Das merkwürdige Kätzchen

Das merkwürdige Kätzchen





Oma und Flaschen

1996 beobachtete der französische Regisseur Cédric Klapisch in seiner charmanten Low-Budget-Studie "... und jeder sucht sein Kätzchen" eine junge Frau. Sie streifte durch ihr Viertel auf der Suche nach ihrem Haustier und dies und das. Den Filmtitel könnte man auch für Ramon Zürchers Film "Das merkwürdige Kätzchen" stehen lassen. Das Familien-Kammerspiel mit Jenny Schily in der Hauptrolle der Mutter wurde bei der Berlinale im progressiven "Forum" uraufgeführt.

Kommen und Gehen, Tun und Lassen, ganz normale Kettenreaktionen. So lässt sich der Inhalt zusammenfassen. Es ist der Tag im Leben einer Familie, aufgenommen in der Küche, mit einer statischen Kamera, die auf halber Höhe einfängt, was gerade zu sehen ist: die Handgriffe der Mutter, das sinnfreie Brüllen der Jüngsten (Mia Kasalo) und natürlich die titelgebende Katze, die immer wieder auf den Tisch springt. In einer Familie geht es, insbesondere an einem Tag, an dem für den Abend ein gemeinsames Essen anberaumt ist, um Datenabgleich: Hast du die Oma abgeholt, die Flaschen weggebracht? Das alles serviert Zürcher ungefiltert. Ungefiltert auch die Geräusche von sehr lauten Küchenmaschinen. Gepaart mit Stillleben desselben Raumes. Hier ein Glas Milch, dort eine leere Flasche oder eine volle Tasse.

Manchmal erzählen Familienmitglieder und Anverwandte eine Geschichte, dann holt die Kamera die Bilder des Erlebten in die Küche und lässt die Worte darüberlaufen. In diesen Momenten wird die feste Struktur des Kammerspiels aufgebrochen. Hier und da gibt es einen Satz wie "Katzen sind meine Zwiebeln" oder "Im Sommer möchte ich kein schwarzer Hund sein". In Kombination mit der skurrilen Kamera, die nur stumme Zeugin ist, die niemandem zu nahetreten will und doch immer da ist, wenn eben nichts Besonderes passiert, in Kombination mit diesen ungewöhnlichen Bildern kann man "Ein seltsames Kätzchen" für einen poetischen Film halten. Insbesondere wenn man weiß, dass der junge Regisseur Kafkas "Verwandlung" als Grundlage sieht, auf der sein Werk fußt, sich aber gleichzeitig ganz frei gemacht hat.

Er ist einer, der aus der Kunst kommt und schon da keine Lust hatte, sich einem Thema zu verpflichten. Er will "einfach nur Striche malen und schauen, was sich daraus entwickelt". Obwohl viel gesprochen wird, wird nichts gesagt, nicht zugehört. Jeder ist isoliert.

Dennoch: Wenn man sich im Verlauf dieses Films die Frage stellt "Ist das Kunst oder kann das weg?", sollte man sich nicht allzu stark grämen. Poesie sieht für manchen eben anders aus.

Quelle: teleschau - der mediendienst