Max von Thun

Max von Thun





"Alles klar: Schauspieler!"

Was war der Max doch für ein wilder Hund - damals, 1999, als er "MTV Kitchen" moderierte und erstmals größere Aufmerksamkeit im deutschen Fernsehen auf sich zog. Langhaarig, laut, rotzfrech und um keinen Blödsinn verlegen. Lang ist's her. Die Erinnerung an Max von Thuns Anfänge rückt in umso weitere Ferne, wenn man den 36-jährigen Münchner heute vor sich hat: Die Mähne ist ab, die Zeiten schriller Kleider sind längst passé. Wenn er im Münchner Hotel "Bayerischer Hof" über seine Rolle in der Tolstoi-Verfilmung "Anna Karenina" (Samstag, 4. Januar, 20.15 Uhr, ARD), sein "altmodisches" Gesicht und die neuen Sehnsüchte spricht, die das Vatersein mit sicht bringt, möchte man fast meinen, der Sohn von Schauspielerlegende Friedrich von Thun sei erwachsen geworden. Dabei hat er daran, wie er sagt, eigentlich gar kein Interesse.

teleschau: Hand aufs Herz: Wie viele "Anna-Karenina"-Verfilmungen haben Sie gesehen, bevor man Ihnen die Rolle des Lewin anbot?

Max von Thun: Keine einzige! Aber ich weiß, dass es seit 1914 die 14. Verfilmung ist, da schließen wir also einen hundertjährigen Bogen. Und ich habe das Buch gelesen - ich denke, wir sind ziemlich nah am Roman von Tolstoi.

teleschau: Sie sind relativ häufig in Historienfilmen zu sehen. Was macht für Sie den Reiz an solchen Produktionen aus?

von Thun: Für mich ist das immer eine sehr spannende Zeitreise. Man muss sich beispielsweise mit der Mode der Zeit auseinandersetzen. In historischen Kleidern bewegt man sich anders als in Jeans und T-Shirt, das hilft dann auch, in so eine Geschichte hineinzufinden. Außerdem bin ich noch nie von Pferden auf einem Schlitten durch den Schnee gezogen worden - das sind Gelegenheiten, die nur wenige Menschen bekommen.

teleschau: Suchen Sie diese Rollen gezielt?

von Thun: Ich bin nicht in der Position, dass ich aus 20 Drehbüchern immer das aussuche, was mir am besten gefällt. Aber ich darf aussuchen, und ich bekomme schöne Angebote.

teleschau: Hat es einen Grund, dass man Ihnen immer wieder diese "alten" Stoffe anbietet?

von Thun: Mir hat mal ein Kameramann gesagt, dass es Menschen mit modernen Gesichtern und Menschen mit altmodischen Gesichtern gibt. Ich habe da lange drüber nachgedacht, mich bei den Drehs umgesehen, und ich muss sagen: Da ist was dran.

teleschau: Sie finden, Sie haben ein altmodisches Gesicht?

von Thun: Ganz offensichtlich. Es gibt wirklich Menschen, die in historischen Filmen wie selbstverständlich für die jeweilige Zeit erscheinen. Und dann gibt es welche, bei denen man immer das Gefühl hat, dass das irgendwie nicht passt - auch wenn sie einen Bart oder ein verwegenes Cape tragen.

teleschau: An einen Stoff wie "Anna Karenina" hat man bestimmte Erwartungen. Wieviel Gestaltungsfreiraum blieb Ihnen da?

von Thun: Die Figur des Lewin ist ja eine fiktive, die es in der Realität nie gab. Der Gestaltungsraum ist in diesem Fall immer ein kreativer Prozess, der zwischen Schauspieler und Regisseur stattfindet. Manche Regisseure schreiben einem auch bei solchen Filmen genau vor, wann man sich am Ohr zu kratzen hat. Aber bei Christian Duguay - und das finde ich immer viel schöner - konnte ich mich frei bewegen.

teleschau: Der alte, russische Adel spielt in "Anna Karernina" eine zentrale Rolle. Auch Sie haben einen adeligen Familienhintergrund. Inwieweit hat Sie das geprägt?

von Thun: In frühen Jahren gab es durchaus den vagen Versuch meiner Eltern, sich in diesen Familienkreisen zu bewegen. Da waren eben viele Aristokraten, und da habe ich schon bestimmte Umgangsformen erlernt.

