Friedrich von Thun

Friedrich von Thun





Nikolaus im Tweed-Sakko

Mantel, Mitra, Stab ... da war doch noch was. Na klar: der Rauschebart! "Darf ich nicht vergessen, den muss ich noch bestellen", fällt es Friedrich von Thun siedend heiß ein. Beim Mittagessen im Münchner Literaturhaus zur Vorstellung der ZDF-Weihnachtskomödie "Beste Bescherung" (Mo., 16.12., 20.15 Uhr) gesteht der 71-Jährige: "Für meine Enkel mache ich jedes Jahr den Nikolaus". Klar: Wenn einer der gestandensten deutschen Schauspieler den Herrn über die Wunschzettel gibt, wird nichts dem Zufall überlassen. "Der weiße Bart bedeckt mein halbes Gesicht, ich habe eine Brille auf, Handschuhe bedecken meine Hände, und vor allem trage ich keine eigenen Schuhe. Kinder sind viel schlauer als man denkt." Der alte Mann mit dem weißen Bart ist allerdings nur gespielt. Wie der Junggebliebene im Gespräch beweist, steht er dem Leben offen gegenüber und freut sich auch nach über 40 Jahren als Schauspieler immer noch "sakrisch" über die Vielseitigkeit seines Berufs.

Für seine fünf Enkel, die zwischen sieben Jahre und acht Monate alt sind, gibt Opa Friedrich alles. Sogar über die Erweiterung seiner Nikolaus-Nummer um einen Krampus, wie der Österreicher den Knecht Ruprecht nennt, denkt er inzwischen nach. "Aus pädagogischen Gründen", lacht er. Aber bleibt er wirklich unerkannt? "Na klar", antwortet von Thun mit gespielter Entrüstung. "Als Kind war es bei mir so: Selbst wenn ich ahnte, was los war, so war es doch ein feierlicher Moment, wenn der Nikolaus kam. Ich war voller Ehrfurcht und wollte gar nicht unbedingt wissen, wer da tatsächlich unter dem Bart steckt."

Zum Wollpullover mit hervorschauendem Hemdkragen trägt Friedrich von Thun ein Tweed-Sakko. Das passt. Gesetzt wirkt es, aber nicht spießig, elegant aber nicht aufgesetzt. Der Mann weiß, was zu ihm passt und was nicht, muss keinen Trends mehr hintererrennen. Im Gespräch strahlt der Schauspieler, dem das Image des vornehmen Gentlemans anhaftet, eine Jugendlichkeit aus, die von einer tiefen Begeisterung für seinen Beruf herrührt und von seiner Bereitschaft, sich ins Leben zu werfen - egal, was dabei herauskommt. Regisseur Rainer Kaufmann, der am Nebentisch sitzt, wirft ein: "Der Friedrich, der macht alles mit. Ich musste ihn mit vielen Worten überreden, sich für die Ski-Szene doubeln zu lassen."

Gerade weil er oft den galanten älteren Herren spielt, bereitete es dem passionierten Hobby-Golfer großes Vergnügen, im Weihnachtsfilm "Beste Bescherung" einen berechnenden Raffzahn zu verkörpern, der sich die Zuneigung seiner Kinder erkaufen möchte. Karl Maillinger ist ein Schlawiner vor dem Herrn und hat so viel Geld, dass er kaum weiß, wohin damit. Auch, weil er es mit der Steuererklärung nicht immer ganz genau nahm. Weil ihm die Steuerfahnder auf den Fersen sind, versteckt Maillinger sich und seinen Geldkoffer auf dem Bio-Bauernhof seiner Tochter, wo sich die ganze Großfamilie Maillinger zu Weihnachten versammelt hat. Im Grunde ist dieser Maillinger eine zutiefst unsympathische Figur, aber der Zuschauer kann ihm nicht wirklich böse sein. "Schlechte Menschen mit Buckel und Warze am Kinn zu spielen, das ist doch langweilig", ist der Wahlmünchner überzeugt. Friedrich von Thun mag diese Rolle, das merkt man ihm an. Im Hinblick auf die Fälle prominenter Steuersünder der letzten Monate findet er sie "geradezu prophetisch" angelegt.

Während Karl Maillinger auf das Weihnachtsfest und das dazugehörige Krippenspiel überhaupt keine Lust hat, zählt sich Friedrich von Thun nicht zu den Weihnachtsphobikern. Im Gegenteil, er "mochte das Fest immer schon sehr gern. Den Stress, der damit einhergehen kann, den macht man sich selbst, und dem kann man sich auch entziehen." An den Feiertagen wird bei den von Thuns nach der Kindermette Fondue Chinoise gegessen, die Kleinen wuseln herum, und später wird gemeinsam musiziert oder gesungen. Katastrophen? Fehlanzeige. "Jeder ist milde gestimmt und reißt sich zusammen. Den großen Knall gab's bei uns an Weihnachten bisher noch nie." Noch gut erinnert sich der 1942 in Mähren Geborene, der nach dem Krieg mit seiner Familie in die Steiermark umsiedelte, an das Weihnachten seiner Kindheit. "Von meinem Vater bekam ich ein Buch, 'Sagen aus Österreich', meine Mutter hat einen Pullover gestrickt und herrliche Kekse gebacken. Wir hatten nicht viel, aber es war schön. Ich denke gerne daran zurück, besonders zu dieser Zeit im Jahr."

Wie die meisten Menschen sieht Friedrich von Thun das ausklingende Jahr auch als eine Zeit, in der man in sich geht, zurückschaut, Bilanz zieht. Vergangenem nachzuhängen ist hingegen nicht seine Sache. Vielmehr überwiegt die Freude auf das, was kommt. Auf die Arbeitsweise anderer, auch weitaus jüngerer Kollegen, lässt sich der Mime gerne ein. So ist er in der zweiteiligen Romanverfilmung "Die Pilgerin" (So., 05., und Mo., 06.01.2014, jeweils 20.15 Uhr, ZDF) an der Seite von Josefine Preuß und Jacob Matschenz zu sehen, im Thriller-Zweiteiler "Entführt" (Mi., 08. und Do., 09.01.2014, jeweils 23.15 Uhr, ZDF) von Regisseur Matti Geschonneck spielt er gemeinsam mit Andrea Sawatzki, Heino Ferch und Nina Kunzendorf.

Wünsche fürs neue Jahr fallen von Thun keine ein - fast keine. "Ein schöner Film mit meinem Sohn wäre schon was." Zwar drehte von Thun im Sommer 2011 gemeinsam mit Sohn Max das Biopic "Ein weites Herz", viele gemeinsame Szenen hatten die beiden darin aber nicht. Eine Konstellation, "in der es richtig kracht zischen uns, das würde mir gefallen".

Quelle: teleschau - der mediendienst