Belle & Sebastian

Belle & Sebastian





Kindliche Naivität gegen Starrsinn

In Kinderfilme geht man in der Regel, weil man muss. Der lieben Kleinen wegen. Doch manchmal hat man Glück. Das Glück, einen so herrlichen Film zu sehen wie "Belle & Sebastian". Eine große Geschichte erzählt Regisseur Nicolas Vanier in seiner Adaption von Cécile Aubrys Kinderbuch. Aber es ist ganz und gar möglich, auch nur Belle, den Hund, und Sebastian, den kleinen Jungen, in einer fantastischen Schneelandschaft wahrzunehmen - und gut unterhalten zu werden.

Es kann schnell gehen, dass man sich in diesen strubbeligen, kurzhosigen Knirps Sebastian (Félix Bossuet) verliebt. Er ist ein Streuner, liebt die Berge, die er mit - dem an einen Almöhi erinnernden - Cesar (Tchéky Karyo) erkundet. Eines Tages ist das kleine französische Bergdorf, in dem die Geschichte angesiedelt ist, in heller Aufregung, da eine Bestie ihr Unwesen treibt. Die Bestie ist ein Pyrenäenhund, pardon: eine Hündin, die sich als äußerst handzahm herausstellt, als Sebastian sie entdeckt.

Nur: Wer glaubt schon einem kleinen Jungen, wenn die Messer schon gewetzt sind? Krieg und Unfrieden spielen eine große Rolle in dem von Eric Guichard umwerfend fotografierten Winterdrama. Die Freundschaft zwischen der Hündin Belle und dem kleinen Sebastian entwickelt sich im Jahr 1943 in den französischen Alpen nahe der Schweizer Grenze. Die Grenze, der Krieg und die bösen Deutschen bilden die Rahmenhandlung, doch vor allem geht es immer wieder darum, Belles Leben zu retten - und den beiden Einzelgängern dabei zuzusehen, wie sie anfangen, es zu genießen, einen Freund zu haben. Zwei gegen den Rest der Welt. Kindliche Naivität gegen erwachsenen Starrsinn.

Der Regisseur, der bereits für "Der letzte Trapper" und das beeindruckende Naturdrama "Der Junge und der Wolf" verantwortlich zeichnete, hat offenbar seine Stärke gefunden. Mit ungewöhnlichen Freundschaften zwischen Mensch und Tier zaubert er das Publikum in eine Welt, in der unkonventionelle Entscheidungen und Mut zum Vertrauensvorschuss regieren. An einer Stelle arbeitet er zwar mit arg einfachen filmischen Mitteln und verwandelt den zotteligen, grauen Vierbeiner mit nur einer Waschung im Gebirgsbach in einen blütenweißen Werbungshund, der den Namen Belle in der Tat verdient. Verziehen! Spätestens, wenn man das schönste Kinolachen des Jahres hört - von Félix Bossuet, der hier sein Kinodebüt gibt.

Tchéky Karyo, der den großväterlichen Freund spielt, hat wie der Filmemacher schon Erfahrung mit Tieren ("Der Bär") bei der Arbeit, die gleichermaßen anstrengend wie atemberaubend war. Schließlich liefen Darsteller und Crew bei minus 25 Grad durch knietiefen Schnee, um das Kinderbuch zu verfilmen, nach dem sich die britische Band Belle & Sebastian benannte.

Filme wie "Belle & Sebastian" sieht man nicht (mehr) oft: Hier stimmt die Dramaturgie, die Natur, die Musik, jede Kulisse. Kurz vor Start lief der Film bei der Französischen Filmwoche in Berlin und konnte ein wenig Eigenwerbung betreiben. Und vielleicht erinnern sich ja einige noch an die französische Fernsehserie nach Cécile Aubrys Kinderbuch, die in den späten 60er-Jahren in Deutschland lief, sowohl im Westen wie im Osten. Ein großes Publikum wäre "Belle & Sebastian" jedenfalls zu gönnen.

Quelle: teleschau - der mediendienst