Gerda Steiner

Gerda Steiner





"Peter Steiner kann man nicht kopieren"

Weg vom Volkstheater, hin zur bayerischen Boulevardkomödie - so lautet die Neuausrichtung von Peter Steiners Theaterstadl, dem Lebenswerk des 2008 verstorbenen Schauspielers Peter Steiner. Unter der Leitung seiner Tochter Gerda (60) sollen heute weniger lustige Bauernfiguren auf der Bühne stehen, wie noch in den 80er- und 90er-Jahren, als vielmehr Typen aus dem Hier und Jetzt, die ebenso moderne Geschichten erzählen. Eine ebensolche ist nun "Das ist mein Bett!", ein Stück über eine Zufallsbekanntschaft und Zweck-WG, aus der überraschend mehr werden soll. Premiere ist in München am 14. Januar 2014, im TV präsentiert vom Heimatkanal. Doch "Steiners Theaterstadl" kehrt schon jetzt, pünktlich zum 30-jährigen Bestehen, zurück. Ab 19. November sind die kultigen Inszenierungen immer dienstags, 20.15 Uhr, auf SAT.1 Gold zu sehen. Zum TV-Comeback spricht Gerda Steiner über notwendige Veränderungen in ihrem Theater, ihr ewiges Erfolgsrezept und dennoch fehlende Anerkennung für ihre Arbeit.

teleschau: Frau Steiner, "Steiners Theaterstadl" feiert in diesem Jahr 30-jähriges Bestehen. Haben Sie diese Langlebigkeit jemals in Gefahr gesehen?

Gerda Steiner: Nein. Man macht sich natürlich immer Sorgen, wenn man ein Geschäft hat, das gehört dazu. Woran wir aber tatsächlich nie gezweifelt haben, ist unser Theatergenre.

teleschau: Warum waren Sie sich in Genrefragen so sicher?

Steiner: Weil Lachen und Unterhaltung generell immer wichtig sind. Jeder hat das Bedürfnis, mal abzuschalten und seine Sorgen zu vergessen. Natürlich auch heute, und natürlich auch mit unserem Programm. Die Leute brauchen das einfach.

teleschau: Sie sagten einmal, ein Erfolgsgarant Ihres Theaters wäre der bayerische Humor, der überall gut ankäme. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Steiner: Das fängt schon mit der bayerischen Sprache an, die ja nun wirklich eine wunderschöne, gemütliche Sprache ist. Außerdem haben wir ein tolles Bayernland, wohin viele Menschen in den Urlaub fahren. Es ist ja auch ein klein wenig Urlaubsfeeling, das wir zu den Leuten bringen, wenn wir im Fernsehen ausgestrahlt werden oder live zu sehen sind.

teleschau: Wenn Sie etwa in Norddeutschland unterwegs sind, schrauben Sie den Akzent und Dialekt aber schon ein bisschen runter, oder?

Steiner: Ja, natürlich. Wir wollen ja, dass uns alle verstehen, da kann ein gut abgeschliffenes Münchnerisch schon mal hilfreich sein. Abgesehen davon glaube ich, dass die Leute uns aber auch verstehen wollen, was uns die Arbeit natürlich deutlich leichter macht.

teleschau: Haben Sie es in all den Jahren erlebt, dass der bayerische Humor irgendwo nicht so gut ankam? Dass man Ihnen irgendwie nicht folgenden konnte?

Steiner: Nein, das habe ich noch nie erlebt. Die Leute kommen schließlich freiwillig zu uns und wissen, was sie erwartet. Viele kennen uns aus dem Fernsehen, und genauso, wie wir uns dort präsentierten, präsentieren wir uns auch im Live-Bereich.

teleschau: Haben Sie Ihre Art zu spielen in den 30 Stadl-Jahren auch bewusst versucht weiterzuentwickeln - oder haben Sie immer auf das Altbewährte besetzt?

Steiner: Es wäre nicht richtig gewesen, wenn ich alles gleich gehalten hätte. Jeder Mensch wird älter, verändert sich, muss sich auch verändern, auch charakterlich. Und ich persönlich wollte diese Veränderungen bei mir auch zeigen, auch auf der Bühne. Ich wollte zeigen, dass in Gerda Steiner nicht nur diese komische Magd vom Lande steckt. Dass sie mehr als das ist.

teleschau: Sie sagten einmal, die komische Magd und der begriffsstutzige Knecht, für die Ihr Theater lange Zeit stand, seien einfach nicht mehr zeitgemäß. Waren sie das denn in den 80er- und 90er-Jahren? Warum haben diese Charaktere damals so gut funktioniert und heute nicht mehr?

Steiner: Das hing sehr mit dem Monument meines Vaters zusammen. Mein Vater hat dieses Genre mit einer hundertprozentigen Sicherheit bedient. Und die Leute wollten ihn ja genau so sehen. Natürlich, es war eine andere Zeit, aber wir haben auch heute noch Leute, die zu uns ins Theater kommen und danach sagen: Das hat uns wirklich sehr gut gefallen - aber es wäre schon schön, wenn Sie mal wieder so spielen würden wie vor 20 Jahren.

teleschau: Was Sie aber nicht möchten?