teleschau: Helfen Ihnen diese Erfahrungen, sich in einer Geschichte wie "Anna Karenina" besser zurechtzufinden?

von Thun: Ich habe das Gefühl, dass mir diese Welt dadurch etwas vertrauter ist, was mir unterbewusst vielleicht eine bestimmte Form der Sicherheit gibt. Aufgrund der Tatsache, dass ich früher sämtlichen Tanten dritten Grades, die ich gar nicht kannte, die Hand küssen musste, weiß ich zumindest, wie das geht. Und dass ich viele Schlösser von Verwandten besuchte, trägt bestimmt auch dazu bei, dass mich eine solche Kulisse beim Dreh nicht völlig erschlägt. Ich glaube aber nicht, dass ich dadurch einen großen Vorteil gegenüber denjenigen Schauspielern hatte, die keinen solchen Hintergrund haben.

teleschau: Sie wurden Anfang 2013 erstmals Vater, sind mit der Mutter des Kindes aber noch nicht verheiratet. Was hätte man dazu wohl im alten Russland gesagt?

von Thun: Das wäre induskutabel gewesen. Eine nicht standesgemäße Liaison und ein unehelich hervorgebrachtes Kind - das hätte echte Probleme gegeben! Aber da sieht man mal wieder, dass früher nicht alles besser war. Wir haben uns weiterentwickelt, und das ist auch gut so.

teleschau: Sie kommen also auch ohne Trauschein aus?

von Thun: Also ich brauche das nicht, und meine Freundin sagt, dass sie es auch nicht braucht. Aber das schließt nicht aus, dass man trotzdem irgendwann heiratet, um das mal amtlich zu machen. Eine Ehe ist für mich aber auf keinen Fall ein Prädikat für eine erfolgreiche Beziehung. Ich glaube auch nicht, dass sich irgendetwas verändern oder verbessern würde, wenn wir verheiratet wären.

teleschau: Zuletzt haben Sie zwei Filme parallel gedreht - "Artikel 3" und "Die Polizistin". Wieviel Zeit haben Sie da noch für Ihre Familie?

von Thun: Ich wollte mir ehrlich gesagt in diesem Jahr den Luxus gönnen, weniger zu machen, um möglichst viel zu Hause zu sein. Das ist mir auch lange geglückt, aber irgendwann kamen dann eben doch Angebote, die ich sehr spannend fand.

teleschau: Wie schwer fallen Ihnen diese Phasen der Trennung von Ihrem Kind?

von Thun: Kürzlich hatte ich einen Drehblock, bei dem ich elf Tage weg war. So lange von meinem Kind getrennt zu sein, ist für mich auf jeden Fall eine neue Erfahrung, an die ich mich erst gewöhnen muss. Da entsteht schon eine ganz neue Form der Sehnsucht. Bei Kindern passiert einfach so viel in so kurzer Zeit. Je mehr man davon erlebt, desto schöner.

teleschau: Bei Facebook schrieben Sie kürzlich: "Oh Mann! Ich liebe meinen Beruf! Nur nie erwachsen werden ..." Wieviel Kind steckt noch in Ihnen?

von Thun: Im Moment bin ich sehr kindisch, weil ich Grund dazu habe. Ich verbringe viel Zeit auf allen Vieren, krabble auf dem Boden herum, veranstalte Wettrennen. Aber das meinte ich damit nicht.

teleschau: Sondern?

von Thun: Der Beruf heißt nicht umsonst Schauspieler. Es hat etwas mit Spielen und Spieltrieb zu tun, und das hat eben auch etwas sehr Kindliches - die Neugier, eine neue Rolle zu entdecken und sich Sachen auszudenken, das ist eine konsequente Fortsetzung von Cowboy und Indianer, wo man als Kind versucht, mit irgendetwas Pfeil und Bogen zu simulieren.

teleschau: Erwachsene tun das in der Tat eher selten ...

von Thun: Außerdem hat Erwachsenwerden immer was mit Ernst und Seriosität zu tun, und das sind Dinge, die ich eigentlich nicht anstrebe. Ich kann auch ernst und seriös sein, wenn es verlangt ist. Aber ich genieße es auch, zwischendurch rumalbern zu können. Da sagt dann jeder: "Alles klar: Schauspieler!" Das finde ich eigentlich ganz schön.

Quelle: teleschau - der mediendienst