Mark Harmon

Mark Harmon





"Ich bin ein Blue-Collar-Arbeiter"

Das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" bringt verlässlich beständig Listen der bestbezahlten Menschen dieses Planeten hervor. Also auch von Schauspielern. In der Liste der Serien-Darsteller ist ein Name seit Jahren vorne mit dabei: Mark Harmon. Der hemdsärmelig wirkende 62-Jährige, der doch tatsächlich einst als "Sexiest Man Alive" galt, hat zwar nicht den Glamour eines Ashton Kutcher, dafür aber machte er seine Serie "Navy CIS" zur beliebtesten Serie weltweit. Das Geheimnis des Erfolgs der Reihe, die Harmon 15 Millionen Dollar per anno einbringt, sei eine professionell-familäre und humorvolle Atmosphäre am Set, behauptet er. Kein Wunder, dass sein Sohn Sean auch schon mit dabei ist - und dafür kräftig einstecken muss. Beim Interview am Set in Los Angeles sprach Harmon ausführlich über "seine" Serie, die bei SAT.1 am 5. Januar in die elfte Staffel geht und dort immer sonntags, 20.15 Uhr, ausgestrahlt wird.

teleschau: Was motiviert Sie, auch in einer elften Staffel "Navy CIS" immer noch in die Rolle des Special Agent Leroy Jethro Gibbs zu schlüpfen?

Mark Harmon: Wenn ich keinen Spaß mehr an dieser Rolle hätte, läge meine Kündigung schon lange auf dem Tisch. Oder würden Sie mehr als ein Jahrzehnt einer Arbeit nachgehen, in die Sie sich quälen müssen? Wirklich, ich fahre jeden Tag gerne an ein professionelles und dabei sehr familiäres Set, an dem viele unterschiedliche Menschen Herausragendes leisten. Und das nebenbei: Es läuft überragend. Der Zuschauerzuspruch in den USA überbietet in dieser elften Staffel noch einmal alles.

teleschau: Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Harmon: Inhaltlich entwickeln wir auch im elften Jahr immer noch neue Handlungsstränge. Keiner der Charaktere bleibt so wie er einst angelegt wurde, und dennoch behält er seine Ecken und Kanten. Gerade in dieser elften Staffel gibt es wieder einige Änderungen. Cote de Pablo scheidet aus. Ihre Nachfolgerin Emily Wickersham musste in die Story und vor allem ins Umfeld integriert werden.

teleschau: Und sonst?

Harmon: Wenn man mit seinen Kollegen mehr Zeit verbringt als mit seiner Familie, braucht es einen gewissen Spirit. Und den haben wir. Er beruht auf Vertrauen. Vertrauen in das Drehteam, in die Kollegen, in die Autoren und vor allem in die Geschichte. An jedem Arbeitstag spüre ich, dass hier jeder seinen Job mag. Niemand langweilt sich. So läuft das bereits seit Jahren. Bei jedem stimmt die Einstellung. Ich bin im besten Ensemble und in der besten Crew, in der ich jemals war. Und glauben Sie mir, ich war im Laufe meiner Karriere an vielen Sets. Das macht dann wohl den Unterschied.

teleschau: Klingt fast zu schön, um wahr zu sein.

Harmon: Was ist falsch daran, zuzugeben, dass man seinen Job mag? Oder einfacher: Ich liebe meinen Job!

teleschau: In den Sie inzwischen auch Ihren Sohn eingebracht haben.

Harmon: Als es um eine Rückblende über einen jungen Gibbs ging, fragte man mich, ob mein Sohn Sean an der Aufgabe interessiert wäre. Immerhin ist er auf der Schauspielschule. Tatsächlich sehen wir uns auch noch ähnlich, vor allem wegen der Augen. Vorsprechen musste er aber schon noch selber.

teleschau: Ist der Vater stolz, wenn er mit seinem Sohn zusammenarbeitet?

Harmon: Selbstverständlich macht mich das stolz. Denn es gibt nicht viele Väter, die das Glück haben, etwas mit ihren Kindern machen zu dürfen, wenn diese selbst längst erwachsen sind.

teleschau: Sorgt der Vater vielleicht sogar dafür, dass der Sohn eine feste Rolle bekommt?

Harmon: Ob Sean noch einmal in der Serie zu sehen sein wird, entscheide nicht ich. Das ist die Aufgabe von Produzent Gary Glasberg. Ohnehin muss Sean seinen eigenen Weg gehen. Derzeit ist er in einer Schauspielschule und macht eine Stuntmen-Ausbildung.

teleschau: Das ist doch praktisch. Sie könnten sich von ihm doubeln lassen.

Harmon: Obwohl es kaum jemand weiß, das passiert bereits. Wenn Special Agent Gibbs ordentlich in die Mangel genommen und geschubst wird, passiert das nicht mir, sondern meinem Sohn. Er kommt den Bewegungen seines Vaters wohl am nächsten. Das wird an den Genen liegen (lacht). Nein, ich bekomme zu Hause schon mit, dass er sich sehr gewissenhaft auf jeden seiner Einsätze vorbereitet.

teleschau: Haben Sie neben "Navy CIS" noch Zeit für andere Projekte?

Harmon: Kaum! Zehn Monate im Jahr bin ich nur mit der Serie beschäftigt. Es bleibt wenig Zeit für anderes und erst recht sinnvolles. In der ersten Mai-Woche sind normalerweise alle Drehs einer Staffel im Kasten. Darauf folgen Promotiontermine. Vor Anfang Juni beginnt ein möglicher Urlaub selten. Und kurz nach dem Unabhängigkeitstag am 4. Juli geht es mit "Navy CIS wieder weiter. Zudem basteln wir gerade an einem Spin-off. Gegen Ende der elften Staffel wird in einem Zweiteiler eine NCIS-Außenstelle in New Orleans eingeführt. Kommt die Idee, die ich gemeinsam mit Gary Glasburg produziere, an, könnte ein nächster Ableger in der US-Saison 2014/2015 ins Programm kommen.

teleschau: Als aktuell wohl meistgesehene Serie der Welt hat "Navy CIS" erstaunlich wenig Auszeichnungen erhalten. Nervt das?

Harmon: Ich muss nicht lustiger sein als ich bin, nur um mich ins Gespräch zu bringen. Die Serie muss nicht spektakulärer und actionreicher werden, wir entwickeln lieber die Handlung weiter und die einzelnen, für die Zuschauer hoffentlich immer nachvollziehbaren Charaktere. Der Erfolg gibt uns bisher Recht. Und wie mein Vater, einst ein erfolgreicher Footballer, immer sagte: Ein Pokal ist nur dazu da, den anderen zu demonstrieren, was man selbst erreicht habe. Ich persönlich sehe mich in der Tradition eines Blue-Collar-Arbeiters. Der Erfolg meines Schaffens ist mir Auszeichnung genug.

Quelle: teleschau - der mediendienst