Valerie Niehaus

Valerie Niehaus





Von der Lust, allein zu sein

Der Mensch - er ist ein Gruppentier und als solches von Natur aus nicht gern allein. Die Vorstellung des Alleinseins ist für viele unangenehm, für manche unerträglich, weil man schnell an Isolation oder Einsamkeit denkt. Nicht so Valerie Niehaus: Die 39-Jährige, die derzeit zu Deutschlands gefragtesten Schauspielerinnen zählt, ist gern für sich. Alleinsein bedeutet für die Sympathieträgerin Erholung, wertvolle Ruhe und die Gelegenheit, sich selbst zu finden. Im Gespräch geht die Berlinerin, die in dem ARD-Historiendrama "Die Spionin" (Freitag, 27. Dezember, 20.15 Uhr, ARD) eine Doppelagentin spielt, sogar so weit, das Alleinsein als eine "Essenz" ihres Seins zu bezeichnen.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Auch Valerie Niehaus ist ein Gruppentier, und sie ist "verliebt in das Leben", wie sie glaubhaft versichert. Sie reist gerne, genießt die Gesellschaft anderer Menschen, und ihre Familie steht für die Schauspielerin, die mit ihrem zwölfjährigen Sohn in Berlin-Charlottenburg lebt, an erster Stelle. Und doch kommt sie immer wieder auf dieses eine Thema zurück: das Alleinsein. Wenn sie davon spricht, so hat das allerdings nie etwas Sonderbares. Vielmehr redet hier eine reflektierte, geerdete und durchaus umgängliche Frau, die erkannt hat, wie wichtig es ist, sich seine Freiräume zu schaffen und zu erhalten.

Die Lust, allein zu sein, entwickelte Niehaus schon früh. Mit Knapp 20 Jahren ließ sie erstmals alles hinter sich und begab sich nach New York, um sich dort zwei Jahre lang zur Schauspielerin ausbilden lassen. An die Karriere dachte sie dabei nur indirekt: "Es war in erster Linie das Ausland und die große weite Welt. Ich wollte erst mal möglichst weit weg kommen, viel Wasser zwischen mich und die Heimat legen." Von früh ausgeprägter Selbstständigkeit möchte sie im Rückblick nicht sprechen. Vielleicht, lacht sie, war es einfach "jugendlicher Leichtsinn". Auf jeden Fall aber die Sehnsucht, etwas zu erleben. Die Welt erarbeite man sich schließlich, indem man da ist, nicht indem man zu Hause bleibt: "Das habe ich schon mit 19 gewusst. Ich empfehle allen Leuten in dem Alter, wegzugehen, sich zu bewegen und auch allein zu sein - im positivsten Sinne." Man müsse sich erst einmal selbst kennenlernen, sagt die 39-Jährige.

Inzwischen ist Valerie Niehaus kein junges Mädchen mehr, sondern eine äußerst erfolgreiche, vielbeschäftigte Schauspielerin. Zuletzt stand sie für die SAT.1-Produktion "Frauenherzen" (Dienstag, 14. Januar, 20.15 Uhr) - dem Pendant zu Simon Verhoevens "Männerherzen" - vor der Kamera. In "Die Spionin" spielt sie die Agentin Vera von Schalburg, die zu Beginn des Zweiten Weltkriegs für die deutsche Abwehr arbeitete. Gerade diese Rolle sei eine gewesen, für die sie ihr "blankes Herz hinlegen" musste: "Um das immer wieder aufs Neue tun zu können, muss ich mein Herz pflegen, wenn ich nicht arbeite." Für Valerie Niehaus bedeutet das neben Spaziergängen und Museumsbesuchen vor allem eines: "Stille. Und allein sein! Wirklich allein sein ist großartig. Ohne eine Verbindung zu einem inneren oder äußeren Geschöpf oder ständiges Freunde-Treffen oder -Anrufen oder sonstige Ablenkungen. Sondern wirklich allein sein."

Welchen Stellenwert das Motiv des Alleinseins im Leben der alleinerziehenden Mutter einnimt, verdeutlicht sich umso mehr, wenn es um die Liebe geht. Es ist ein Thema, bei dem die sonst so seelenruhige Schauspielerin fast ein wenig in Rage gerät. Für alleinstehende Frauen, die jeden potenziellen Partner "sofort auffressen", weil sie sich ohne Mann nicht definieren können, hat sie kein Verständnis. Und für Menschen, die ihr persönliches Glück von einer Beziehung und damit von anderen Personen abhängig machen, erst recht nicht: "Mit diesem Druck wird dann in eine zarte, neue Liebe gegangen: 'Du musst mein Leben vollständig machen! Du musst mich glücklich machen!' Entschuldigung, was sind das für ungerechtfertigte Ansprüche?" Für sein Glück ist bitteschön jeder selbst zuständig, findet die attraktive Blondine. Mit Töpfen, Deckeln und besseren Hälften braucht man ihr nicht kommen.

Dass Valerie Niehaus, die das Alleinsein zusammenfassend als eine "Essenz" ihres Seins bezeichnet, selbst wieder einen Partner findet, schließt sie nicht aus, im Gegenteil: Sie sehne sich genauso nach Liebe wie jeder andere Mensch auch. "Ich bin 39 Jahre alt und habe ein wildes Herz. Also warum sollte ich das nicht wollen?" Wenn es dazu kommt: Wunderbar. Wenn nicht: Auch gut. Glücklich ist sie im Zweifel auch allein.

Quelle: teleschau - der mediendienst