47 Ronin

47 Ronin





Die Rache der Samurai

Mit dem Begriff "Bushido" assoziiert man eines Berliner Integrations-Bambi-Rappers wegen im deutschsprachigen Raum etwas völlig anderes, als das, was das japanische Wort ursprünglich bezeichnete: Einst beschrieb es den ungeschriebenen Ehrenkodex der Samurai, des spätmittelalterlichen Militäradels Japans. Als im Dezember 1702 47 herrenlose Samurai, sogenannten Ronin, ihren toten Fürsten rächten, befolgten sie diesen Kriegerritus. Durch einen Film voller hinzugedichteter Mystik und in moderner 3D-Technik soll auch die westliche Welt von den "47 Ronin" erfahren. Für Geschichtsinteressierte empfiehlt sich leider eher der Wikipedia-Artikel zum überaus interessanten Nationalmythos.

Ganz mystisch und vorerst noch aufregend geheimnisvoll wird zu der Legende die Figur Kai (Hollywood-Star Keanu Reeves) hinzugefügt, ein verstoßenes Halbblut, das Gerüchten zufolge unter Dämonen aufgewachsen ist. Obwohl er den Samurai seines Gönners Lord Asano (Min Tanaka), Herr über der Provinz Ako, das ein oder andere mal aus der Patsche hilft, meiden sie Kai. Auch wird die Liebe zwischen Kai und Prinzessin Mika (Ko Shibasaki) niemals eine glückliche werden dürfen.

Bei einem Fest in Ako vergiftet Asanos Konkurrent Lord Kira (Tadanobu Asano) den Gastgeber durch Zauberkraft. Völlig von Sinnen geht der Fürst des Nachts auf Kira los. Eine Tat, die im damaligen Japan mit dem Tod bestraft wurde - als Ehrenmann darf Asano selbst die Strafe mit der Klinge vollziehen. Seine Samurai sind von nun an Ronin, Samurai ohne Herren. Der ranghöchste unter ihnen, Ôishi (Hiroyuki Sanada), erkennt Kiras List und schwört Rache - für die er und seine Mitstreiter die geheimnisvolle Kriegskunst Kais benötigt. Zusammen sind sie die "47 Ronin".

Ohne Frage könnten die sonderbaren, alten japanischen Sitten und Gebräuchen sowie die fremde Auffassung von Ehre und Stolz den westlichen Zuschauer durchaus herausfordern. Aber anstatt diese geheimnisvolle Kraft des Unbekannten wirken zu lassen, wird die Rachegeschichte so breitgetreten, dass kaum Verständnisprobleme aufkommen können. Alles, was passiert, wird entweder in Dialogen angekündigt oder im Nachhinein noch einmal haarspalterisch erklärt. Der Film lässt keinen Platz, die fremde Kultur und deren Riten selbst und von alleine erfassen zu können. Lieber addiert Hollywood eine große Portion Fantasy zum historischen Ereignis hinzu. Und nicht einmal diese Ergänzungen dürfen geheimnisvoll bleiben: Schon bevor Kai sein wahres Ich in schnellgeschnittenen Bildern offenbart, wird es in einem Zwiegespräch aufgedeckt.

Das macht den Actionfilm nicht per se schlecht. Die Kampfszenen, gerade die Eins-gegen-Eins-Situationen, sind teilweise großartig. Die 3D-Effekte erreichen zwar nicht allerhöchstes Niveau, doch ohne künstliche Effekthascherei bleiben sie als angenehm zurückhaltend in Erinnerung. Die Landschaftsaufnahmen und die aufwendigen Kulissen können sich ebenso sehen lassen. Doch bringen die vielen schönen Bilder nichts, wenn sie nicht für sich sprechen dürfen.

Quelle: teleschau - der mediendienst