Paranormal Activity: Die Gezeichneten

Paranormal Activity: Die Gezeichneten





Der Dämon vor der Kamera

Seit 2007 spukt sich nun schon das Horrorfranchise "Paranormal Activity" durch die Kinolandschaft. Bevor im Laufe des Jahres noch Teil 5 ins Kino kommt, schlachten die Produzenten den Gruselhype noch mit einem weiteren Spin-Off aus - mit "Tokyo Nights" gab es bereits 2010 eins für den japanischen Markt. "Paranormal Activity: Die Gezeichneten" ist nun im Hispanic Milieu angesiedelt und kokettiert mit lateinamerikanischem Voodoo. Abgesehen davon bietet das Spin-Off aber weder Abwechslung noch echte Schockmomente.

Der junge Jesse (Andrew Jacobs) kommt aus einem hispanischen Viertel eines kalifornischen Vororts. Seinen Schulabschluss feiert der 17-jährige mit reichlich Schabernack, den er und sein Kumpel mit ihrer neuen Digicam filmen. Als aber die seltsame Nachbarin ermordet wird, schleichen sich die beiden mit der Kamera in die Wohnung der Dame und finden dort reichlich sonderbare Voodoo-Utensilien. Am nächsten Tag entdeckt Jesse einen Biss an seinem Unterarm und merkt, dass sich etwas in ihm verändert hat. Als Jesse sich immer sonderbarer benimmt, machen sich seine Freunde auf die Suche nach dem Ursprung des fiesen Zaubers.

Auf fest installierte Kameras, die starr in einen Raum blicken, wie das Publikum es noch von den ersten Teilen der Reihe gewohnt ist, wird im Ableger komplett verzichtet. Der Zuschauer soll vom stillen Beobachter zum Akteur werden. Bei früheren Found-Footage-Filmen wie "Blair Witch Project" oder "Rec" wurde das mit Bravour bewerkstelligt. Den "Gezeichneten" jedoch gelingt das leider nicht. Man versucht als Zuschauer nicht um die Ecke zu schauen, man ertappt sich nicht selbst dabei, wie man sinnlos den Kopf reckt.

Daran ist aber sicher nicht nur die Kameraführung schuld, sondern hauptsächlich die schwache Dramaturgie des Films. Nach Schema F werden die betont normalen Figuren eingeführt, deren mühsam aufgebaute Glaubwürdigkeit durch vorhersehbares Handeln mit einem Schlag zerstört wird. Dann beginnen die sonderbaren Vorkommnisse, allerdings nur wellenartig. Ein kurzer Schocker, danach geht's wieder zurück in lustige Welt der Hispanics. Man kann förmlich die Sekunden zählen, bis der nächste Schockeffekt kommt. Keine Überraschungen und erst recht kein straffer Spannungsbogen, der allmählich Grusel aufkommen lässt und das Gefühl des kalten Schauers auf dem Rücken halten kann. In den letzten 15 Minuten folgt schließlich ein Spezialeffekt nach dem anderen, was eher albern als gruselig wirkt.

Letztlich bleibt nur die Frage, warum ein Spin-Off nötig war, wenn doch im Herbst schon der reguläre fünfte Teil der "Paranormal Activity"-Reihe starten soll. Die Antwort auf diese Frage scheint simpel: Christopher Landon, der Regisseur von "Die Gezeichneten", war mit Ausnahme des ersten Teils der Reihe immer Drehbuchautor eingespannt. Da wollte sich wohl endlich mal jemand als Regisseur ausprobieren.

Fairerweise muss man aber einräumen, dass "Die Gezeichneten" nicht vollkommen abseits der "Paranormal Activity" Filme steht. Mit Ali (Molly Ephraim) hat eine Figur aus dem zweiten Teil einen kurzen Auftritt und am Ende wird noch ein Zusammenhang zu den Ereignissen der früheren Filme hergestellt. Die gezogenen Parallelen sind aber eher trivial als wirklich notwendig.

Quelle: teleschau - der mediendienst