Wolfgang Stumph

Wolfgang Stumph





"Zeit. Viel Zeit!

Tschüss, Stubbe. Der Hauptkommissar nimmt Abschied aus Hamburg. "Stubbe - von Fall zu Fall", eine der populärsten Krimireihen Deutschlands mit zuletzt an die neun Millionen Zuschauern, geht zu Ende. Das ZDF zeigt an den Samstagen 21.12., 04.01. und 18.01. die letzten drei Filme. Schluss ist, weil Wolfgang Stumph es so wollte. "Man soll ein erfolgreiches Pferd nicht totreiten", pflegte er in den vergangenen Jahren stets zu sagen, wenn man ihn nach den Gründen für die lange feststehende Entscheidung fragte. "Zeit, viel Zeit" - das sind die letzten Worte Stubbes im abschließenden 50. Film, und man darf davon ausgehen, dass sie vom 67-jährigen Schauspieler Stumph sorgfältig und ganz bewusst gewählt wurden. Im Interview blickt er zurück auf zwei Jahrzehnte "Stubbe" und schaut nach vorn auf das, was kommt ...

teleschau: Wie oft hat der Hauptkommissar Stubbe in den knapp 20 Jahren eigentlich eine Waffe abgefeuert?

Wolfgang Stumph: Kein einziges Mal. Mag sein, dass ich sie ein-, zweimal in der Hand hatte. Aber ich habe einfach eine private Aversion gegen Waffen. Ich mag die Dinger nicht, auch nicht im Film. Stubbes Argumente waren eben immer andere.

teleschau: Welche Erinnerungen haben Sie an den letzten Drehtag?

Stumph: Der war, wie immer, reich an Arbeit. Da kamen erst einmal gar keine besonderen Gefühle auf. Aber als ich dann als Stubbe für eine Szene über die Elbbrücke in Dresden fuhr, war das anders. Schließlich haben wir vor 20 Jahren mit "Stubbe", der ja aus Dresden stammt, begonnen. Wir werden dieser Stadt Dresden auch eine Referenz erweisen. Am 12. Januar wird die 50. und letzte Folge dort in einem Kino gezeigt. Es werden viele Kollegen vor Ort sein, die mich über Jahre begleiteten. Und ich ahne schon, dass da dann doch Wehmut aufkommen wird.

teleschau: Entscheidend mitgeprägt hat die Reihe über die Jahre der Autor und Regisseur Peter Kahane ...

Stumph: Absolut. Er führte häufig Regie und schrieb über 20 Drehbücher zu den Filmen. Zusammen mit Michael Illner ist er sicher der wichtigste Autor der Reihe. Beide gehören zu den langen Wegbegleitern. Sie prägten diese besondere innere Moral der Reihe. Da sind Partnerschaften entstanden, die bestehen bleiben.

teleschau: Gibt es schon Pläne?

Stumph: Mit Kahane möchte ich demnächst wieder zusammenarbeiten. Illner schrieb das Buch zum Fernsehfilm "Stilles Tal", der 2011 gezeigt wurde. Ich bin sowieso ein anhänglicher Mensch. Und das ist auch bei diesen Kollegen so.

teleschau: Sind in all den Jahren echte Freundschaften entstanden?

Stumph: Nennen wir es echte künstlerische Freundschaften. Denn darüber hinaus gibt es bei mir natürlich auch enge persönliche Freundschaften, die vor allem im Raum Dresden bestehen. Die dauern teilweise seit weit mehr als 30 Jahren an. Und die Menschen, die ich meine, haben mit der Schauspielerei auch gar nicht so viel zu tun.

teleschau: In all den Jahren gehörte "Stubbe" zu den erfolgreichsten Krimis im deutschen Fernsehen. 2012 war eine Episode der Reihe sogar der erfolgreichste TV-Film des Jahres mit knapp neun Millionen Zuschauern. Fühlen Sie sich für Ihren "Stubbe" ausreichend gewürdigt?

