Zwei vom alten Schlag

Zwei vom alten Schlag





Rocky vs. Raging Bull

Sie können es nicht lassen: Eigentlich haben Henry "Razor" Sharp (Sylvester Stallone) und sein Erzrivale Billy "The Kid" McDonnen (Robert De Niro) den letzten Gongschlag schon längst gehört - vor 30 Jahren, um genauer zu sein. Doch alte Feindschaft rostet nicht: In den frühen 80er-Jahren lieferten sich die beiden Halbschwergewichte zwei unvergessene Fights im Box-Ring. Zuletzt angezählt wurde The Kid, der seitdem auf eine Revanche brennt. Doch sein einstiger Gegner verweigerte dem Schürzenjäger, Großmaul und Hansdampf Billy diese: Razor zog sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere vom Box-Sport zurück. Nun hetzt ein sensationslüsternes Jüngelchen die Mucki-Greise noch einmal aufeinander los. Was peinlich, albern und selbstverliebt wirken könnte, landet in der charmanten US-Sportkomödie "Zwei vom alten Schlag" einen elegant platzierten Volltreffer.

Es ist ein Kampf, den jeder der Beteiligten zunächst einmal mit sich selbst auszutragen hat. Und es geht nur um einen Preis, den man (wieder-)gewinnen kann: Würde. Der einst gefürchtete Rechtsausleger Razor muss exakt darauf achten, die Einkaufsgutscheine optimal einzusetzen, um sich in seinem heruntergekommenen Heim unter der Autobahnbrücke ab und an ein Dosen-Thunfisch-"Festessen" leisten zu können. Die Aussicht auf ein paar Geldscheinchen, von denen ihm Quasselstrippe Dante Slate Jr. (Kevin Hart) vorschwärmt, sind ein eigentlich lächerliches, aber in harten Zeiten überzeugendes Argument, sich doch noch einmal einen Ruck zu geben. Beim unverbesserlichen Angeber Billy hat es Dante weitaus leichter: Der Hitzkopf, der mittlerweile eine Existenz als schmieriger Autoverkäufer und Bar-Betreiber fristet, hat seine wichtigste Niederlage nie verwunden.

Fast sieben Jahre nach seinem letzten Boxkampf in "Rocky Balboa" streift Sylvester Stallone (67) noch einmal seine Handschuhe über. Für Robert De Niro (70) liegt der Kampfeinsatz als "Raging Bull" im Film "Wie ein Wilder Stier" sogar über 30 Jahre zurück. Doch Regie-Routinier Peter Segal ("Get Smart", "Die Wutprobe") gelang es nicht nur, zwei der größten lebenden Legenden des US-Kinos wieder gemeinsam vor die Kamera zu bringen. Er schaffte es, dass sich beide locker machen.

Natürlich wäre es ein Leichtes, sich über den Verfall einst beeindruckender Körper, die Zipperlein, die Gewebe-Schlaffheit, uncharmante Rundungen (vor allem auf die des Alkohol-trainierten "The Kid"-Bauches), aber auch über die monströse Eitelkeit und Selbstbezüglichkeit lustig zu machen. Das Charmante an dieser Komödie: Sylvester Stallone und Robert De Niro übernehmen diesen Job einfach selbst. Wie schon in der urkomischen "R.E.D."-Reihe, aber auch in der Haudegen-Selbstveräppelung "The Expandables" lebt die perfekt zwischen Unernst und Gravitas austarierte Komödie von der Bereitschaft ihrer Protagonisten, sich selbst nicht zu wichtig, das Film- und Star-verliebte Publikum aber sehr ernst zu nehmen.

Heraus kommt ein Film, der auf vielen Ebenen funktioniert - als ernsthafter Sport-, Comeback-, Buddy-, Liebes- und auch als (nicht immer sprachlich ganz jugendfreier) Familienfilm. Das heiß ersehnte - und mitreißend choreografierte - Boxkampf-Finale bietet auch Nervenkitzel für Adrenalin-Junkies aller Altersklassen. Die augenzwinkernden Anspielungen auf frühe Kinoerfolge, denen mal mit mehr, mal mit weniger Respekt begegnet wird, dürften vor allem das ältere Publikum erfreuen.

Und so ist es ein echtes Vergnügen, Alan Arkin in seiner knurrigen Meister-Rolle als "Rocky"-Rentner-Trainer wiederzusehen, ebenso wie man immer gerne Kim Basinger beim Älter- und Weiser-Werden in aller Eleganz beobachtet. Und Jon Bernthal ("The Wolf of Wall Street") als Billys Film-Sohn, von dem der hoffnungslose Womanizer lange nichts wusste, wirkt tatsächlich so, als wäre er Robert De Niro zu besten Straßenkämpfer- und Straßenköter-Zeiten aus dem Gesicht geschnitten.

Quelle: teleschau - der mediendienst