"Stolz darauf, ins Meer gepinkelt zu haben"

"Stolz darauf, ins Meer gepinkelt zu haben"





Josh Hutcherson spielt die männliche Hauptrolle in "Die Tribute von Panem - Catching Fire" (Start: 21.11.)

"Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie erschöpft ich bin", stöhnt Josh Hutcherson. Er weiß, dass er sich gerade in Deutschland befindet, in welchem Land die Pressetour zu "Die Tribute von Panem - Catching Fire" aber begann, hat er schon wieder verdrängt. Doch dafür, dass der 1,67 Meter kleine Darsteller nach eigenen Angaben in den letzten zwei Tagen insgesamt nur vier Stunden geschlafen hat, wirkt er hellwach. Der 21-Jährige hält Augenkontakt, lächelt gern und antwortet ausgesprochen unverkrampft. Hin und wieder glaubt man eine Spur des melodischen Kentucky-Akzents aus seinen Sätzen herauszuhören, den er - wie auch seine Filmpartnerin Jennifer Lawrence - in Filmen sonst mühelos verbergen kann. Er scheint den PR-Rummel nach zehn Jahren in Hollywood und Filmen wie "Der Polarexpress", "Mitternachtszirkus" oder "The Kids Are All Right" vollkommen als Teil seines Jobs akzeptiert zu haben und ihn für sich und alle Beteiligten so angenehm wie möglich gestalten zu wollen. Mit Erfolg.

teleschau: Sie sind vor nicht allzu langer Zeit 21 geworden - wie haben Sie gefeiert?

Hutcherson: Ich habe die größte Party meines bisherigen Lebens geschmissen. Eigentlich mag ich große Partys nicht besonders, ich bin eher der ruhigere Typ, aber zum 21. habe ich gern eine Ausnahme gemacht. Das war immerhin der erste Geburtstag, an dem ich nach US-Recht Alkohol trinken durfte. Was natürlich verrückt ist: Man darf mit 18 bereits Steuern zahlen und als Soldat für sein Land sterben, aber kein Bier trinken. Aber wie auch immer, ich habe in einer Bar in Los Angeles mit all meinen Freunden gefeiert, auch mit denen, die ich seit einer halben Ewigkeit nicht mehr gesehen habe. Wir haben getanzt, getrunken, geredet, und hatten sogar einen Zauberer da.

teleschau: Dass Sie Ihre Freunde seltener sehen, dürfte nicht die einzige Veränderung sein, die "Die Tribute von Panem"-Reihe mit sich brachte.

Hutcherson: Es ist tatsächlich ein seltsames Gefühl: Ein Teil von mir hat sich definitiv verändert. Durch die Pressereisen, Premieren, Interviews und die Fans, die meinen Namen schreien und mit mir fotografiert werden wollen. Das erscheint mir immer noch sehr seltsam und fremd, und es wird wohl immer seltsam und fremd bleiben. Gleichzeitig fühle ich mich aber genauso wie früher. Den brandneuen, umgestalteten Josh gibt es meiner Meinung nach nicht. Das verdanke ich vor allem meinen Freunden, meiner Familie und den Menschen, mit denen ich seit Jahren zusammenarbeite. Ich vermute ja, dass die jungen Schauspieler, die sich von sich selbst entfernen, sich mit den falschen Leuten umgeben.

teleschau: Gibt es irgendetwas, für das Sie Ihre Karriere aufgeben würden?

Hutcherson: Für meine Familie. Wenn es aus irgendeinem Grund erforderlich wäre, für sie für immer mit der Schauspielerei aufzuhören, dann würde ich das tun.

teleschau: Woran merken Sie in Interviews, wann Sie aufhören müssen zu reden, um Ihr Privatleben zu schützen?

Hutcherson: Ich kenne die Grenze ehrlich gesagt nicht. Ich rede einfach so lang, bis ich nicht mehr weiterreden will. Ich versuche immer zu vermeiden, Informationen preiszugeben, die mein Privatleben negativ beeinflussen könnten.

teleschau: Aber Sie haben kein Problem, darüber zu sprechen, dass Sie während der Dreharbeiten im Meer durch Ihren Neoprenanzug ins Wasser gepinkelt haben? Daraus wurde jüngst tatsächlich eine Schlagzeile ...

Hutcherson: Ach, was ist schon dabei? Ich glaube, jeder sollte im Laufe seines Lebens mal ins Meer pinkeln. Die Meerestiere tun es doch auch.

teleschau: Wenn Ihnen solche Dinge in Interviews rausrutschen, denken Sie dann nicht manchmal im Nachhinein "Das hätte ich nicht sagen sollen"?

Hutcherson: Solche Momente kennen wir doch alle, oder? Aber in dem Fall: Nein, ich bin sehr stolz darauf, das gesagt zu haben. Ich bin stolz darauf, ins Meer gepinkelt zu haben. (lacht)

teleschau: Die Dreharbeiten zum Finale der "Panem"-Reihe sind im vollen Gange. Freuen Sie sich darauf, dass Sie sich bald wieder andere, entgegengesetzte Rollen suchen können?

Hutcherson: Ich bin froh und traurig zugleich. Sobald die Dreharbeiten abgeschlossen sind, werde ich das Team sehr vermissen. Die anderen Darsteller, die Crewmitglieder, die sind mittlerweile wie eine zweite Familie. Vom Elektriker über den Kameramann bis hin zu Jennifer Lawrence, wir stehen uns mittlerweile alle sehr nahe. Mir ist bewusst, dass ich so etwas wohl kein zweites Mal erleben werde. Andererseits freue ich mich auf die neuen Herausforderungen. Ich will produzieren, Regie führen und schreiben, und dafür bietet sich nun die Gelegenheit.

teleschau: Wie schwer fällt es in so einer angenehmen Atmosphäre, sich nicht in seinen Co-Star zu verlieben?

Hutcherson: Die Gefahr besteht natürlich, wenn man eine sehr verletzliche Seite von sich zeigen muss. Die Atmosphäre ist dann emotional sehr aufgeladen, darum halte ich es für normal, dass es gewisse Liebesmomente am Set gibt. Das kann schon verwirren. Jennifer und ich haben allerdings von Anfang an eine fast schon geschwisterliche Beziehung aufgebaut, deshalb blieb die Verwirrung diesmal aus.

teleschau: Kennen Sie das Gefühl der unerwiderten Liebe, so wie sie Ihr Filmcharakter erlebt?

Hutcherson: Ich glaube schon. Aber für mich ändert sich die Definition von Liebe, wann immer sie einem widerfährt. Mit jedem Verliebtsein fühlt sie sich anders an. Und ich habe sie schon in verschiedenen Formen kennengelernt.

Quelle: teleschau - der mediendienst