Le Weekend

Le Weekend





Zwei Briten in Paris

Was für ein leichter, elegant gemachter Film. Dazu muss wahrscheinlich der Autor Hanif Kureishi ("Mein wunderbarer Waschsalon") und der Regisseur Roger Michell ("Notting Hill") heißen. In ihrer vierten Zusammenarbeit - zuletzt "Venus" mit Peter O'Toole - lassen die beiden ein älteres britisches Ehepaar für ein Wochenende nach Paris, in die Stadt der Liebe, reisen. Auch ihrer Liebe: Dort haben sie einst ihren Honeymoon verbracht. Dass alles nicht so wird, wie ausgemalt, versteht sich nach 30 Ehejahren von selbst: Nichts bleibt so wie es einmal war. Doch "Le Weekend" kreuzt britischen Humor mit französischem Charme. Herauskommt funkelnde Selbstironie auf der Suche nach der verlorenen Zeit mit zwei tollen Darstellern: Jim Broadbent und Lindsay Duncan.

Nick (Broadbent) und Meg (Duncan), zwei - Verzeihung - Senioren aus Birmingham, wollen nach 30 Jahren in Paris, dem Ort ihrer Hochzeitsreise, die stark abgeschliffene, an Gewohnheit krankende Ehe renovieren. Wenn alles gut ginge, kämen sie glücklich und verjüngt im Herzen in ihren Alltag zurück.

Die Reise wird zu einem Blind Date zwischen zwei alten Bekannten: Umwerfend, wenn sich Nick und Meg in ihrem endlich bezogenen Luxusappartement beäugen - als wär's zum ersten Mal. Und weil auch der Ausblick auf den nahen Eiffelturm nicht fehlt, merkt Meg angesichts des symbolträchtigen Bauwerks manches Spöttische über Nicks Manneskraft an - sehr britisch eben. Meg hat in dieser Ehe sowieso die Hosen an. Sie bestimmt die Erotik: Oder zumindest scheint es so ...

Später erfährt man, dass Nick Philosophiedozent an einer neueren Uni ist, und dass er diesen Job zu verlieren droht. Alles nichts, was dazu beitragen könnte, das eigene Selbstbewusstsein zu stärken. Trotzdem haben die beiden in Paris ihre Freude. Altersgebrechen werden mit Humor übergangen, und leidenschaftliche Genießer sind die beiden sowieso, da sind sie sich einig. Grandios, wie sie ihren Chablis und den Hummer geradezu zelebrieren - auch wenn sich herausstellt, dass sie das alles gar nicht bezahlen können. Nick und Meg drehen tatsächlich das Rad der Zeit zurück, wenn sie im Edelrestaurant die Zeche prellen oder gar aus dem Hotel durchs Kellerfenster fliehen. In diesen Momenten, vor allem aber in spitz-spritzigen Dialogen schimmert immer wieder die Jugend durch.

Ab und an schieben Kureishi und Michell dann doch so manch Konventionelles ein. Eifersucht und ein Beinahe-Seitensprung, und seitens des armen Nick gar eine ganz große weinerliche Erfolglosen-Beichte. Ein Film über Menschen, deren Kinder erwachsen und aus dem Haus gegangen sind und "die sich nun fragen, was von ihrem Leben eigentlich noch übrig ist", sollte es werden. Ist es geworden, und obendrein leicht und spielerisch. Zwei Briten in Paris: Viel mehr kann man von einer Reisekomödie nicht verlangen.

Quelle: teleschau - der mediendienst