Anchorman - Die Legende kehrt zurück

Anchorman - Die Legende kehrt zurück





Die Legende lebt

Ron Burgundy ist eine Legende. Die Figur des schmierigen, chauvinistischen und selbstverliebten 70er-Jahre-TV-Nachrichtenmoderators war zwar nicht die erfolgreichste Rolle, in die Will Ferrell jemals schlüpfte. Trotzdem schaffte es die herrlich unbedarft-infantile Komödie "Anchorman" (2004) wie kein anderer seiner Filme, über die Jahre Kultstatus zu erlangen. Immer wieder, sagt der US-Komiker, hätten ihn Journalisten und Fans nach einer möglichen Fortsetzung gefragt. Ferrell und sein langjähriger "partner in crime", Regisseur und Drehbuchautor Adam McKay, ließen sich trotz ihrer zuvor geäußerten Skepsis gegenüber Sequels von der Idee begeistern. Und "Anchorman - Die Legende kehrt zurück" demontiert - trotz einiger Schwächen - die Kultfigur Ron Burgundy nicht.

Das Drehbuch katapultiert den "Anchorman" in eine neue Ära: Ende der 70er-Jahre moderiert Ron Burgundy nicht mehr in San Diego, sondern gemeinsam mit seiner Ex-Konkurrentin und jetzigen Ehefrau, Veronica Corningstone (Christina Applegate), bei einem Nachrichtensender in New York. Als er aufgrund seiner zahlreichen On-Air-Ausfälle gefeuert wird, Veronica hingegen befördert werden soll, verlässt er - ganz der alte eitle Macho-Gockel - sie und den gemeinsamen Sohn Walter empört.

Doch Burgundy erhält eine neue Job-Chance: als Anchorman beim ersten Newschannel, der 24 Stunden rund um die Uhr sendet. Er trommelt sein ehemaliges Team, bestehend aus dem Außenreporter Brian Fantana (Paul Rudd), dem Sportexperten Champ Kind (David Koechner) und Wettermann Brick Tamland (Steve Carell), wieder zusammen und wird - dank der Übertragung von Auto-Verfolgungsjagden, patriotischen Jubelmeldungen und völliger Ignoranz gegenüber journalistischer Seriosität - schnell zum Quoten-Star des neuen Senders Global News Network, kurz GNN.

Nachrichten als Unterhaltung: Im Gegensatz zum hemmunglos albernen und anarchischen Vorgänger, der sich - wenn überhaupt - am stupiden Sexismus von Ron Burgundy und seinem News-Team abarbeitete, versuchen sich Ferrell und McKay bei "Anchorman - Die Legende kehrt zurück" auch an einer subtilen Medien-Satire. Wirklich bissig ist ihre Kritik dabei zwar selten, doch sorgt sie für den ein oder anderen zusätzlichen Lacher. Ohnehin bleibt die Gagdichte hoch, auch wenn nicht alle Drehbuchideen funktionieren.

In der Beziehung mit seiner afro-amerikanischen Vorgesetzten, TV-Managerin Linda Jackson (Meagan Good), erreicht der Anchorman nie die Trottel-Qualitäten wie im ersten Film. Über den verliebten Macho Burgundy konnte man damals herzhaft lachen, über seine Versuche, sich bei der Verwandtschaft von Linda mit Gangster-Slang-Sprüchen einzuschleimen, lässt sich nun höchstens mitleidig schmunzeln. Aber auch einige der bereits eingeführten Charaktere schwächeln. Der unterbelichtete Wettermann Brick etwa, in Teil eins die vielleicht lustigste Figur, bekommt mit der aufkeimenden Beziehung zu Büro-Mauerblümchen Chani (Kristen Wiig) eine eigene, eher nebensächliche Story ohne zündende Gags.

Ein schlechter Abklatsch des Originals ist die Komödie dennoch keineswegs. In "Anchorman - Die Legende kehrt zurück" überzeugen Ferrell und sein Team erneut mit ausgelassenem und überdrehtem Humor, grandiosen Gastauftritten und ihrer liebevollen Darstellung von alles andere als liebenswerten Charakteren. Legendär ist das nicht, lustig aber allemal.

Quelle: teleschau - der mediendienst