Julia Hartmann

Julia Hartmann





"Ich versuche, die Rollen an mein Leben anzubinden"

In der SAT.1-Produktion "Frauenherzen" (Dienstag, 14. Januar, 20.15 Uhr) treffen sechs weibliche Extreme aufeinander, von der traurigen Dicken bis zur frustrierten Karrierefrau, die gemeinsam auf der Suche nach Liebe sind. Es ist ein munteres Aufeinandertreffen zahlreicher Klischees, bei dem Julia Hartmann die Rolle einer jungen Berliner Kellnerin, die durch regelmäßige One-Night-Stands und ihre Angst vor Nähe auffällt. Ein Gespräch mit der 28-Jährigen, die ab Februar auch in der RTL-Arztserie "Schmidt - Chaos auf Rezept" zu sehen sein wird, über Drehvorbereitung durch Erinnerung, ihre Vorliebe für überspitztes Schauspiel und eine ungewollte Botschaft von "Frauenherzen".

teleschau: Frau Hartmann, Sie haben mal gesagt, dass Sie "meist in Extremen funktionieren". Welche der Extreme in "Frauenherzen" würden Sie sich denn am ehesten selbst attestieren?

Julia Hartmann: Als ich Anna Fischer spielen sah, hat mich das schon ein wenig an mich erinnert. Ich habe zwar kein Kind wie sie in "Frauenherzen", aber es gibt da schon ein paar Gemeinsamkeiten.

teleschau: Könnten Sie auf diese Gemeinsamkeiten gut und gerne verzichten - oder sehen Sie auch etwas Positives in der Überforderung?

Julia Hartmann: Ich glaube, ich brauche das sogar ein Stückweit, weil es mich wiederum auch anspornt. Es gibt mir sozusagen Energie. Und dadurch spürt man das Leben mehr.

teleschau: Im Film spielen Sie die Rolle der Frieda - eine junge Kellnerin mit großer Angst vor Nähe. Wenn Sie an Frieda denken, welches Gefühl entwickeln Sie für sie?

Hartmann: Wärme! Ganz viel Wärme. Von der Außenwelt wird sie ja als eine Art Männerfresserin gesehen, weil sie meistens nur Sex will und danach am liebsten keinen Kontakt mehr zu der Person haben will. Mich hat an Frieda von Anfang an interessiert, was hinter dieser Fassade steckt. Ich wollte wissen, warum sie so ist, wie sie ist.

teleschau: Empfinden Sie Mitleid für Frauen wie Frieda?

Hartmann: Ja, ein bisschen Mitleid hatte ich beim Lesen des Drehbuchs schon. Ist ja auch traurig, wie es um Frieda steht.

teleschau: Was macht sie in Ihren Augen dennoch liebenswert?

Hartmann: Es gibt immer wieder Momente, zum Beispiel während der Begegnungen mit dem Mann mit der Gitarre, in denen man merkt, wie viel Freude eigentlich in ihr steckt. Klar, nachdem sie dann miteinander geschlafen haben, macht sie wieder komplett dicht, weil sie eben Angst hat. Aber man spürt doch, dass sie das alles sehr berührt.

teleschau: Ihre Ängste kann sie jedoch zu keiner Zeit überwinden.

Hartmann: Das nicht, aber das Ende wird ja offen gelassen.

teleschau: Was ein wenig überraschend ist, schließlich erleben alle Charaktere im Film ein Happy End, nur Frieda nicht.

Hartmann: Ich finde das eigentlich ganz schön. Sie steht ja am Ende nicht völlig hoffnungslos da. Sie braucht einfach noch eine Weile.

teleschau: Eigentlich gar nicht typisch für eine SAT.1-Produktion, die ja an sich immer für alle gut endet.

Hartmann: Es war tatsächlich von Anfang an so geplant, dass die Geschichte nicht ganz auserzählt wird. Was mich ehrlich gesagt auch gefreut hat, weil ich dadurch nicht den klassischen Bogen spielen musste, sondern ein bisschen mehr Spielraum hatte.

teleschau: Hat Ihnen das Buch zum Film eigentlich als Vorbereitung auf die Rolle gereicht? Oder haben Sie das wilde Leben der Frieda auch noch anders geprobt?

Hartmann: (lacht) Nein, das nicht. Ich habe mich aber zurück an meine Jugend erinnert - und ich habe heute natürlich auch Freundinnen, die ganz ähnliche Dinge durchleben wie Frieda, was ich natürlich verfolge. Das alles war schon nützlich bei der Vorbereitung.

teleschau: Besteht Ihre Vorbereitung aufs Spielen grundsätzlich aus den eigenen Erinnerungen?

Hartmann: Ich versuche immer, die Rollen an mein Leben anzubinden, mein Leben aber nicht eins zu eins nachzuspielen. Ich überlege jedes Mal, wie ich an bestimmte Gefühle herankomme, suche also eine Anbindung an meine Erfahrungen, um die Emotionen wieder aufzunehmen.

teleschau: Emotionen spielen Sie in "Frauenherzen" grundsätzlich überspitzt, weil die Geschichte es so verlangt. Mögen Sie das Spielen von Überspitzungen an sich auch lieber als etwa eine ernste "Tatort"-Rolle?

Hartmann: Auch hier mag ich beide Extreme. Wenn ich gerade eine Komödie gedreht habe, möchte ich am liebsten sofort in einem "Tatort" mitspielen. Und wenn ich das dann getan habe, will ich schon wieder eine Komödie spielen.

teleschau: Zwei Begebenheiten verwundern im Film. Die erste: die Gastrolle von Jenny Elvers. Wie kam es denn dazu?

Hartmann: Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht so genau. Was ich aber zu Jenny sagen kann, ist, dass ich sie in "Männerpension" unheimlich cool fand. Dieses ganze Drama um sie habe ich auch nicht wirklich verfolgt, weshalb ich ihr gegenüber nicht voreingenommen bin.

teleschau: Das zweite Rätsel: Das Spiel mit Klischees im Film ist nicht immer ganz glücklich. Zum Beispiel wird vermittelt, dass dicke Frauen höchstens bei blinden Männern landen können. Finden Sie das nicht diskriminierend?

Hartmann: Wir alle haben das weder beim Lesen noch beim Drehen so gesehen. Deshalb ist es jetzt auch geradezu schockierend, dass das so interpretiert wird. Wenn diese Botschaft tatsächlich beim Publikum so ankommen sollte, wäre das sehr schade. Denn es geht ja eigentlich nur um zwei Menschen, die sich auf besondere Weise begegnen.

teleschau: Wobei die Geschichte doch sehr eindeutig erscheint: Eine dicke Frau wird ständig von der Männerwelt abgewiesen und hat am Ende nur ein Date, weil dieses sie nicht sehen kann.

Hartmann: Es stand gar nicht im Drehbuch, dass die Frau dick sein soll. Und ehrlich gesagt: Ich finde diese Rolle vor allem eines: sexy! Sie wird auch wirklich toll gespielt. Ich gucke ihr jedenfalls wahnsinnig gerne zu.

Quelle: teleschau - der mediendienst