Til Schweiger

Til Schweiger





Der Bauchmensch aus der Wagenburg

Wer hat die meisten? Natürlich Til Schweiger! Rhetorische Frage eigentlich. Sieben Leichen in einem einzigen Krimi - dagegen kam die "Tatort"-Konkurrenz im Jahr 2013 nicht an, wie das Fan-Portal "Tatort-Fundus" unlängst mit tödlicher Präzision vorrechnete. Eine Randnotiz nur, gewiss. Aber eine mit Aussagekraft. Wo Til Schweiger draufsteht, steckt eben alles drin, nur kein Mittelmaß. Das lässt sich zweifelsfrei festhalten, da der umstrittenste, dünnhäutigste, aber eben auch größte deutsche Filmstar, den es gegenwärtig gibt, am 19. Dezember 50 Jahre alt wird. Acht Tage später lässt SAT.1 den Schauspieler und Filmemacher in einer Geburtstagsgala hochleben. Durch die Sendung "Happy Birthday - Til Schweiger" (Freitag, 27. Dezember, 20.15 Uhr) führt Rick Kavanian. Zu Gast sind prominente Freunde und Weggefährten, darunter Jan Josef Liefers, Anja Kling, Christian Tramitz, Janine Kunze, Nina Eichinger und Rea Garvey.

Man darf annehmen, dass dem Jubilar deren Erscheinen am Herzen liegt. Til Schweiger gilt als Familienmensch und als einer, der auch im Beruflichen Freundschaften pflegt. Für seine Filme greift der Wahl-Hamburger gerne auf einen vertrauten Kreis an Mitarbeitern vor und hinter der Kamera zurück. Vertrautheit im Inneren, Abschottung nach außen. Diese Wagenburgmentalität hat er mit Stefan Raab und Bully Herbig gemein - den beiden anderen großen Selfmade-Erfolgsmenschen des hiesigen Unterhaltungsgewerbes, die sich von der schreibenden Öffentlichkeit nicht genügend wertgeschätzt fühlen.

Interviews gewährt Til Schweiger nur einem kleinen Zirkel wohlgesonnener Medien. Und seit "Keinohrhasen" (2007) zeigt er seine Filme nicht mehr, wie es üblich ist, vor dem Kinostart den Kritikern. Er werde "systematisch niedergeschrieben", klagte er bei einer Podiumsdiskussion gegenüber Pressevertretern. Darum sehe er es nicht ein, "euch die Filme umsonst zu zeigen". Und weil ihn auch die hiesigen Preiskomitees allzu oft übergangen haben, trat er 2008 empört aus der Deutschen Filmakademie aus und kündigte an, einen gerechteren Publikumspreis für Kinofilme zu stiften, den es allerdings bis heute nicht gibt.

Wenn man Til Schweiger fragt, worin der angeblich mangelnde mediale Respekt ihm gegenüber begründet ist, verweist er gerne auf seine Karrieranfänge. "Wie man das Licht der Welt erblickt, so wird man wahrgenommen", erklärte er in einem seiner seltenen Interviews der ihm zugeneigten Zeitung "Kurier" aus Österreich: "Ich bin halt in der 'Lindenstraße' aufgetaucht und hab mit 'Manta Manta' meinen ersten Film gehabt. Da haben viele gesagt: 'Die Karriere ist vorbei, bevor sie angefangen hat.' Dann fing ich an, meine eigenen Filme zu machen, bin damit sehr erfolgreich, das stört manche Leute."

Die deutsche Neidgesellschaft also - ein gern herbeizitierter Allgemeinplatz. Dass Til Schweiger als Reizfigur gilt, dürfte aber mindestens ebenso sehr daran liegen, dass er "gerne mal vorpoltert und provoziert". Zu dieser Einschätzung kommt Fahri Yardim, der regelmäßig an der Seite des schillerndes Stars zu sehen ist - so auch im neuen Hamburger "Tatort". Schweiger sei eben "kein großer Stratege, sondern eher ein Bauchmensch", sagt Yardim: "Mir ist so jemand aber angenehmer als ein gewiefter Taktierer."

Schon bemerkenswert - um nicht zu sagen: bewundernswert, wie weit es der in Freiburg geborene und im hessischen Heuchelheim aufgewachsene Sohn eines Lehrerehepaares ohne Kalkül und ohne Rücksicht auf Branchenbefindlichkeiten gebracht hat. In der vom Star abgesegneten Biografie "Der Mann, der bewegt" gibt der Autor Uwe Killing eine Begegnung des jungen Til Schweiger mit dem etablierten Filmemacher Detlev Buck wieder. "Ihr müsst euch erst mal Anzüge kaufen, wenn ihr als Produzenten ernst genommen werden wollt", soll der Ältere die Ambitionen des Jüngeren abgekanzelt haben. Anzüge trägt Til Schweiger bis heute höchst selten. Aber von der Publikumsresonanz auf romantische Kinokomödien wie "Keinohrhasen", "Zweiohrküken" und "Kokowääh" kann selbst ein Erfolgsproduzent wie Detlev Buck in der Regel nur träumen.

Fragt sich, wo er im neuen Lebensjahrzehnt noch hin will, der kernige Karacho-Mann, der es sich leisten kann, Hollywood Hollywood sein zu lassen - weil man als Darsteller bei Großproduktionen wie "Tomb Raider" wie ein "Leibeigener" behandelt werde. Der sich im Handstreich den deutschen Sonntagskrimi Untertan gemacht hat - natürlich brach das kontrovers aufgenommene Action-Werk "Willkommen in Hamburg" gleich mal Quotenrekorde. Der seinen Töchtern Emma und Luna, hervorgegangen aus der gescheiterten Ehe mit dem ehemaligen Model Dana, längst den Weg ins Filmgeschäft geebnet hat. Er hat ja im Grunde schon alles - sogar wieder eine sehr ansehnliche neue Freundin, wenn die Paparazzo-Presse unlängst richtig spekulierte. Nur ein bisschen Frieden mit der kritischen Journaille, der lässt noch auf sich warten.

Wer weiß, vielleicht glätten sich ja bald die Wogen. Vielleicht lässt der kompromisslose Workaholic, der am Set auch schon erschöpft zusammebrach, in seinen 50-ern so etwas wie Altersmilde zu. Wäre doch schön, wenn man sich da gegenseitig die Hand reichen könnte. Denn es hilft ja alles nichts. So bitter das auch manchem aufstoßen mag: Til Schweiger ist der einzige wirkliche Filmstar, den wir haben. Ein anderer ist weit und breit nicht in Sicht.

Quelle: teleschau - der mediendienst