Jennifer Lawrence

Jennifer Lawrence





Die Anti-Diva

Sie scheint noch nicht ganz überzeugt von ihrer neuen Kurzhaarfrisur: "Wirkt mein Kopf damit nicht zu klein?", fragt Jennifer Lawrence noch etwas unsicher. Dabei sieht sie - trotz Jetlag - wirklich bezaubernd aus mit ihrem blonden Pixie-Cut, dem kleinen Schwarzen und den dunkel geschminkten Augen. Aber darf sie sich einfach so die Haare abschneiden, während die Dreharbeiten zu den beiden "Die Tribute von Panem - Mocking Jay"-Filmen noch nicht abgeschlossen sind? "Da muss ich sowieso immer eine dunkle Perücke tragen", winkt die 23-Jährige ab, die zur Deutschlandpremiere von "Die Tribute von Panem - Catching Fire" (Start: 21.11.) nach Berlin gekommen ist. Es wird nicht die letzte PR-Tour sein, die die Oscarpreisträgerin einmal um die halbe Welt führt.

"Neun Filme?!", fragt Jennifer Lawrence mit weit aufgerissenen Augen nach. Das kann sie selbst nicht fassen. Doch zählt man bei einschlägigen Filmportalen die Projekte durch, in denen die Schauspielerin in den nächsten drei Jahren mitwirken soll, kommt man tatsächlich auf neun. Allein vier davon, namentlich David O. Russells "American Bullshit" (13.02.), die Comic-Verfilmung "X-Men: Zukunft ist Vergangenheit" (22.05.), Suzanne Biers Drama "Serena" (24.07.) und "Die Tribute von Panem - Mocking Jay Teil 1" (27.11.) laufen bereits 2014 an. Dann wäre da noch der zugehörige zweite Film (26.11.2015), eine Minirolle in der Fortsetzung von "Dumm und Dümmer", ein Part in der Neuverfilmung von "Jenseits von Eden" und, und, und. Hollywood reißt sich um Jennifer Lawrence - und Jennifer Lawrence greift zu, wenn ihr eine Rolle gefällt. "Wer weiß schon, wie lange ich noch in dieser glücklichen Lage sein werde?"

Den Großteil ihrer Einnahmen spare sie deswegen auch, erklärt die Blondine mit der dunklen Stimme, die laut "Forbes" mit Ausnahme von Angelina Jolie in den vergangenen zwölf Monaten so viel verdient haben soll wie keine andere ihrer Zunft. "Ich werfe nicht mit Geld um mich. So wurde ich einfach nicht erzogen", meint das jüngste Kind eines Bauunternehmers und einer Feriencampleiterin grinsend: "Mein Vater kümmert sich immer noch um meine Finanzen und ruft mich an, wenn ich 200 Dollar für einen Pullover ausgebe."

Im Alter von 14 Jahren stand Jennifer Lawrence zum ersten Mal für Werbeaufnahmen vor der Kamera, bald folgten Serienauftritte, kleinere Filmrollen, die ersten Nachwuchspreise und schließlich, 2010, die verdienten Lobeshymnen für ihre großartige Performance in Debra Graniks Independentdrama "Winter's Bone". Als sie dafür im Januar 2011 für den Oscar in der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin" nominiert wurde, war sie mit gerade einmal 20 Jahren die drittjüngste Darstellerin, der diese Ehre bis dato zuteilwurde.

Nun, zwei Jahre später, darf sie sich dank ihrer souverän gespielten Hauptrolle in "Silver Linings" die zweitjüngste Oscarpreisträgerin nennen, die in dieser Kategorie ausgezeichnet wurde. Wenn sich eine Nachwuchsschauspielerin divenhaftes Benehmen erlauben dürfte, dann wohl Jennifer Lawrence. Nur scheint sie so gar nicht der Typ dafür zu sein: "Klar, der Oscargewinn hat ganz offensichtlich meine Karriere gefördert, und dafür bin ich sehr dankbar. Aber weder mein Privatleben noch meine Gemütslage hat sich dadurch geändert", beteuert sie. So herrlich normal wie sie im Gespräch wirkt, besteht daran auch keinerlei Zweifel.

Privat- und Berufsleben halte sie insgesamt so gut wie möglich voneinander getrennt, erklärt der Shootingstar, den man sich gut als beste Freundin vorstellen könnte: "Die Öffentlichkeit bekommt Jennifer Lawrence, ich aber bleibe Jen. Den einen Teil von mir kann die Welt gerne haben, aber den anderen behalte ich." Und die Klatschpresse nimmt sich ihr Stück Jennifer Lawrence gern: "Alles, wirklich alles, was ich bisher in Boulevardzeitungen über mich gelesen habe, war frei erfunden. Der harmloseste Unsinn war noch, dass ich meinen Oscar verloren hätte. Aber der steht sicher in Kentucky bei meinen Eltern."

Und der nicht so harmlose Unsinn? Die ewigen Spekulationen über ihre On-Off-Beziehung mit ihrem "X-Men"-Kollegen Nicholas Hoult; die zahlreichen Versuche, ihr Fehden mit Kolleginnen wie Kristen Stewart oder Miley Cyrus anzudichten? Die absurden Diskussionen, ob die schlanke junge Frau für ihre Rolle in "Die Tribute von Panem" nicht noch schlanker hätte sein müssen? "Ganz ehrlich: Das ist wie in der Schule", vergleicht Jennifer Lawrence. "Entweder man hört auf die Miststücke oder man hört nicht auf sie." Natürlich kenne auch sie die Momente, "in denen 100 Komplimente eine einzige böse Bemerkung nicht aufwiegen können". Aber hey - "Bleib cool und mach weiter", rät die Anti-Diva aus Kentucky, um die man sich in den nächsten Jahren wohl keine Sorgen machen muss.

Quelle: teleschau - der mediendienst