Naomi Watts

Naomi Watts





Das Gesamtpaket

Sie hat das Aussehen, definitiv. Sie hat einen Mann an ihrer Seite, dessen Name in Hollywood ebenfalls wohlbekannt ist. Sie wurde schon zweimal für den Oscar nominiert, und nach Preisverleihungen taucht sie regelmäßig auf den "Best Dressed"-Listen auf. Eigentlich stimmen alle Voraussetzungen. Trotzdem ist Naomi Watts kein Star. Viel lieber ist sie Schauspielerin - und ziemlich gut beschäftigt. Gerade eben war die 45-Jährige noch als Mutter eines Teenagers in der ödipal-vertrackten ménage à quatre "Tage am Strand" zu sehen, jetzt nimmt sie sich eine der größten Ikonen der Boulevardblätter vor: "Diana" startet am 9. Januar in den deutschen Kinos.

Die Frau ist ein Vollprofi. Wie ernst sie ihren Job nimmt, erkennt man schon daran, wie sie ihre Vorbereitung der Rolle als "Königin der Herzen" beschreibt. Der britischen Ausgabe der "Huffington Post" erklärte sie: "Ich fand die Vorarbeit unglaublich schwer, denn normalerweise beginnt man bei der Erfindung einer Rolle im Inneren, man schafft das Innenleben, dann das Äußere, das Erscheinungsbild kommt als Letztes, wie sie sich anzieht, wie sie spricht - aber natürlich musste ich hier genau andersherum arbeiten. Das erforderte sehr viel Vorbereitung." Kollege Naveen Andrews ("Lost") hingegen, der die Rolle ihres Liebhabers spielt, sah die Sache ungleich gelassener: "Ich musste 17 Pfund zunehmen."

Watts' Ernsthaftigkeit entstammt ihrer Leidenschaft - und einer familiären Vorbelastung: Auch ihre Mutter war Schauspielerin, und die Tochter bewunderte sie dafür von Kindesbeinen an: "Ich war fasziniert, diese komplette Fantasiewelt vor meinen Augen zu sehen", erzählte sie einmal von einer der ersten Theateraufführungen, in der sie ihre Mutter spielen sah. "Wenn ich nur in diese Welt gelangen könnte, wären wir uns noch ein bisschen näher. Als sie mir verstohlen von da oben zuwinkte, war das ein Schlüsselmoment in meinem Leben."

Als es an die Berufswahl ging, siegte jedoch zunächst der Pragmatismus: Die Britin, die in Australien aufwuchs, arbeitete in einem Bürojob als Redaktionsassistentin eines Modemagazins in Sydney. Nur nebenbei nahm sie Schauspielstunden. Doch nach und nach nahm die Schauspielerei immer mehr Platz in ihrem Leben ein: Ein paar kleine TV-Rollen machten Spaß, reichten aber nicht zum Leben. Erst als sie 1991 neben Nicole Kidman und Thandie Newton eine Hauptrolle im australischen Coming-of-Age-Drama "Flirting" bekam, kündigte sie den Job.

Auf ihren internationalen Durchbruch musste sie noch zehn Jahre warten. Dafür aber gelang er immerhin gleich in einem David-Lynch-Film. Der Filmemacher sagte später über seine erste Begegnung mit ihr: "Ich sah eine Person, deren enormes Talent ich fühlen konnte, und ich sah eine Person, die eine schöne Seele besaß und eine gewisse Intelligenz - die Möglichkeit für zahlreiche verschiedene Rollen, es war also ein wunderschönes, vollständiges Gesamtpaket." Er sollte Recht behalten. "Mulholland Drive" (2001) brachte ihr begeisterte Kritiken ein und öffnete zahlreiche Türen in Hollywood. Es folgten zwei Oscarnominierungen: für ihre Darstellung einer Drogensüchtigen in "21 Gramm" (2003) und einer Ärztin im Katastrophenfilm "The Impossible" (2012).

Den Sinn für Pragmatismus hat sie übrigens behalten: Ihre Beziehung zum Schauspielkollegen Liev Schreiber begann fast gleichzeitig mit ihrer ersten großen Produktionsarbeit "Der bunte Schleier" (2006), bei der sie auch eine Hauptrolle übernahm. "Naomi hat sie gezwungen, mich zu engagieren", sagte Schreiber später mit einem Augenzwinkern gegenüber dem "New York Magazine". "Sie wollte unsere Beziehung fortsetzen, und die einzige Möglichkeit dazu war, mich mit auf die Reise zu nehmen."

Aus ihrem Privatleben macht Watts kein Geheimnis, aber auch keine Sensation. Twitter, Facebook, Tumblr? Fehlanzeige. Gelegentlich gibt's ein paar Paparazzi-Fotos, aber darauf sieht man dann auch nur, wie sie oder Schreiber die beiden gemeinsamen Kinder in die Vorschule bringen. Eine bestimmte Bodenständigkeit versuchen die beiden auch an ihre vier- und sechsjährigen Jungs weiterzugeben - etwa, indem sie sie in ein Obdachlosenheim mitnehmen, um dort bedürftigen Kindern ihr Spielzeug zu schenken. Ihre Kinder, so Watts kürzlich in einem Interview mit der Zeitschrift "Freundin", haben ihr sogar noch ein wenig mehr Ruhe gegeben: "Ich nehme meine Arbeit nicht mehr mit nach Hause. Heute habe ich für meine Rollen einen An-und-Aus-Schalter." Ganz pragmatisch eben.

Quelle: teleschau - der mediendienst