Monika Baumgartner

Monika Baumgartner





Monaco Monika

Dass man Monika Baumgartner einmal nachdenklich stimmt - und in echte Gewissensnöte bringt, kommt nicht so häufig vor. Im ZDF-Montagsfilm "Die Gruberin", der eine wilde Geschichte über Missgunst, Erbschleicherei, sogar einen vertuschten Selbstmordfall erzählt und am 9. Dezember, um 20.15, ausgestrahlt wird, war es soweit. Die 62-jährige Münchnerin musste einmal ein richtiges Miststück spielen - eine böse Schwiegermutter, die der titelgebenden Bäuerin, der Erbin eines oberbayerischen landwirtschaftlichen Anwesens, das Leben zur Hölle macht. "Die Rolle war etwas ganz Besonderes für mich. Meistens spiele ich ja die Sympathiefiguren, die freundlich sind und bei Streit beschwichtigen. Diesmal war ich wirklich eine furchtbare Person", sagt Baumgartner im Rückblick. Und muss dabei selbst noch einmal innehalten - in einer Mischung aus Stöhnen und Schmunzeln. Immerhin versteht sie sich mit der "Gruberin", Lisa Maria Pothoff, privat bestens. In den Drehpausen zwischen den Einstellungen war es Monika Baumgartner wichtig, die junge Kollegin zu herzen - und ihr zu versichern, dass sie in echt natürlich ganz anders ist.

"Ich war noch nie so alt und so hässlich anzusehen wie in diesem Film", lacht Monika Baumgarner und schiebt rasch nach: "Ich hoffe schon sehr, dass ich jetzt nicht auf solche Rollen festgelegt werde." Sorgen machen muss sich die vielbeschäftigte Darstellerin, die im besten Sinne als "Volksschauspielerin" gelten darf, natürlich nicht. Sie zählte zum festen Inventar von Serienklassikern wie "Zur Freiheit", "Meister Eder und sein Pumuckl", aber auch "Der ganz normale Wahnsinn", aktuell zieht sie vor allem mit ihrer durchlaufenden "Der Bergdoktor"-Rolle Aufmerksamkeit auf sich.

Dass die grantige alte Gruber-Bäuerin, die ihre Schwiegertochter schikaniert und für sie schuften lässt, aber auch dankbare darstellerische Aufgabe für sie war, daraus macht Monika Baumgartner gar kein Hehl. "Es macht schon Spaß, so etwas zu spielen. Ein wenig Boshaftigkeit schlummert doch in jedem Menschen", sagt sie. Allerdings fürchtete sie sich um die "Nachwirkungen" ihrer Rolle, sobald die Kamera abgeschaltet war. "Man muss schon ein wenig aufpassen, das man nicht abends weiter das Böse in sich trägt", scherzt sie.

Auch diese Herausforderung ging sie so an, wie man es sicher auch als ehemalige Otto-Falckenberg-Schülerin gelernt hat: "Die Schwiegermutter denkt wie jemand, der sich immer im Recht sieht. Sie glaubt, dass sie so sein muss, wie sie ist - um den Hof zu retten", rechtfertig Monika Baumgartner die ältere Gruberin. "Als Schauspielerin muss man stets versuchen, jede Figur ernsthaft anzugehen", sagt sie. "Es funktioniert nur, wenn man nicht glaubt, über dem Geschehen zu stehen und dass man hemmungslos dem Affen Zucker geben darf. Ich wollte meine Figur nicht verraten." Nun ist sie allerdings auch neugierig, was aus ihrer Darstellung geworden ist. Ebenso wie die Zuschauer ist sie auf den Tag der Erstausstrahlung gespannt. "Für mich ist es der Normalzustand, dass ich meine Filme vorher nicht zu sehen bekomme", erklärt Baumgartner. "Auch beim 'Bergdoktor' bin ich immer sehr gespannt, was aus den Bildern geworden ist." Seit 41 Jahren ist sie im Geschäft - TV-Premieren sind immer noch nicht Routine für sie.

Mundart-Kenntnisse schaden beim Konsum des ZDF-Dramas jedenfalls nicht. "Ich freue mich, wenn ich meine Muttersprache sprechen und Bairisch spielen darf", sagt Monika Baumgartner. Dass sich deswegen auch in Filmen wie "Die Gruberin" immer wieder vertraute Gesichter versammeln - diesmal unter anderem Jürgen Tonkel, Sebastian Bezzel und Stephan Zinner -, ist dann kein wirklicher Zufall. "Das Kontingent an TV-Schauspielern, die gut Bairisch sprechen, ist überschaubar."

Derzeit darf Monika Baumgartner wieder fleißig weiter Münchnerisch parlieren - nach Drehbüchern, die Thomas Kronthaler geschrieben hat, der auch ihr Regisseur bei "Die Gruberin" war. Seit einigen Wochen steht sie als Hauptdarstellerin für Dreharbeiten der neuen ARD-Vorabend-Heimatkrimiserie "Monaco 110" vor der Kamera. "Ich freue mich sehr, dass wir als die dritte bayerische Serie am Vorabend eine Chance bekommen werden", sagt Monika Baumgartner und spielt damit auf die Erfolge von Franz Xaver Bogners "München 7" oder "Hubert und Staller" an.

Diesmal hat sich die Schauspielerin eine besonders originelle, un-grantige Rolle geangelt: Auf einer Polizeistation im Münchner Stadtteil Westend spielt sie die resolute Polizeihauptmeisterin Inge Aschenbrenner. Das Besondere dabei: Ihr Serien-Sohn Thomas, der von Markus Brandl gespielt wird, wird an ihr vorbei zum Leiter des Reviers befördert. "Es ergeben sich viele Schwierigkeiten und Ungereimtheiten: Ich sag ja immerhin Bubi zu ihm - vor allen seinen Kollegen", sagt sie und ist stolz darauf, dass sie "die heimliche Chefin" bleiben darf.

Von Kronthalers Dialogen ist sie besonders angetan. "Er schreibt wunderbare Sachen", so Monika Baumgartner. "Wenn ich beim ersten Lesen bereits Bilder vor Augen habe, dann bin ich mir sicher: Das wird was." Denn er sei "einer dieser Autoren, mit denen das Arbeiten Spaß macht". Hinzukommt, dass sie sich in das Stetting besonders gut einfinden kann, immerhin hat sie zu dem straßenweise noch recht urigen Münchner Stadtviertel eine besondere Beziehung, von der nur wenige wissen. Gemeinsam mit ihrer Schwester betreibt die Baumgartnerin im Westend ein Raumausstattungsgeschäft samt angeschlossener Werkstatt.

"Immer wenn ich zwischendurch Zeit habe, helfe ich bei ihr aus", sagt Monika Baumgartner über die Arbeit mit ihrer Schwester. "Ich bin jemand, der Schrauben in die Wand drehen und anpacken kann." Ihre praktische Ader erklärt auch, warum man die 62-Jährige, die so fest in der Münchner Schauspielerszene verwurzelt ist, fast nie auf den Bussi-Bussi-Events der eitlen Zunft sieht. Auf Empfängen und auf dem roten Teppich macht sie sich rar. "Ich habe gar keine Zeit, da hinzugehen. Solche Veranstaltungen finden leider immer genau dann statt, wenn ich drehen muss", sagt sie. "Ich bin zum Glück derzeit gut beschäftigt."

Quelle: teleschau - der mediendienst