Maxi Arland

Maxi Arland





"Keine Lust, die heile Welt darzustellen"

Maxi Arland ist bekannt für seine Schlagerunterhaltungsshows in der ARD. Hier moderierte der 32-Jährige etwa den "Musikantendampfer" und "Melodien der Herzen". Jetzt präsentiert Arland überraschend die neuen Folgen der SAT.1-Kuppelsoap "Schwer verliebt" (ab Sonntag, 5. Januar, 19 Uhr). Was er persönlich von dem viel kritisierten Format hält, das einsame Menschen zusammenschweißt, und wie er nebenher weiter versuchen will, die TV-Schlagerwelt zu retten, erklärt er im ausführlichen Interview.

teleschau: Maxi Arland, Sie haben in diesem Jahr die Moderation der SAT.1-Sendung "Schwer verliebt" übernommen, ein für Sie neues Showformat. Was haben Sie in Ihrer bisherigen Arbeit über diesen Fernsehzweig gelernt?

Maxi Arland: Es gibt fernsehtechnisch keine neuen Erkenntnisse (lacht). Ich habe zwar ein neues Produktionsteam bekommen, kam aber mit allen sehr schnell zurecht. Und zu den Menschen, die wir besucht und bei denen wir gedreht haben, hatte ich auch von Anfang an ein freundschaftliches Verhältnis. Das einzige, was jetzt anders ist als bei meinen bisherigen Shows, ist, dass die Menschen in der Sendung die große Liebe suchen.

teleschau: Wie gefällt Ihnen diese Suche persönlich?

Arland: Ich bin vor allem immer sehr gespannt, ob ich den Menschen weiterhelfen kann. Ob ich ihren Geschmack treffe. Bis jetzt sind schon ein paar wirklich schöne Geschichten herausgekommen.

teleschau: Können Sie die Kritik an der Sendung, dass der Unterhaltungswert mitunter auch im Vorführen der Kandidaten liege, nachvollziehen?

Arland: Mittlerweile wird alles kritisiert. Man kann bei der Arbeit fürs Fernsehen eigentlich nichts mehr machen, was hinterher nicht auch kritisiert wird. Ich habe gelernt, das nicht persönlich zu nehmen.

teleschau: Die Kritik an "Schwer verliebt" jedoch ist sehr konkret: Die Sendung zeige die ganze Tristesse im Leben von Schwervermittelbaren und bezeichne diese auch noch spöttisch als "schüchterner Hundefreund" oder "romantische Regalservicekraft". Können Sie voll dahinter stehen?

Arland: "Tristesse" würde ich dazu schon mal nicht sagen. Die Sendung ist einfach sehr nah dran am Leben - was sie anderen Formaten voraus hat. Diese Menschen leben so, wie wir es zeigen. Es ist nichts gekünstelt, sondern alles sehr liebenswert gemacht.

teleschau: "Schwer verliebt" ist nun etwas ganz anderes als etwa der "Musikantendampfer", den Sie in der ARD moderierten. Zieht es Sie jetzt generell eher zum Privatfernsehen?

Arland: Nein. Ich behalte auch beim MDR meine Sendereihe, und die ARD ist weiterhin ein fester Partner für mich. Es ist auch für die Zukunft vieles im Gespräch. Für nächstes Jahr sind schon einige Sendungen geplant.

teleschau: Dabei gibt es vor allem in der ARD immer weniger Sendeplätze für Unterhaltungsformate, wie Sie sie machen.

Arland: Das stimmt natürlich: Vor einigen Jahren gab es davon noch viel mehr. Es ist alles etwas ausgedünnt worden, was in meinen Augen aber auch nicht verkehrt ist. Die ARD repräsentiert diese Sparte dennoch weiterhin sehr hochwertig.

teleschau: Wie wäre es denn mit einer Art "Musikantenstadl" für junge Leute, um das Genre im Fernsehen etwas zu beleben? Mit Musikern wie Andreas Gabalier und Moderatoren wie Ihnen. Könnten Sie sich das vorstellen?

Arland: Ja, absolut! Ende Januar mache ich auch schon eine Sendung, die genau das zeigen soll. Denn es ist weiterhin sehr angesagt, Schlager zu hören. Ob Helene Fischer, Andrea Berg oder eben Andreas Gabalier - es gibt viele gute Interpreten und vor allem so viele junge Künstler wie noch nie. Ich glaube, solche Sendungen sind die Zukunft für diese Showsparte.

teleschau: Warum, denken Sie, funktioniert Schlager noch, oder besser: schon wieder?

Arland: Die jungen, modernen Künstler schauen gut aus und können was. Die haben Spaß und machen gute Unterhaltung. Die Musik ist eingängig, man kann die Texte mitsingen, die Konzerte sind immer gut besucht. Und ein Ende von all dem ist nicht in Sicht. Es steigen sogar immer mehr Leute darauf ein. Zuletzt zum Beispiel Dieter Bohlen, der Beatrice Egli in der vergangenen "DSDS"-Staffel hatte, oder gerade eben erst einen Schlagersänger bei "Das Supertalent".

teleschau: Würden Sie sich vielleicht sogar neben den Schlagerfan Bohlen in eine Castingshow-Jury setzen?

