Buddy

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Bewegendes von Bully

Eher unwahrscheinlich, dass Zuschauer in seinen bisherigen Kassenknüllern "Der Schuh des Manitu", "(T)Raumschiff Surprise - Periode 1" oder zuletzt "Wickie und die starken Männer" schon einmal Tränen im Kinosaal verdrückt haben. Wenn, dann höchstens Lach- und Freuden-Tränen. In "Buddy", dem ersten Rundum-Bully-Kunstwerk seit 2009, bei dem Michael Herbig mal wieder Regie, Produktion und Drehbuch verantwortete und auch selbst vor der Kamera stand, zeigt sich das Ausnahmetalent der deutschen Kino- und TV-Branche von seiner gereiften Seite - und mit einem nahezu perfekten Gute-Laune-Rührstück.

Mit vielen Anleihen an die Kinogeschichte, großartigen Darstellern - darunter Alexander Fehling ("Goethe!") sowie Mina Tander ("Maria, ihm schmeckt's nicht!") -, aufregender Action, mitreißender Musik, Tanz-Revue und nur ganz wenigen albernen Parodien gelang Michael Bully Herbig eine Weihnachtskomödie, deren Charme sich nur ganz Hartherzige werden entziehen können. "Buddy" ist Bullys Liebeserklärung ans ganz große Kino - und an die ganz großen Gefühle.

Der schnöselige Party-Löwe und Frauen-Vernascher Eddie (Fehling) führt ein Hamburger High-Society-Leben in Saus und Braus. Das nötige Kleingeld für seine Exzesse liefert ihm das väterliche Erbe und seine laufenden Einnahmen aus dem familieneigenen Sprudelwasser-Unternehmen. Doch ums Geschäftliche kümmert sich der junge Lebemann so gut wie gar nicht - dafür sind schließlich seine windigen Berater da. Was Eddie noch gar nicht ahnt: Der altehrwürdige Familienbetrieb fährt genauso rasant gegen die Wand wie Eddies verkorkstes Privatleben. Am Steuer sitzen die "falschen Freunde", die man nicht einmal seinem besten Feind wünschen würde.

Doch zum Glück gibt's ja noch Buddy (Bully Herbig), den merkwürdigen neuen Mitbewohner, den Eddie zu seinem und Buddys großem Schreck in einem Wandschrank entdeckt. Das Perfide dabei: Niemand außer dem jungen Mann kann den Eindringling sehen. Auch auf den Überwachungsvideos des Nobelbaus an der Hafenkante ist er nicht zu erkennen. Und doch weicht Buddy seinem Entdecker, der ihn fast wie Meister Eder einst seinen Pumuckl für sich selbst "sichtbar" gemacht hat, nicht mehr von der Seite. Buddy ist Eddies Schutzengel. Und er hat eine Mission: Er möchte Eddie zu einem anständigen Menschen machen. Sicher wäre für dieses hehre Ziel eine Begegnung mit der auf den ersten Blick etwas kratzbürstigen Altenpflegerin Lisa (bezaubernd: Mina Tander) von Vorteil. Doch natürlich möchte die bodenständige Alleinerziehende nichts von dem Großkotz Eddie wissen. Zunächst zumindest.

Bullys Film lässt sich die Zeit, um die beiden einander annähern zu lassen. Auf dem Weg dahin passieren allen Beteiligten - trotz Eddies Schutzengel-Tätigkeiten - viele Missgeschicke und mehr oder weniger haarsträubenden Gefühlsverwirrungen. Dass alles auf eine versöhnliches Ende zusteuert, ist keine echte Überraschung. Wie originell und augenzwinkernd selbstironisch Bully zu seinem Happy End - mit einer bittersüßen Geschmacksrichtung - kommt, ist allerdings verblüffend. Zwischendurch gelingt es seinem Film sogar, rasantere Action-Verfolgungsjagden einzubauen, als sie Til Schweiger in seinem ARD-Krimihauptrollen-Debüt "Tatort: Willkommen in Hamburg" vollführen durfte.

"Jeder wünscht sich einen Schutzengel", bilanzierte Bully, als er den Film in München vorstellte. Und deswegen wird es vermutlich fast jedem Zuschauer im Kino warm ums Herz. Doch natürlich ist der Filmprofi, der seine Komödie mit zahllosen Insider-Anspielungen auf die Kinogeschichte, von "Singin' in the Rain" bis "Mein Freund Harvey" spickt, Komödien-Experte genug, um es seinen Hauptdarstellern nicht ganz leicht zu machen. Jeder wünscht sich tatsächlich einen Schutzengel - "aber einen, der es kann", so Bully. Sein Buddy ist ein charmanter Anfänger - und selbst ein Mann, den ein Geheimnis begleitet.

Quelle: teleschau - der mediendienst