45 Minuten bis Ramallah

45 Minuten bis Ramallah





Nicht vom Weg abkommen

"Salami Aleikum" war die erste Komödie des Regisseurs Ali Samadi Ahadi - ein Klamauk über einen iranisch-stämmigen, vegetarischen Metzgereierben, der in der ostdeutschen Provinz die Liebe findet. Ahadis neuer Film ist thematisch wesentlich mutiger: "45 Minuten bis Ramallah" handelt von Israel und Palästina. Ein heikles Unterfangen, das der gebürtige Iraner, wie er selbst sagt, mit "unverschämtem Humor" angeht.

Alleine ein paar Originalschauplätze zu finden, ohne dabei festgenommen zu werden, sei eine große Herausforderung gewesen. Und so bestand die Hauptaufgabe während des gesamten Drehs für Regisseur und Team daraus, bei der Arbeit keinesfalls den Humor zu verlieren. Von wegen Fake-Welt. Wer ein Roadmovie entwerfen lässt - übrigens von Gabriel Bornstein, einem deutsch-israelischen Drehbuchschreiber -, muss sich natürlich auch auf die Straße trauen. Denn die beiden Brüder Jamal (Navid Akhavan) und Rafik (Karim Saleh) müssen ja nach Ramallah.

Eigentlich war Rafik nur für eine Stippvisite von Hamburg nach Ostjerusalem gekommen, der Mama zuliebe, weil sein Bruder heiratet. Da er ohnehin gerade seinen Job verloren hat, schnappt er die Gastro-Kaffeemaschine seines Chefs als Mitgift und steigt in den Flieger gen Heimat. Beim ersten Streit mit dem Vater trifft selbigen überraschend der Schlag. Schon stehen nicht mehr Braut und Bräutigam im Mittelpunkt, sondern der Wunsch des Familienoberhauptes, in seinem Heimatdorf in der Nähe von Ramallah beerdigt zu werden. Ramallah ist zwar nur 45 Autominuten entfernt, allerdings in Palästina. Also geht die Reise ins Feindesland los, mit einem Toten im Wagen.

Filme mit Toten, die befördert werden müssen, sind meist eher Klamauk denn Satire. Und so kommen sich die unterschiedlichen Humoransätze ins Gehege. Alles soll lustig sein, und zwar stets und egal warum: der Bruderzwist, das Politische, der tote Papa und jeder, der den Brüdern auf der Reise begegnet. Damit Ali Samadi Ahadi all seine Ideen unterbringen kann, ließ er seine Cutter Frank Geiger und Silke Olthoff den Film unglaublich schnell schneiden.

Als hätte er Angst, nicht zu genügen, packt er immer noch ein Gag-Utensil obendrauf. So gerät das eigentliche Thema immer wieder mal in den Hintergrund. Eine politische Komödie darf ein bisschen Tiefgang besitzen, sollte die Protagonisten weniger vorhersehbar umherschubsen.

Russische Olgas (Julie Engelbrecht) beispielsweise, die Autos klauen, könnten in jeder beliebigen Komödie von Berlin über Polen bis Amerika auftauchen. Liebevolle Charaktere zeichnen und beim Thema bleiben, aber dennoch lustig sein, das wäre es gewesen. So wie damals bei diesem Iraner, der kein Blut sehen konnte, aber in der Metzgerei arbeiten musste. Da war auch was mit dem Auto, das ging kaputt und er fand dadurch eine eigenartige deutsche Frau. Der Film hieß irgendwas mit "Salami" ...

Quelle: teleschau - der mediendienst