Steiner: Nein, das ist auch gar nicht mehr möglich.

teleschau: Etwas, das Sie in den letzten Stadl-Jahren deutlich verändert haben, ist die inhaltliche Theaterausrichtung: Weg vom Volkstheater, hin zu Geschichten des bayerischen Boulevards. Denken Sie, das hätte auch Ihrem Vater gefallen?

Steiner: Davon bin ich überzeugt. Diese Neuausrichtung geht ja nicht gegen ihn oder gegen seinen Theaterstil. Im Gegenteil: Mein Vater wäre traurig gewesen, wenn wir heute nicht das Hier und Jetzt abbilden und stattdessen versuchen würden, ihn mit irgendeinem Schauspieler zu kopieren. Das würden übrigens auch weder die Kollegen, noch das Publikum, noch der Schauspieler selbst akzeptieren. Einen Peter Steiner kann man einfach nicht kopieren. Genau wie man einen Willy Millowitsch oder eine Heidi Kabel nicht kopieren kann. Das waren Typen, die ihr Fach bis ins Detail beherrschten, und die man einfach nicht nachmachen darf.

teleschau: Haben Sie mit Ihrem Vater eigentlich viel über die Stadl-Stücke diskutiert? Über die Themen und Texte? Oder waren Sie da meistens einer Meinung und hatten den gleichen Geschmack?

Steiner: Natürlich gab es immer wieder Diskussionen. Aber es war ja so: Mein Vater war durchaus in der Lage, auch mal ernst zu spielen. Nur, sobald er rausging und ernst vor die Leute trat, fingen die an zu lachen. Die wollten ihn einfach nicht ernst sehen. Die wollten ihn als Humoristen.

teleschau: Hat er Ihre Theaterleitung denn auch streng beobachtet? Also geprüft, ob seine Art Humor dabei nicht zu kurz kommt?

Steiner: Bei uns ging immer alles Hand in Hand. Jeder hatte und hat auch heute noch seinen Bereich und wird von den anderen voll und ganz akzeptiert.

teleschau: Trotz der Neuausrichtung: Welche Stadl-Prinzipien von damals sind Ihnen heute noch besonders wichtig?

Steiner: Vor allem natürlich das Grundprinzip unseres Theaters: Die Leute zum Lachen zu bringen. Ich diskutiere heute natürlich nicht mehr auf der Bühne mit einem Knecht darüber, wie die Kühe richtig gemolken werden. Stattdessen spreche ich über Themen, die ins Hier und Jetzt fallen, die aber immer noch humorvoll sind. Themen, die man auf die Schippe nehmen kann. Sogar als wir mal einen Ausflug ins Krimi-Genre gemacht und einen Banküberfall auf der Bühne gebracht haben, war dieser mit einem Lächeln im Gesicht zu verstehen.

teleschau: Das alles hat Ihrem Theater das Image eingebracht, so etwas wie das Ohnsorg-Theater Bayerns zu sein. Stört es Sie, dass viele Sie und Ihre Arbeit nicht all zu ernst nehmen können?

Steiner: Ich komme mit allem klar. Jeder muss selbst entscheiden, wie und was er in uns sieht. Ich habe auch kein Problem damit, wenn die Leute sagen, dass wir nur Unterhaltung machen. Denn, Entschuldigung: nur Unterhaltung? Ich bin sehr stolz darauf, dass wir schon so lange so viele Menschen unterhalten. Ich brauche mich für nichts, aber auch gar nichts zu schämen. Und wenn irgendwelche Verfechter von großer Kunst und Kultur sagen: "Was machen die denn da!?", lade ich sie herzlich ein, bei uns mal reinzuschauen. Wir arbeiten genau so hart an jedem Stück wie ein Kulturtheater.

teleschau: Fehlt Ihnen nicht die Anerkennung für diese Arbeit?

Steiner: Die fehlte uns immer schon.

teleschau: Warum, glauben Sie, bekommen Sie die nicht?

Steiner: Das liegt an unserer bayerischen Art. Das bayerische Theater wird niemals so sehr akzeptiert werden wie ein hochdeutsches. Das war früher so, das ist heute so, und ich glaube, das wird immer so sein. Mir macht das auch nicht wirklich viel aus. Ich weiß ja, dass wir für Qualität stehen und die Leute glücklich sind, wenn sie bei uns sind.

teleschau: Werden Sie des Spielens und ständigen Tourens eigentlich nie müde?

Steiner: Natürlich gibt es Tage, an denen ich gerne zu Hause bleiben möchte. Oder solche, an denen ich denke: Hätte ich mal was Gescheites gelernt. Aber wenn man erst mal ein paar Schuhe auf der Bühne durchgelaufen hat, kommt man einfach nie mehr davon weg. Und es ist ja auch eine wunderschöne Arbeit, die wir da haben. Wo sonst hat man die Möglichkeit, regelmäßig so viele Menschen zum Lachen zu bringen? Dafür nehme ich es gerne in Kauf, stundenlang im Tourbus zu sitzen und aus dem Koffer zu leben.

Quelle: teleschau - der mediendienst