Peter O'Toole

Peter O'Toole





Abschied von Lawrence

Ein bewegtes Leben endete am Samstag in einer Londoner Klinik: Peter O'Toole starb im Alter von 81 Jahren nach langer Krankheit. Auf der Bühne, der Leinwand und im Fernsehen begeisterte O'Toole fast sechs Jahrzehnte lang das Publikum. Achtmal wurde der Ire für den Oscar nominiert, den er 2003 dann endlich für sein Lebenswerk erhalten sollte. Doch vor allem für seine erste große Filmrolle wird man den Mann mit den stechend blauen Augen in Erinnerung behalten.

Ganze Generationen von weiblichen Heterosexuellen und männlichen Homosexuellen haben für den strahlend blonden Briten geschwärmt, den Peter O'Toole 1962 in "Lawrence von Arabien" verkörperte. Dabei war ein so glanzvoller Karriereweg nicht vorgezeichnet. Als Sohn eines kleinen Buchmachers, der mit Pferdewetten sein Geld verdiente, wurde er in Connemara in Irland geboren. Die Familie wechselte mehrmals die Städte, so konnte er sich bis zu seinem elften Lebensjahr vor der Schulbank drücken. Danach nahmen ihn die Nonnen der Konventschule St. Anne's in Leeds in ihre Zucht und versuchten ihm als erstes mit Stockschlägen seine Linkshändigkeit auszutreiben. Die Spuren von damals sollen lange noch zu sehen gewesen sein.

O'Toole riss aus, schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch, als Packer und auch als Journalist bei den "Yorkshire Evening News". Mit 23 Jahren begeisterte ihn eine "King Lear"-Aufführung so sehr, daß er sich bei der Londoner "Royal Academie of Dramatic Arts" bewarb, vorsprach und genommen wurde. 1958, nach Abschluß der Schauspielschule, startete er eine Bühnenkarriere, die seinesgleichen sucht. Die großen englischen und amerikanischen Filmfirmen wurden aufmerksam und 1962 bekam er die Titelrolle in David Leans Klassiker "Lawrence von Arabien".

Unzählige weitere Rollen folgten, etwa die des Heinrich II., den O'Toole sowohl in "Becket" (1964) als auch in "Der Löwe im Winter" (1968) - und beidemale für den Oscar vorgeschlagen wurde. Aber der Zusammenbruch nahte. Mitte der 70er-Jahre wurde vermehrt über Alkoholexzesse, Produktionsausschlüsse wegen Trunkenheits am Set. Der Karriereknick war da, 1979 folgte nach 20-jähriger Ehe die Scheidung von seiner Frau Sian, mit der O'Toole zwei Töchter hatte. Als Hauslehrer des letzten chinesischen Kaisers, des dreijährigen Pu Yi, feierte er 1986 sein Comeback in Bertoluccis Meisterwerk "Der letzte Kaiser". Die Kreise schlossen sich, als unter seiner Mithilfe die restaurierte und vervollständigte Urfassung des "Lawrence von Arabien" 1989 mit triumphalen Erfolg wieder in die Kinos kam. Da hatte O'Toole soeben noch einen anderen Erfolg gehabt: Er hatte medienwirksam um das Sorgerecht für seinen 1983 geborenen Sohn Lorcan, der aus einem Verhältnis mit dem amerikanischen Fotomodell Karen Sommervile stammt, gekämpft. Und gewonnen.

Nach letzten großen Nebenrollen in Produktionen wie "Troja" (2004), "Der Sternwanderer" (2007) und der Erfolgsserie "The Tudors" (2007) gab Peter O'Toole im Juli 2012 das Ende seiner Karriere bekannt: "Ich habe nicht mehr das Herz dafür, und es wird auch nicht mehr zurückkommen", meinte er damals. Die Filmwelt jedoch wird immer ein Herz für Peter O'Toole haben.

Quelle: teleschau - der mediendienst