Katharina Müller-Elmau

Katharina Müller-Elmau





Den Takt vorgeben ...

Es gibt Rollen, die spielt Katharina Müller-Elmau mit links. Etwa, wenn sie wie im liebenswerten SAT.1-Film "Mein Lover, sein Vater und ich!" (Dienstag, 28. Januar, 20.15 Uhr) mal wieder alle Blicke auf sich zieht und die Männer ein wenig verrückt macht. Ähnlich gelagert ist der ZDF-Krimi "Die letzte Instanz" (Montag, 20. Januar, 20.15 Uhr), in dem sie einen Auftritt als begehrenswerte Staatsanwältin hat. Dass die temperamentvolle Schauspielerin, die in München lebt und in einer traditionsreichen Künstlerfamilie aufwuchs, 48 Jahre alt ist, sieht man ihr nicht an. Und trotzdem, man spürt die Lebenserfahrung, dank der sie sich nicht vor jeden Karren spannen lässt und sich allzu albernen Fernsehfilm-Vereinnahmungen entzieht. "Man muss sich nicht immer raushalten - im Gegenteil", sagt Katharina Müller-Elmau.

Die Schauspielerin mischt sich auch gerne mal am Set ein, wenn ihr die Bücher nicht stimmig vorkommen. Und mit Klischees braucht man ihr gar nicht erst zu kommen. "Frauen sind doch immer schon Beziehungen mit jüngeren Männern eingegangen", sagt sie - auch über ihren neuen SAT.1-Film. "Das Einzige, was sich geändert hat, ist die gesellschaftliche Akzeptanz solcher Beziehungen."

Deswegen will Katharina Müller-Elmau auch gar nicht erst daran denken, dass man die Komödie, in der sie eine Mode-Managerin spielt, die gleichzeitig von zwei Männern (Hendrik Duryn und Lucas Prisor) umgarnt wird, so platt auffasst, wie das der Titel andeuten könnte. Tatsächlich ist "Mein Lover, sein Vater und ich!" ein recht ernsthafter Film, der auf charmante Art vom Älter-, ja sogar vom Erwachsen-Werden erzählt - in einer Zeit, die von Hektik, Eitelkeit, Berufsjugendlichkeit und Oberflächlichkeit geprägt ist. "Es geht letztlich um die Reise einer reiferen Frau zu sich selbst", sagt die Hauptdarstellerin. "Natürlich bewegt das etwas in mir, daran kann ich andocken."

Nur mit der Ausgangsidee der Komödie, dass auf einem Klassentreffen in der Provinz verdrängte Gefühle wieder hochkochen, kann sie aus privater Ansicht nicht so ganz mitziehen - mangels eigener Erfahrungen. "Ich habe häufig die Schule gewechselt, da mein Vater mit uns für neue Theaterengagements in verschiedene Städte zog", sagt Katharina Müller-Elmau, die aus einer Schauspielerfamilie kommt, in der schon der Opa spielte und ihr eigener Vater Raidar durch zwei von drei "Immenhof"-Filme berühmt wurde. "Die Einladung zu einem Klassentreffen kam nur ein einziges Mal. Ich fuhr hin - und siehe da, es war sehr entspannt, richtig gemütlich. Und natürlich war es lustig zu sehen, wie sich jeder verändert hat."

Im eigenen Leben spielen ganz andere Netzwerke als die alten Schulbindungen eine Rolle. "Die engeren, langjährigen Freundschaften habe ich mit meinen Musikerkollegen, die ich teilweise seit meiner frühen Jugendzeit kenne", sagt die Künstlerin. Immerhin war Katharina Müller-Elmau als Schlagzeugerin und Gründungsmitglied der Münchner Kult-Band Freaky Fuking Wierdoz. Später bearbeitete sie die Felle bei Asmodi Bizarr. "Uns verbinden viele intensive Erlebnisse, man tritt in so manchem obskuren Club auf, und ist lange auf Europas Straßen unterwegs - das schweißt zusammen", sagt sie über die Band-Zeiten. "Erst kürzlich habe ich mit den Jungs von den Freaky Furien' Weirdoz gejammt, bis ich Blasen an den Händen hatte."

Dass in der Schauspielerin ein ziemlich energiegeladenes Rhyhmus-Monster lebt, wissen ihre besten Freunde natürlich nur zu gut. Viele Freaky-Fans warten weiterhin auf eine Wiedervereinigung der Ur-Band - bislang vergeblich. "Für mich stand schon früh fest, das das Schlagzeug mein Instrument ist. Vorne stehen und mit dem Hintern wackeln, war meine Sache nie", erklärt Katharina Müller-Elmau. "Lange Zeit stand mein eigenes Schlagzeug im Keller. Jetzt habe ich es wieder in die Wohnung geholt. Aber zu Hause spiele ich nur mit Jazzbesen, aus Rücksicht auf die Nachbarn."

Musik umgibt sie weiterhin auf Schritt und Tritt. "Erst kürzlich habe ich mir eine neue Gitarre geleistet. Wenn ich Freunde zu Besuch habe, landen wir am Ende meistens an den Instrumenten und jammen gemeinsam. Langweilig wird es nie." Auslöser für ihre Beat-Begeisterung war der Moment, als sie den Song "Roxanne" von The Police hörte. "Für mich war das eine echte akustische Revolution." Seitdem gab's kein Halten mehr - und zunächst auch einen klaren Wunsch - eine Band-Karriere, samt allen Begleiterscheinungen, die auch heute noch das Nomaden-Dasein einer vielbeschäftigten Schauspielerin prägen. "Wir sind ein Gaukler-Völkchen", sagt sie über ihre Familien-Vorprägung und das viele Untewegssein - "ein Gaukler-Völkchen, aber ein ersthaftes, was nicht heißt, dass wir nicht jede Menge Spaß haben".

Mit mit dem Theater-Leben, das später in viele Film- und Fernseh-Engagements überging, konnte sie sich natürlich auch schnell anfreunden. "Ich bin so dankbar, dass ich diesen Weg gehen konnte. Zugegeben, nicht gerade sehr phantasievoll, denn in unserer Familie bin ich bereits in dritter Generation Schauspielerin." Mit in den Beruf gebracht hat sie dabei das Selbstbewusstsein der Könnerin - und den zupackenden Auch-mal-Widerspruchs-Geist, den man auf der Rock-Bühne eben so lernt. Deswegen mischt sie sich ein - "Drehbücher blieben nur selten in der Fassung, in der man sie erstmalig zu Gesicht bekommt", sagt sie. "Gemeinsam an einem Strang zu ziehen ist wichtig, weil doch alle ein gutes Ergebnis erzielen wollen." Katharina Müller-Elmau findet: "Das gute Miteinander ist für mich das Entscheidende. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man sagen kann: Diese Nuss haben wir geknackt."

Kein Wunder, dass für sie "Mein Lover, sein Vater und ich!" damit nicht die platte genarationenübergreifende Love Story sein kann. Und sie sich auch in Interviews nicht mehr dazu äußern möchte, ob sie sich nicht vielleicht selbst einen jüngeren Liebhaber vorstellen könnte. Nein. Dafür hat sie vor der Ernsthaftigkeit auch des scheinbar Leichten zu viel Respekt. Und immerhin hat sich die Welt verändert - auch für die vermeintlichen Machos. "Männer, die heute um die 30 sind, sind mit einer emanzipierteren Generation von Müttern großgeworden. Das prägt." Wenn man Katharina Müller-Elmau das sagen hört, merkt man, wie froh sie über diese Entwicklung ist.

Quelle: teleschau - der mediendienst