Stumph: Sicher. Dem Publikum habe ich alles zu verdanken, was ich erreicht habe. Auf dessen Treue und Gunst konnte ich mich immer verlassen. Zumal es sich auch immer dafür interessiert hat, was ich neben dem "Stubbe" noch so gedreht habe ...

teleschau: Aber die großen Preise gab es nicht ...

Stumph: Die Publikumspreise sehr wohl. Zum Beispiel den von der "Goldenen Henne", aber auch viele andere. Bei den anderen großen Medienpreisen läuft das eben etwas anders. Da muss man auch Engagement zeigen, um die zu kriegen. Aber sehen Sie: Ich bin ja nur eine Ich-AG. Ich habe keinen Manager, keinen Presseagenten, keine eigene Produktionsfirma. Dazu kommt, dass Charaktere wie der "Stubbe" einfach nicht so populär sind, wenn es um Preise geht. Da fehlen dann die Abgründe, die besonderen Auffälligkeiten. Aber ich mach sowieso keine Filme für Preise, sondern für die Menschen.

teleschau: Im letzten Film wird Stubbe schon mal ein wenig an den Abgrund geführt. Zusammen mit der Filmfigur, die von Uwe Bohm gespielt wird, säuft Stubbe eine ganze Nacht durch!

Stumph: Toll war das - mit Tee. Uwe Bohm - grandioser Schauspieler, wie auch Milan Peschel und Ben Becker im zweiten neuen "Stubbe"-Film. Es ist ein Genuss, mit diesen Kollegen zu arbeiten. Ja, eine Gnade sogar. Wie auch in Filmen außerhalb der Reihe: Katja Riemann oder Suzanne von Borsody - ihnen und vielen, vielen anderen habe ich erfolgreiche Filme zu verdanken. Sie forderten einen heraus, ließen einen teilhaben. Dazu zählen in erster Linie auch die Autoren, die immer Ideen umsetzten, die eine Relevanz hatten. Die die Menschen berührten. Nicht nur Stubbes Erfolg hat viele Mütter und Väter.

teleschau: Damals, als Stubbe erstmals auf Sendung ging, stand das Thema "Ein Ossi kommt in den Westen" in der Öffentlichkeit im Mittelpunkt. Ein Sachse mit seinem besonderen Dialekt mitten in Hamburg ...

Stumph: Das spielt heute so vordergründig kaum noch eine Rolle. Selbst die Presse schreibt bei mir auch nichts mehr vom Vorzeige-Ossi. Mit dem "Stubbe" hatten wir, abhängig vom Thema, irgendwann sogar im westlichen Teil Deutschlands höhere Sehbeteiligungen als im östlichen. Es war immer mein Ziel, eine gemeinsame Sicht auf die Probleme der Menschen zu entwickeln. Filme nur für eine Region wollte ich nie drehen. Es ist doch längst so, dass die Dinge, die uns bewegen, uns alle angehen.

teleschau: Wie geht es für Sie nach dem Ende von "Stubbe" weiter?

Stumph: In der Vergangenheit kostete mich die Reihe ja auch jenseits der Drehtage viel Zeit. Jetzt kann ich mich auf einzelne Filme konzentrieren, in die ich meinen Stumph-sinn in die Figuren einbringen kann. Vielleicht kann ich in der Zukunft öfter einen Stoff annehmen. Aber bevor sich jemand Sorgen macht, dass ich nun überall immer so intensiv mitreden will wie bei der "Stubbe"-Reihe: Nein, nein, keine Angst: Ich will manchmal auch nur spielen. Es bleibt also sicher noch genug Arbeit für mich. Aber an die Leistungsgrenzen will ich jetzt einfach nicht mehr gehen. Man darf ein erfolgreiches Pferd nicht totreiten: Und damit meine ich nicht nur die "Stubbe"-Reihe, sondern irgendwie auch mich selbst.

Quelle: teleschau - der mediendienst