Arland: Das würde ich schon machen. Ich bin ja mittlerweile 20 Jahre in diesem Beruf und habe genug Erfahrung, um jemanden beurteilen und ihm gute Tipps geben zu können.

teleschau: Aber die Anfrage kam noch nicht?

Arland: Noch nicht (lacht).

teleschau: Sie sagten einmal, dass Sie für viele Menschen bereits ein Familienmitglied darstellten - weil Sie praktisch in deren Wohnzimmern aufgewachsen sind. Sie meinten auch: "Ich fühle mich wie der Enkel von Millionen." Mit Betonung auf Enkel, und nicht Sohn ...

Arland: Ja, weil ich ja die meisten Sendungen für ein älteres Publikum gemacht habe. Mittlerweile merke ich aber: Es schauen auch jüngere Menschen zu. Es sind nicht mehr nur die Mamis und Omis, die meine Sendungen sehen wollen.

teleschau: Die Mamis und Omis kennen Sie aber immer noch am besten. Seit Sie zwölf Jahre alt sind, stehen Sie auf der Fernsehbühne.

Arland: Man konnte tatsächlich jeden Schritt von mir im Fernsehen verfolgen. Sehr lange war ich auch für alle immer nur der kleine Maxi. Deswegen hat es auch eine ganze Weile gedauert, bis ich mich selbst erwachsen gefühlt habe. Seitdem bin ich aber bereit, mal ein ganz anderes Publikum zu anzusprechen.

teleschau: Nun ist die Schlagerbranche nicht die Pop-Branche, in der Skandale und Ausfälle zur Tagesordnung gehören. In ihrem Geschäft darf es so was gar nicht geben. War es nicht anstrengend, Kindheit und Jugend in dieser gezwungen heilen Welt zu erleben?

Arland: Ich habe das nie als anstrengend empfunden. Außerdem verzeiht das Publikum einem viel mehr, als man glauben möchte. Ich denke da zurück an Harald Juhnke, den man geliebt hat, eben weil er so fehlerhaft war. Und meine Generation hat auch ehrlich gesagt nicht mehr das Gefühl, perfekt sein zu müssen. Ich persönlich habe gar keine Lust, immer nur die heile Welt darzustellen.

teleschau: Zuletzt gab es von Ihnen im "Bunte"-Magazin eine Fotostrecke mit Frau und Hund am Chiemsee plus Gespräch über die eigenen vier Wänden. Das wirkte schon sehr wie eine bewusste Heile-Welt-Inszenierung.

Arland: Ja, aber so sind wir eben. Das ist tatsächlich unser Leben. Deshalb haben wir die Fotos auch nicht in irgendeiner angemieteten Gothic-Wohnung im Ruhrpott gemacht, sondern bei uns am schönen Chiemsee. Klar ist das das Bild, das die Leute gerne von mir sehen, und ich bediene das auch. Aber ich habe auch das große Glück, dass das, was man von mir vermittelt bekommt, auch wirklich ich bin.

teleschau: Können Sie uns beruhigen und sagen, dass auch Sie manchmal schlechte Phasen haben?

Arland: Ja, klar, davor ist niemand gefeit. Ich sitze auch oft zu Hause und frage mich, wie es hier und da weiter gehen soll, wie dieses und jenes Problem zu lösen oder ein Streit beendet werden kann. Dass man mich im Fernsehen immer nur gut drauf erlebt, ist ja klar. Niemand mit meinem Job würde es anders machen. Wenn es mir gerade nicht gut geht, weil ich private Probleme habe und deshalb traurig bin, muss ich das auf der Bühne überspielen können. Ansonsten habe ich den falschen Beruf.

teleschau: Traurige Musik mögen Sie aber nicht.

Arland: Och, doch. Ich höre neben klassischer Musik und viel Swing auch gerne melancholische Songs. Mark Knopfler habe ich zum Beispiel für mich entdeckt. Den mag ich sehr gerne.

teleschau: Und wenn Sie selbst mal melancholisch sind? Bringen Sie sich dann mit euphorischer Musik wieder in Stimmung?

Arland: Das kommt schon vor. Manchmal höre ich in solchen Moment eher etwas Gedämpftes, um die Stimmung noch zu unterstreichen. Manchmal höre ich aber auch was, das mich da wieder rausholt. Musik kann da ja wahre Wunder vollbringen.

teleschau: Was Sie mit Ihren Sendungen ja auch vermitteln wollen.

Arland: Vollkommen richtig. Ich weiß, dass viele Menschen auf meinen Konzerten auch ein Stückweit ihrer Welt entfliehen wollen. Ich bin mir durchaus der Verantwortung bewusst, die ich gegenüber meinem Publikum habe. Mir ist bewusst, dass ich viele Leute so gut unterhalten muss, dass sie noch lange davon zehren können.

Quelle: teleschau - der mediendienst