Axel Stein

Axel Stein





"Eine Megachance für mich"

Das hätte man von Axel Stein nicht unbedingt erwartet. Populär wurde er als Tom Gerhardts Sohn Tommy in der SAT.1-Comedy "Hausmeister Krause". Nun nennt er in dem Kinofilm "Nicht mein Tag" (Start: 16.1.) eine Doppelhaushälfte sein Eigen. Dort warten tagtäglich Frau und Kind auf den von ihm gespielten Bankangestellten Till Reiners. Doch der ist so langsam den Alltagstrott leid. Als er bei der Arbeit entführt und zur Geisel wird, bemerkt er, was in ihm steckt - und der Zuschauer bekommt zu sehen, was von einem Axel Stein in Zukunft zu erwarten sein könnte. Dazu gehört auch das Regiedebüt des gebürtigen Wuppertalers. Auf der Berlinale im Februar feiert "Tape 13" seine Weltpremiere. Im Interview spricht der 32-Jährige über alte Schubladen und neue Ziele.

teleschau: Axel Stein als spießiger Bankangestellter, verheiratet und mit Doppelhaushälfte - nicht unbedingt das, was man von Ihnen erwartet.

Axel Stein: Ja, das stimmt wohl. Aber man wird nun mal auch älter. Und so wie man sich selbst verändert über die Jahre, so möchte man natürlich auch gesehen werden. Der Film ist einfach eine Megachance für mich, um mich breiter aufzustellen.

teleschau: Bisher schienen Sie in einer Klamauk-Schublade zu stecken.

Stein: Klar, das hat mit "Hausmeister Krause" angefangen. Wenn man elf, zwölf Jahre mit Pudelmütze im Fernsehen zu sehen ist, gibt's da schnell mal den Stempel. Doch ich bereue diese Zeit kein Stück. Bernd Eichinger und Tom Gerhardt haben mir damals eine Riesengelegenheit geboten, im Geschäft Fuß zu fassen.

teleschau: Und nun weg vom Klamauk, hin zum Arthouse-Drama?

Stein: Das vielleicht nicht. Ich bin ein sehr positiver Mensch und lasse mich gerne von Filmen unterhalten. Außerdem mag ich die Stimmung am Set bei Komödien. Wenn ein weinendes, blutendes Kind am Klavier sitzt, ist die Arbeitsatmosphäre nicht so toll. Letztendlich versuche ich einfach das zu machen, was ich möchte, und die Idee von "Nicht mein Tag" gefällt mir sehr.

teleschau: Die Buchvorlage zu "Nicht mein Tag" stammt von Ralf Husmann, dem "Vater" von "Stromberg". Till Reiners ist wie Bernd Stromberg ein Bürohengst. Hielt die Serie als Vorbild her?

Stein: Ich bin der größte "Stromberg"-Fan und ließ mich sicherlich auch davon beeinflussen. Ich liebe Husmann und die Art, wie er Alltagsszenen und den langweiligen Trott beschreibt. Das Schwierigste war für mich natürlich, dass man Till diesen Frust abnehmen muss, obwohl er scheinbar hat, was vielleicht 80 Prozent der Menschen wollen.

teleschau: Das scheinbar perfekte Leben geht Till langsam gegen den Strich.

Stein: Und das geht wahrscheinlich vielen so. Das kommt davon, dass der Deutsche für gewöhnlich sehr vorsichtig ist und wissen möchte, was die Zukunft bringt. Ich selbst bin da ja keine Ausnahme.

teleschau: Ein Schauspieler kann doch kein Spießer sein?

Stein: Also ich feiere keine großen Champagner-Partys und lebe in Saus und Braus. Ich mache mir auch stets Gedanken, was in zwei, drei Jahren wohl sein wird und gehe eher den sicheren Weg. Im Beruf ist das natürlich schwierig. Man weiß zu Beginn des Jahres als Schauspieler kaum, was die nächsten zwölf Monate bringen.

telschau: 2014 startet für Sie mit "Nicht mein Tag" - nicht nur mit einem Gastauftritt, sondern mit der Hauptrolle neben Moritz Bleibtreu ...

Stein: Das ist schon eine ganz andere Geschichte, ja. Man trägt das Buch von Ralf Husmann und die Vorstellungen von Regisseur Peter Thorwarth - eine Wahnsinns-Verantwortung. Dass Thorwarth und der Verleih mich nach all den Castings für die Rolle wollten, war einfach ein Riesenglück für mich.

teleschau: Fiel Ihnen die Darstellung eines ernsthafteren Charakters schwerer?

Stein: Die Rolle und der Film ist sicherlich größer als alles zuvor, deshalb war schon mehr Hineindenken angesagt. Das Handwerk bleibt aber das gleiche, egal in welchem Filmgenre man sich bewegt. "Nicht mein Tag" ist Rock'n'Roll, da ist die ganze Palette gefragt. Das Geheimrezept ist sicherlich eine gute Mischung aus Vorbereitung und Improvisation. Neben Moritz Bleibtreu fällt das aber leicht. Bei ihm kommt so viel aus dem Bauch heraus, einfach bewundernswert.

teleschau: Till Reiners lässt sich im Film volllaufen, nimmt Drogen. Nicht gerade leicht, das gut rüberzubringen.

Stein: Die Herausforderung war, dass wir hier nicht in den Klamauk abdriften. Einen Betrunkenen zu spielen ist schwer und einfach sternhagelvoll ans Set zu kommen keine Option. Ich glaube aber, dass es uns ganz gut gelungen ist. Ich mit einer Kopfkamera - ein wilder Spaß.

teleschau: Hat Sie die Szene an eigene Alkohol-Exzesse erinnert?

Stein: Ach, ich trinke schon mal gerne ein, zwei Bierchen, bleibe aber stets ein geselliger Typ. Aggressiv und prollig wie Till Reiners bin ich auch betrunken nicht.

teleschau: Eine weitere Herausforderung haben Sie in den vergangenen Monaten ebenso genommen: Sie betätigten sich als Regisseur.

Stein: Und auch hierfür gehe ich neue Wege. "Tape 13" heißt der Film, ein Horror im Zeichen von "Paranormal Activity" oder "Blair Witch Project". Ich liebe diese Streifen und dachte mir, dass sich auch der deutsche Film an Horrorgenre mal versuchen sollte.

teleschau: Und dann drehten Sie mal nebenbei einen solchen Film?

Stein: Nichts da, nebenbei. Das ist eine taffe Geschichte. Zwei Jahre Herzblut und Tränen stecken darin. Wir sind aktuell in Gesprächen mit Verleihern und Vertrieben und hoffen, bald im Kino damit zu starten.

Quelle: teleschau - der mediendienst