Jim Carter

Jim Carter





Nicht der Butler vom Dienst

Dass aus ihm noch mal ein Butler werden würde, nein, dass hätte er nicht gedacht. Doch nun, im Alter von 65 Jahren, ist Jim Carter einer der bekanntesten Butler der jüngeren Fernsehgeschichte: Als strenger, aber gutherziger Mr. Carson sorgt er dafür, dass sich "Downton Abbey" (zweite Staffel ab Sonntag, 22.12., 17 Uhr, ZDF) immer in tadellosem Zustand befindet, und es den vornehmen Herrschaften der Familie Crawley an nichts fehlt. Ein Job, den Carter "in einem anderen Leben nur ungern" ausüben würde, wie der Engländer gut gelaunt resümiert: "Es ist harte Arbeit und vor allem viel Routine, und die könnte ich nicht ertragen."

teleschau: Könnten Sie sich vorstellen, selbst einen Butler zu beschäftigen, Mr. Carter?

Jim Carter: Nein, nein, auf keinen Fall! Ich würde es nicht aushalten, von Personal umgeben zu sein. Schauspieler können damit nicht umgehen. Wir sind es nicht gewohnt, Anweisungen zu erteilen, wir bekommen welche. Außerdem legen meine Frau und ich Wert auf unsere Privatsphäre, schon allein deshalb wäre es furchtbar, wenn alle paar Minuten jemand in den Raum kommt und uns mitteilt, dass das Essen fertig ist oder es Zeit wäre, sich umzuziehen.

teleschau: Die Serie "Downton Abbey" wird mittlerweile in über 100 Ländern ausgestrahlt. Kommt es oft vor, dass Sie als Mr. Carson erkannt und angesprochen werden?

Carter: Sehr oft sogar. Wenn ich in einem Restaurant esse, höre ich immer wieder "Sollten Sie nicht eigentlich das Essen servieren?" Und ich war wirklich verblüfft, wie oft ich auf die Rolle angesprochen wurde, als wir die zweite Staffel der Serie in New York bewarben. Das war außergewöhnlich.

teleschau: Dabei stehen Sie schon seit Anfang der 70er-Jahre auf der Bühne und seit Anfang der 80er-Jahre vor der Kamera. Trotzdem ist es Ihnen noch nie zuvor passiert, dass Sie einer Rolle so zugeordnet wurden?

Carter: Noch nie, aber ich habe zuvor auch nie in einer Serie mitgespielt, mit Ausnahme von "The Singing Detective" in den 80-ern und "Cranford" 2007. Aber das waren Miniserien mit fünf oder sechs Episoden, nichts von Dauer. Darum war der Serien-Dreh auch nach 40 Jahren als Schauspieler etwas Neues für mich, ebenso die Erfahrung, auf der Straße wiedererkannt zu werden. Darauf bin ich nicht besonders wild, aber es hat auch seine Vorteile.

teleschau: Zum Beispiel?

Carter: Ich engagiere mich für einige karitative Projekte, dabei hilft diese Berühmtheit durchaus. Wenn eine Organisation beispielsweise eine Wohltätigkeitsauktion veranstaltet und den Leuten sagen kann, dass "Mr. Carson" sie leitet, dann sind sie vielleicht eher geneigt, teilzunehmen, weil sie die Figur und die Serie kennen und mögen. Zudem ich bin Vorsitzender eines Cricket-Vereins, dem viel mehr mediale Aufmerksamkeit zuteil wird, seit ich in "Downton Abbey" mitspiele.

teleschau: Sie kamen 1948 zur Welt - Ihre Eltern und Großeltern dürften die Ära, in der die Handlung von "Downton Abbey" spielt, also noch miterlebt haben.

Carter: Meine Mutter wurde 1919 geboren, also etwa in der Zeit, in der die dritte Staffel spielt. Meine Großmutter war noch eine Frau des viktorianischen Zeitalters. Wenn wir sie besuchten, musste ich immer sehr aufrecht sitzen, durfte meine Ellenbogen nicht auf den Tisch stützen und nur sprechen, wenn ich angesprochen wurde. Es war unglaublich formell, eben so wie die Welt von "Downton Abbey". Es ist schon seltsam: Ich bin nur eine Generation entfernt von dieser Zeit, in der Autos, Telefon und Elektrizität gerade in Mode kamen, trotzdem wirkt in Film und Fernsehen immer alles so weit weg. Das liegt denke ich daran, dass sich die Welt so schnell verändert.

teleschau: Mit diesen neuen Technologien von 1910, die Sie ansprechen, hat Mr. Carson so seine Probleme ...

Carter: Ja, er ist sehr misstrauisch, was Neuerungen angeht.

teleschau: Und Sie selbst?

Carter: Oh, ich bin ein hoffnungsloser Fall. Ich kann Fernsehsendungen aufnehmen und SMS und E-Mails schreiben, aber das war es auch schon. Twitter und Facebook - was für ein Wahnsinn! Es ist himmlisch, auszugehen und das Handy daheim liegen zu lassen, denn dann wird einem erst einmal bewusst, dass man nicht immer ein Telefon in der Hand haben muss. Ich lebe gern im Hier und Jetzt und habe manchmal das Gefühl, dass gerade junge Leute mittlerweile so versessen auf ihre Handys sind, dass sie vergessen, den Moment zu genießen.

teleschau: Damit könnten Sie Recht haben.

Carter: Das klang also nicht nach einer langweiligen Lebensweisheit eines alten Mannes? Wie beruhigend! Ich denke, wir überladen uns mit Informationen, die wir nicht wirklich brauchen. Im Winter, wenn ich drehfrei habe, unternehme ich gern eine Radtour in einem fremden Land und ich nehme nie mein Telefon mit. Es ist wundervoll, zehn Tage einfach nur Fahrrad zu fahren und das Leben zu genießen, ohne mediale Ablenkung.

teleschau: Und Ihre Frau Imelda Staunton macht sich gar keine Sorgen, wenn Sie in der Fremde radeln und nicht erreichbar sind?

Carter: Nein, sie hat damit überhaupt kein Problem. Ich bin ja immer in einer Gruppe unterwegs. Falls ich von einem Felsvorsprung falle, wird ihr schon jemand Bescheid sagen.

Quelle: teleschau - der mediendienst