gelegt.

teleschau: Suchten Sie das Glück, oder hat das Glück Sie gefunden?

Hinterseer: In meiner Jugend, beim Skifahren, war es schon eher so, dass ich dem Glück auf die Sprünge half. Ich wollte unbedingt erfolgreich sein, beim Sport war ich sehr ehrgeizig. Alles andere ist dann mehr oder weniger eine Draufgabe gewesen. Meine feste Überzeugung ist, dass jeder Mensch im Leben seine großen Chancen bekommt. Die Frage ist, ob er sie überhaupt erkennt und ob er in diesem Moment bereit dazu ist, sie zu ergreifen, ob er sich traut oder eher Angst vor der eigenen Courage hat. Also für mich gehört der Mut schon irgendwie zum Glück dazu. Genau wie Fleiß und Ehrgeiz - aber auch Ehrlichkeit und Anständigkeit.

teleschau: Jetzt haben Sie sich selbst charakterisiert?

Hinterseer: Ja, schon - dabei tu ich das sonst nie, das überlasse ich lieber den anderen. Jetzt ham's mich (lacht).

teleschau: Wenn Sie auf Ihr bisheriges Leben zurückblicken: Was würden Sie heute als Ihr größtes Glück bezeichnen?

Hinterseer: Einfach, dass ich immer machen durfte, was ich gerne gemacht habe. Dass mir ein Talent für den Sport geschenkt wurde. Dass ich singen und den Menschen damit eine Freude machen kann. Dass ich eine tolle Familie habe.

teleschau: Wie sehr ist das Glück durch die Tatsache getrübt, dass die ORF-Geburtstagsshow nicht im Ersten ausgestrahlt wird?

Hinterseer: Ach, das ist absolut in Ordnung. Eine ganz normale Entscheidung des Fernsehens. Wirklich: Ich weiß, dass viele Fans geschockt waren, aber ich bin überhaupt nicht grantig, dass meine Samstagabend-Sendung nach 63 Ausgaben eingestellt wurde. Im Gegenteil: Ich bin dem Fernsehen unheimlich dankbar, dass ich das seit 1996 machen durfte. Und die Jubiläumsshow läuft ja auch in Deutschland: im HR, außerdem im Schweizer Fernsehen. Im ZDF gibt es später ein großes Spezial mit Andrea Kiewel ("ZDF-Fernsehgarten on Tour. Mit Hansi Hinterseer in Kitzbühel", Sonntag, 16. Februar, 11 Uhr, d. Red.). Ganz ehrlich: Das passt scho'!

Quelle: teleschau - der mediendienst