Sascha Hehn

Sascha Hehn





Es ist schwer, gegen eine Uniform anzuspielen

Als Steward Victor Burger war er auf dem "Traumschiff" der Schwarm der Frauen, auf den alle flogen. Charmant und gut aussehend war der Mann, der von 1981 bis 1991 zunächst als Steward, dann als erster Offizier zu Traumzielen der Deutschen fuhr. Nun kommt Sascha Hehn nach 22 Jahren, gereift und ruhiger geworden, als neuer Kapitän aufs Schiff zurück. Unwahrscheinlich? Weit gefehlt: Die Vita erlaubt's, sagt der Schauspieler im Interview, "Victor hat in drei Jahren das Kapitänspatent gemacht und ist dann als Kapitän auf einem Frachter gefahren." Zuletzt war Sascha Hehn, einst auch Halbgott in Weiß in der legendären "Schwarzwaldklinik", in der vierteiligen satirischen ZDF-Sitcom "Lerchenberg" zu sehen, in der er sich selber, seine Eitelkeiten und den größten Sender Europas mit Humor auf die Schippe nahm. In der "Traumschiff"-Folge 71 (Perth, Australien) löst er am Mittwoch, 1. Januar, 20.15 Uhr, nun Siegfried Rauch (Kapitän Paulsen) ab.

teleschau: Wie haben Sie reagiert, als man Ihnen das Angebot machte, auf das "Traumschiff" zurückzukehren?

Sascha Hehn: Nach kurzer Bedenkzeit habe ich gesagt: "Machen wir!", weil die Argumente dafür einfach überwogen. Bei 400 Morden im deutschen Fernsehen möchte ich gerne an etwas beteiligt sein, das keinen schlechten Schlaf bewirkt. Die Leute, die das "Traumschiff" sehen, werden anschließend einfach besser schlafen, das ist so. Die lange Abwesenheit von zu Hause ist damit voll und ganz gerechtfertigt.

teleschau: Vom früheren Steward steigen Sie jetzt zum Kapitän auf. Inwiefern werden Sie sich ändern müssen?

Hehn: Ich sage das immer wieder und immer wieder gern: Jeder der früheren Kapitäne hatte eine eigene Persönlichkeit: Günter König, Heinz Weiss und Siegfried Rauch. Was meine Rolle anbetrifft, sage ich: Lassen wir sie bodenständig und realistisch. Dass ich vom Stewart zum Kapitän werde, ist ja möglich. Ich habe als Victor Burger in drei bis vier Jahren das Kapitänspatent erworben und dann 15 Jahre lang Erfahrungen auf einem Frachter gesammelt, mit Piratenüberfall und allem drum und dran. Die Folgen, vielleicht sogar ein Trauma, sind noch sichtbar.

teleschau: Mit der Chefstewardess Beatrice, von Heide Keller gespielt, gibt es ein Wiedersehen mit einer alten Bekannten.

Hehn: Ja, das ist eine schöne Szene, gleich zu Beginn: Der Neue schleicht sich vorbei, als Gast sozusagen, und Beatrice beschwichtigt. Sie sagt: "Ich mach das schon, irgendwie." Und dann stehe ich oben auf der Brücke und rufe: "Beatrice, ich will ablegen!" Alles ganz realistisch. Jetzt zahlt sich's aus, dass ich damals nicht als Fischereiunternehmer in Kanada ausgestiegen bin. Auf diese Weise muss ich jetzt nicht mein eigener Zwillingsbruder sein.

teleschau: Gab's Aufregendes bei Ihrer ersten Fahrt der neuen Zeitrechnung? Die Schiffsszenen wurden ja vor allem auf der Fahrt nach Dubai und in die Emirate gedreht.

Hehn: Es ging über Dubai und Somalia zu den Seychellen. Wir hatten eine Schutztruppe der GSG 9 an Bord zu unserer Sicherheit. Vor Katar kamen 50 Piratenschnellbote auf uns zu, die haben dann glücklicherweise wieder abgedreht. Ich hatte schon gesagt: Wenn ihr noch jemand zur Verteidigung braucht, ich bin Jäger - ich stehe zur Verfügung. Langweilig wurde es nicht.

teleschau: Sie sind Jäger? Wir dachten, Sie fischen leidenschaftlich.

