Diana

Diana





Im Schatten des Mythos

Wie dreht man einen Film, den die ganze Welt schon zu kennen meint? Einfach die Geschichte hinter der Geschichte erzählen - so wird es sich Oliver Hirschbiegel gedacht haben, als er den Auftrag zu "Diana" annahm. Erfahrung mit schwierigen Biopics konnte der Deutsche dank "Der Untergang" bereits vorweisen. "Diana" hat mit der Bunker-Existenz von Berlin '45 nichts gemein, aber es gelingt Hirschbiegel über weite Strecken, ein Drama mit ähnlicher Fallhöhe zu inszenieren.

Der Film beginnt, als alles schon vorbei ist: Diana (Naomi Watts) hat sich gerade von ihrem Mann Prinz Charles getrennt und wartet in Kensington Palace auf die Scheidung. Da lernt sie den smarten und selbstbewussten Herzchirurgen Hasnat Khan (Naveen Andrews) kennen. Diana ist fasziniert von dessen Unabhängigkeit und Fähigkeit, Menschen Leben zu schenken - und verliebt sich in ihn.

Es folgt eine ungelenke, weil den Umständen geschuldete Annäherung. Zwischen der vorsichtig-spröden, von Privatdiener und Protokoll eingeengten Britin und dem freiheitsliebenden pakistanischen Arzt entwickelte sich tiefe Zuneigung. Während sich Diana voll auf Hasnat einlässt, hat dieser zunehmend Probleme, das Versteckspiel, dem das Paar unterworfen ist, zu akzeptieren. Heimliche Fahrten im Kofferraum, Clubbesuche mit Perücke, offene Verleugnung. Die Beziehung wird auf immer neue Bewährungsproben gestellt, bis sie zerbricht. Diana verlässt ihre wohl einzig wahre Liebe, lernt einen neuen Mann kennen und kommt 1997 tragisch bei einem Autounfall ums Leben.

Diana Spencer war eine Legende, oder vielleicht auch nur die meistfotografierte Frau der Welt. Der Film versucht mit klaren wie sachten Bildern, den Menschen hinter der Inszenierung sichtbar zu machen. Und wann zeigen sich Menschen besser, als in jenen Momenten, in denen sie Gefühle offenbaren? So ist "Diana" zuallererst eine Liebesgeschichte, ein Drama. Mit allen Facetten einer Boy-meets-girl-Story - nur unter den besonderen Bedingungen eines globalen Blitzlichtgewitters und besorgten Empires. Nicht zuletzt deshalb hat die Liebe der Diana Spencer zum Herzchirurgen Hasnat das Zeug zum Rührstück. Waren einst zwei Königskinder ...

In seinen besten Momenten gelingt "Diana" der Balanceakt zwischen warmherzigem Gefühlskino und zumutbarem Kitsch, ist der Film nah an seinen Figuren. Von der großartigen Einführung, die sich als filmische Klammer erweist, bis zum Versuch, den Mensch hinter den Bildern zu zeigen. Warum dem Biopic in Großbritannien der große Applaus verwehrt blieb, mag sich aus dieser konventionellen, aber keineswegs dumpfen Inszenierung erklären. Vielleicht hätte man dem Ikonographischen des Mythos etwas ebenso Überspanntes, vor Glanz und Glamour Brummendes entgegenhalten müssen, um aus der Geschichte auch finanziell Kapital zu schlagen. Das hätte einer Erwartungshaltung entsprochen, ein guter Film wäre es auch dann nicht unbedingt geworden.

Mit der Zeit verlässt sich auch Hirschbiegel zu sehr auf die Eindimensionalität der medialen Figur, bebildert er wie unter äußerem Zwang den Gutmenschen Di, der mutig durch ein geräumtes Minenfelder geht und einer bosnischen Mutter am Straßenrand die Hand hält. Auch Hasnat wird als exotischer Halbgott in Weiß, Jazzliebhaber und Vorzeige-Pakistaner so simpel ausgeleuchtet, wie er wohl nur im Herz einer Boulevard-Redakteurin existierte. In Paris jedenfalls, der Stadt der Liebe, ist "Diana" schon viel zu weit weg von seinen Figuren, nimmt man die anrührende Nähe, die den Film zunächst trägt, nur noch als professionelle Inszenierung wahr. "Diana" bleibt hinter sich selbst zurück, weil er sich vom medialen Mythos nicht lösen kann. Emanzipation misslungen.

Quelle: teleschau - der mediendienst