Danny Trejo

Danny Trejo





Der nette Mr. Badass

Schon das Gesicht macht diesen Schauspieler unverwechselbar: Danny Trejos Antlitz durchziehen Furchen von einem Ohr zum anderen, immer mehr Falten kamen über die Jahre hinzu. Ein schwarzer, nicht allzu buschig gewachsener Schnurrbart, die nach hinten gekämmten, schulterlangen Haare - und dazu sein Blick: Der Mann kann richtig grimmig gucken. Über 260 Projekte zählt seine Filmografie, 25 davon sind noch nicht erschienen oder gar erst in Planung. Mit dem Gesicht, den Tattoos und seiner Statur spielt der 69-Jährige fast ausschließlich den kaltblütigen Latino-Gangster - der Hauptgrund, wie er sagt, warum er Jahr für Jahr so viele Filme drehen kann: "Die bösen Buben sterben nun mal schneller", witzelt Trejo, "nach drei, vier Drehtagen kann ich meist zum nächsten Projekt weiter". Bei seinem neuen Kinofilm, "Machete Kills" (ab 19.12. im Kino), war das natürlich anders.

Der Vorgänger "Machete" war 2010 so etwas wie die Emanzipation des Schauspielers. Das markante Gesicht kannte man schon, doch der Name Danny Trejo war kaum jemandem ein Begriff. Dabei spielte er in Welterfolgen wie "Heat", "Con Air" oder "From Dusk Till Dawn" mit. Doch eben meist als Schurke, als Badass, der schnell das Zeitliche segnete. Mit "Machete" schrieb ihm Erfolgsregisseur und Cousin Robert Rodriguez eine Rolle aufs Leib, mit der er erstmals Mittelpunkt eines solchen Kassenschlagers wurde.

Schon länger bilden Rodriguez und Trejo eine Art filmisches Zweigestirn: 1995 holte der Regisseur den Schauspieler für "Desperado" aus der Welt der B-Movies. Doch dies war nicht etwa ein Gefallen unter Verwandten. Als Trejo für den Film gebucht wurde, war beiden nicht einmal bewusst, dass sie verwandt sind: "Robert und ich bekamen beide Besuch von unseren Familien am Set", erzählt Trejo, "komischerweise war es ein und dieselbe." Rodriguez zeigte seinen Cousin später auch erstmals in einem ungewohnten Licht. In allen Teilen der "Spy Kids"-Reihe durfte Trejo bereits "Machete" spielen. Anders als im späteren Actionfilm ist er dort aber kein messerschwingender Rächer, sondern ein netter Ingenieur, der die jungen Helden unterstützt.

Das kommt auch dem wahren Danny Trejo näher, zumindest dem, der sich zum Interview in Berlin eingefunden hat. Nach fast jeder Aussage lacht er laut in das vor ihm liegende Aufnahmegerät. Der harte Hund, den er schon so oft darstellen sollte, weicht einem gutherzigen, humorvollen, älteren Herren, der viel zu erzählen weiß. Schließlich kratzt der Mann an der großen Sieben. Auf die Frage, wie er sich dabei fühlt, nächstes Jahr 70 zu werden, nickt und grinst er: "Das ist kein Problem. Ich fühle mich fit." Und so wirkt er auch. Bereits den ganzen Tag hat er sich den deutschen Journalisten im Unterhemd gezeigt. Seine verwaschen wirkenden, riesigen Tattoos waren gut zu sehen. Mittlerweile hat er sich etwas übergezogen, doch die breiten Schultern sind auch unter dem Khaki-Hemd durchaus zu erahnen.

Diese Statur brauchte er vor allem in längst vergangenen Zeiten. Nicht immer war Danny Trejo der nette Schauspieler: "Ich hab schon sehr früh das Leben eines Verbrechers geführt", räumt er ein und legt erstmals einen zumindest ernsteren Blick auf, "in meiner Jugend war ich mehr im Knast als draußen." Der erste Joint mit acht, Heroin mit zwölf - sehr früh ist fast schon untertrieben. Als er durch einen Zufall von heute auf morgen Schauspieler wurde, war er bereits clean und betreute eine Gruppe des bekannten Zwölf-Schritte-Programms der Anonymen Alkoholiker. Eines Tages siedelte sich ein Filmset in der Nähe seiner Sitzungsräume an. Sein ehemaliger Knastfreund Edward Bunker war Drehbuchautor des Filmes und kannte Trejo noch als knallharten Sportboxer aus Gefängniszeiten: "Er fragte mich, ob ich dem Hauptdarsteller beibringen könnte, wie man kämpft", blickt er zurück. "Kurz darauf hieß es, ich solle doch den Bösewicht spielen."

Nach wie vor lässt ihm das Thema Sucht keine Ruhe. Wenn es die Zeit erlaubt, hält der Amerikaner Vorträge, zum Beispiel an Schulen: "Die hören nicht zu, weil ich Danny Trejo bin, der schon viel erlebt hat", erzählt er, "die hören auf den Kerl, der in 'Spy Kids' war." So versucht er den Schülern etwas auf den Weg zu geben: "Drogen und Alkohol sind immer da, wenn man Probleme hat. Doch sie beenden die Probleme nicht, sie machen sie schlimmer." Auch wenn noch hunderte Filme folgen, in denen Trejo den harten Hund, den Bösewicht oder den Anti-Helden spielen wird, selbst scheint er alles andere als Gefahr zu laufen, noch einmal ein solcher zu werden.

Quelle: teleschau - der mediendienst