Vince Vaughn

Vince Vaughn





Das Streben nach Glück

Nachdem sich Schauspieler Vince Vaughn zwischen 2009 und 2011 eine Auszeit für sein Privatleben gönnte, legt der Amerikaner seitdem einen Film nach dem anderen vor: Auf "Prakti.com" an der Seite seines "Frat Pack"-Kumpels Owen Wilson folgt am 5. Dezember "Der Lieferheld" von Regisseur Ken Scott, der damit das Remake seiner Erfolgkomödie "Starbuck" gleich selbst übernahm. Und weil die Zusammenarbeit gut lief, drehen Scott und er in Berlin gleich noch "Business Trip", eine Komödie, die wohl 2014, also irgendwann nach Vaughns Auftritt in "Anchorman 2" (24.01.2014), anlaufen wird. Dazwischen findet der 43-Jährige aber noch Zeit, ein bisschen über seine Rolle in "Der Lieferheld", sein Leben als Familienvater und seinen Eindruck von der deutschen Hauptstadt zu plaudern.

teleschau: Mister Vaughn, in "Der Lieferheld" bringen Samenspenden den von Ihnen gespielten David Wozniak in Schwierigkeiten. Haben Sie in Ihrer Jugend Dummheiten begangen, um an Geld zu kommen?

Vince Vaughn: Ich habe ganz sicher kein Sperma gespendet. Im Film hat meine Figur David das getan, weil er anderen eine Freude bereiten wollte. Über die Konsequenzen hat er nicht nachgedacht. Das passiert jungen Menschen, die denken nicht immer über alles nach, was passieren könnte, sie steigen nicht dahinter.

teleschau: Wie war das bei Ihnen, als Sie jung waren?

Vaughn: Ich habe schnell die Schauspielerei für mich entdeckt. Das betrachte ich als großes Glück, da es wichtig ist, das zu finden, was man wirklich tun möchte. Das lässt dich daran wachsen und macht dich glücklich.

teleschau: Apropos glücklich: Innerhalb der vergangenen drei Jahren haben Sie die Maklerin Kyla Weber geheiratet und sind zweimal Vater geworden. Dabei galten Sie in den Medien lange Zeit als eingefleischter Junggeselle.

Vaughn: Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mich bereit gefühlt, eine Familie zu gründen und war auf der Suche nach jemandem, mit dem ich diese Art Leben führen möchte. Ich habe meine Frau kennengelernt und geheiratet. Ich habe damals eine Weile mit dem Job ausgesetzt. Ich wollte bei ihr und dem Baby sein, meine Tochter war immer und überall bei mir. Wir wurden eine Familie in dieser Zeit. Ich liebe es.

teleschau: Mit Ihrem Sohn, der im August geboren wurde, konnten Sie berufsbedingt noch nicht so viel Zeit verbringen.

Vaughn: Meine Frau war mit meinem Sohn schwanger, während wir "Der Lieferheld" drehten, also ist er jetzt noch zu jung, um zu fliegen. Wir sehen uns immerhin via Skype, was okay ist. Nicht bei ihnen zu sein, ist ziemlich hart - ich vermisse sie.

teleschau: Sich selbst um seine Kinder zu kümmern, passt nicht unbedingt zu dem von Hollywood gewohnten Bild mit Babysittern und Nannys ...

Vaughn: Das ist eine Entscheidung, die jeder selbst treffen muss. Es ist in keinem Fall falsch, sich Hilfe zu holen. Jeder hat die Wahl. Für mich halte ich es für einen Luxus, in dieser Lage zu sein, es selbst zu machen. Ich bin in meinen Vierzigern. Da sieht man Dinge anders als noch vor einigen Jahren.

teleschau: Ihre Mutter war eine erfolgreiche Immobilienmaklerin, Ihr Vater Kaufmann. Wie hat Sie das beeinflusst?

Vaughn: Mein Vater gehörte zu einer Generation, die sich ihre Karriere nicht aussuchte, er hat einfach versucht, seine Familie zu ernähren. Ich war der Erste in der Familie, der aufs College ging. Mein Vater und meine Mutter arbeiteten beide, als ich ein Kind war. Ich bin ihnen und meinen Großeltern sehr dankbar für die Opfer, die sie erbrachten, um mir meine selbst gewählte Karriere zu ermöglichen.

teleschau: Ihr Vater trat schon in einigen Ihrer Filme auf, etwa in "Swingers" und "Trennung mit Hindernissen". Wie kam es dazu?