Hehn: Ich jage auch, aber nur im Ausland, weil man da keinen Jagdschein braucht. In Montana bezahlt man sieben Dollar und nimmt jemanden, der sich auskennt, mit. Das ist Freiheit auf Amerikanisch.

teleschau: Bleibt zum Angeln keine Zeit?

Hehn: Kaum. Kommt man mit dem Flugzeug in einem Hafen an, dann wird ja meistens schon am nächsten Tag gedreht. Dann donnern die das in zehn Tagen durch. Hinterher sitzt man wieder im Flugzeug und fliegt zum neuen Drehort. Ist der Flugplatz nicht in der Nähe, bleiben ein paar Tage Anreise, um sich zu erholen.

teleschau: Aber es gibt doch sicher auch auf dem Schiff manchmal freie Zeit.

Hehn: Die Dreharbeiten dauern meist zwölf Stunden, um halb sieben ist Schluss, um acht stehst du am Buffet, und eine Stunde später geht es in die Koje zum Textelesen.

teleschau: Gar nichts Lustiges?

Hehn: Doch, ab und zu. Ich gehe gern mal nachmittags zum Bingo-Spiel, oder nehme Kaffee und Kuchen. Eigentlich bin ich ziemlich selbstständig, aber ich mag's, wenn man nur den Teller hinhalten muss und alles draufgesetzt bekommt. Es ist alles ein bisschen wie im Schlaraffenland. Apropos Spaß: Zum Captain's Dinner habe ich statt des geforderten Anzugs auch mal ein knöchellanges arabisches Gewand getragen, mitsamt der rotweiß-karierten Kopfbedeckung. Auch in einer Mall in Kuweit bin ich mal damit rumgegangen. Die Kuweitis lachten und machten Fotos mit mir. Es wurde sehr positiv angenommen.

teleschau: Gibt es eigentlich ein Rezept für die Rolle des "Traumschiff"-Kapitäns?

Hehn: Es ist einfach schwer, gegen eine Uniform anzuspielen. Da gibt's nicht viel zu spielen. Du hast das an, und dann gehst du, und deine Persönlichkeit geht mit dir. Abgesehen davon: Sie kennen "Jenseits von Afrika", wo sich Robert Redford und Klaus Maria Brandauer begegnen. Der eine hängt sich voll rein, der andere guckt ihn ganz ruhig mit seinen blauen Augen an. Man muss Rollen einfach hundertprozentig richtig besetzen. Keiner sollte eine Rolle spielen, die nicht zu hundert Prozent er selber ist. Ist man falsch besetzt, dann tut es einem hinterher leid - aber wenigstens das Konto stimmt.

teleschau: Sie leben zurückgezogen in der Nähe von Wasserburg. Zuletzt haben Sie in Ihrem Garten einen Teich gebaut.

Hehn: Eben jetzt habe ich eine Brücke fertig. Aber das mache ich nicht noch mal.

teleschau: Hat Linda, Ihre Lebensgefährtin, inzwischen das Bundesverdienstkreuz bekommen? Sie wollten sie vorschlagen, zum Lohn dafür, dass es sie so lange mit Ihnen ausgehalten hat.

Hehn: Ich habe sie vorgeschlagen, aber es wurde leider nicht angenommen.

teleschau: Würden Sie so eine satirische Serie wie "Lerchenberg", wo Sie sich als alternder Star "Sascha Hehn" in gewisser Weise selber spielten und auf die Schippe nahmen, noch einmal machen?

Hehn: Durchaus. Es war eine gute Arbeit mit einer Supercrew. Das ZDF war mutig und hat sich auch über sich selbst lustig gemacht und uns in alle Heiligtümer, selbst in den Newsroom, gelassen. Schade, dass es nach der Ausstrahlung bei ZDFneo im Hauptprogramm nach der "heute Show" um 23.00 Uhr versendet wurde. Man hat es gut versteckt. Ich denke, dass sich diese Art Humor aber zur Primetime durchsetzen sollte.

teleschau: Humor ist zwefellos wichtig fürs Leben. Und sonst?

Hehn: Zwei Dinge sind wichtig: Zufriedenheit und die Hände vom Materialismus wegzulassen. Die Frage ist allerdings: Wie bringt man das denen da draußen bei? Wer wagt den ersten Schritt?

Quelle: teleschau - der mediendienst