I, Frankenstein

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Kampfmaschine Frankenstein

Ein Monster feiert sein Comeback: Nicht von zwei, nicht von drei, sondern von sechs Adaptionen von Mary Shelleys "Frankenstein" war in den letzten Jahren in Filmblogs die Rede. Ob all jene letztlich auch in die Kinos kommen werden, steht auf einem anderen Blatt Papier: Von einer Independentversion mit Haley Joel Osment etwa verlor sich in der Branchenpresse irgendwann jede Spur, und Guillermo Del Toro, der den Klassiker für Universal adaptieren möchte, hat vorher noch zwei andere Projekte auf der Agenda stehen. Vorerst sind es also "nur" zwei Varianten des Stoffes, die um die Gunst des Kinopublikums buhlen: "Frankenstein", eine ersten Setfotos nach klassische Adaption mit Daniel Radcliffe und James McAvoy, die am 15.01.2015 in die Kinos kommen soll, und das Actionspektakel "I, Frankenstein", das die Mary-Shelley-Festspiele nun mit großem Getöse eröffnet.

Viel ist vom berühmten Gruselroman in "I, Frankenstein" nicht übrig geblieben: Die Geschichte des Wissenschaftlers Viktor Frankenstein, der Anfang des 19. Jahrhunderts aus Leichenteilen ein menschliches Wesen erschuf, bildet lediglich die Ausgangsbasis für ein neues Abenteuer. Bösartige Dämonen sind Adam (Aaron Eckhart), der Kreatur Frankensteins, seit dem Tod seines Schöpfers vor 200 Jahren auf den Fersen - und hätte ihn nicht einst der Gargoyle-Orden gelehrt, die Dämonen zu töten, wäre er wohl längst in die Fängen der Höllenbiester geraten. Seit Jahrhunderten halten die Gargoyles, jene geflügelten Wesen, die von Kirchendächern auf die Menschheit blicken, die Dämonen in Schach. Doch mit Adams Hilfe wäre Dämonenprinz Naberius (Bill Nighy) in der Lage, eine übermächtige Dämonenarmee zu erwecken.

Von einer Schlacht zur nächsten führt der Weg des vernarbten Monsters, so schnurgerade und zielgerichtet, dass ihm kaum Zeit bleibt, mit der hübschen blonden Wissenschaftlerin Terra (Yvonne Strahovski) anzubändeln. Blut wird im Film dennoch kaum vergossen: Stirbt ein Dämon, dann fährt er in leuchtenden Feuerschlangen zur Hölle, Gargoyles hingegen steigen in eisblauen Lichtsäulen zum Himmel auf - ein Special-Effects-Feuerwerk im wahrsten Sinne des Wortes.

Ansonsten gestaltete Regisseur Stuart Beattie seinen Actionfilm so düster, wie es ihm nur irgendwie möglich war - immerhin diente ihm als Drehbuchvorlage eine Graphic Novel des "Underworld"-Autors Kevin Grevioux: Dunkle Gassen, unterirdische Labore und eine spärlich beleuchtete Kathedrale halten als Haupthandlungsorte her, der immer wieder anschwellende Soundtrack des Komponistenduos Reinhold Heil und Johnny Klimek lässt hinter jeder Ecke Unheil vermuten. Kein witziger Sidekick, der die Atmosphäre hin und wieder auflockert, kein cooler Spruch, der sie Situation kurz entschärft - "I, Frankenstein" gibt sich so ernst, wie ein Actionfilm über Dämonen, Gargoyles und einen 200 Jahre alten Übermenschen nur sein kann. Eineinhalb Stunden lang ist das erstaunlich kurzweilig - ganz sicher nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Quelle: teleschau - der mediendienst