Vaughn: Ich bin meinen Eltern sehr nahe, da will ich sie auch um mich herum haben. In "Swingers" spielte übrigens nicht nur mein Vater, sondern auch die Großmutter meines Kollegen Jon Favreau mit. Jon und ich haben gemeinsam, dass unsere Familien aus der Arbeiterklasse kommen und sie wirklich hart schufteten. Es war ein großer Spaß für uns, sie in "Swingers" dabei zu haben und so Danke zu sagen.

teleschau: Was war der beste Rat, den Sie von Ihrem Vater mit auf den Weg bekommen haben?

Vaughn: Schwer zu sagen, was der beste Rat ist. Für Menschen ist es wichtig, sich selbst zu lieben und gleichzeitig anderen Menschen zu erlauben so zu sein, wie sie sind. Etwas zu finden, was du gerne machst und das du im Leben machen willst. Etwas, das dir wichtig ist, egal, was die anderen darüber denken. Etwas, das du tun willst, wenn du morgens aufwachst, Enthusiasmus für etwas zu entwickeln.

teleschau: Derzeit wachen Sie morgens in Berlin auf ...

Vaughn: Ja, ich arbeite gerade hier. Mit Ken Scott, dem "Lieferheld"-Regisseur und dem gleichen Team. Wir drehen hier den Film "Business Trip", zu dem Steve Conrad das Drehbuch schrieb, der unter anderem auch für "Das Streben nach Glück" verantwortlich war. Der Film handelt passenderweise von einem Typen, der auf Geschäftsreise und weg von seiner Familie ist.

teleschau: Hatten Sie Zeit, Berlin zu erkunden?

Vaughn: Berlin ist eine großartige Stadt mit viel kreativer Energie. Ich liebe den Berliner Tiergarten mit seinen wundervollen Bäumen. Das ist wirklich schön. Ich genieße das, von meinem Hotel aus die Stadt zu entdecken. Ich habe auch eine dieser Bustouren mitgemacht, die einem von einer Sehenswürdigkeit zur anderen bringen, ich habe den Bunker und andere Museen gesehen und viele Restaurants besucht.

teleschau: Ihr Freund und Kollege Owen Wilson verriet mal in einem Interview, dass Sie ein Feinschmecker sind. Das stimmt also?

Vaughn: Ich mag Essen, ja. Essen ist ein ganz wichtiger Teil des Lebens, aber genau so wichtig ist es, diszipliniert damit umzugehen. Man sollte bewusst wählen.

teleschau: Sie, Owen Wilson, Luke Wilson, Will Ferrell, Ben Stiller und Jack Black gehören einer Gruppe Schauspieler an, die angelehnt an Frank Sinatras "Rat Pack" als "Frat Pack" bezeichnet wird. Wie fühlt es sich an, Teil davon zu sein?

Vaughn: Jede Generation hat solche Überschriften oder Schubladen. Ein großes Geheimnis verbirgt sich nicht dahinter. Wir sind alle etwa gleich alt und machen zur gleichen Zeit meist witzige Filme miteinander. Ich mag diese Jungs sehr gerne, aber wir haben kein Clubhaus.

teleschau: Sie sagten mal in einem Interview, dass "Komödien heilen können". Wie soll das gehen?

Vaughn: Lachen ist enorm wichtig im Leben. Auch wenn Dinge mal schiefgehen, musst du in der Lage sein, darüber zu lachen. Wenn du alles zu ernst nimmst, macht dich das fertig und traurig. Es hilft mit Dingen umzugehen, genau wie es hilft, unterschiedliche Meinungen zu respektieren.

teleschau: In den Staaten arbeiten Sie für den rechts-konservativen Glenn Beck in der Fernsehshow "Pursuit of the Truth". Befürchten Sie dadurch Nachteile im eher linken Hollywood?

Vaughn: Überhaupt nicht. Es ist eine Art Castingshow für Dokumentarfilme, die mir generell sehr wichtig sind. Menschen jeglicher politischer Couleur suchen darin nach einer Doku, die dadurch an Aufmerksamkeit gewinnt und sich finanzieren lässt, woran ja viele andere Dokumentationen scheitern. Einige Leute, die da reinkamen, sind etablierte Filmemacher. Die erste Staffel war erfolgreich.

Quelle: teleschau - der mediendienst