Tom Hanks

Tom Hanks





Oh Captain! My Captain!

Von Anfang an sollen Regisseur Paul Greengrass und Michael De Luca gewusst haben, wer die Hauptrolle in ihrem Drama "Captain Phillips" spielen soll. Wer den Mann verkörpern könnte, der im April 2009 auf seinem Containerschiff Maersk Alabama von somalischen Piraten überfallen und als Geisel genommen wurde. Sie wollten Tom Hanks, jenen sympathischen Charakterdarsteller, der in seinen Rollen immer bereit ist, alles zu geben. Der 57-Jährige ließ sich nicht lange bitten - und nach den ersten Vorführungen auf Festivals fragen sich schon die ersten Filmkritiker, ob diese Rolle dem Amerikaner den nächsten Oscar einbringen könnte.

Jeden Abend, so sagte Tom Hanks in einem denkwürdigen Moment, "lege ich mich ins Bett und überlege mir, was ich schlecht gemacht habe". Ja, so ist das bei ihm. Er könnte besser sein. Er hat ja nur zwei Oscars in Folge erhalten, was vor ihm in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller" nur Spencer Tracy in den 30-ern gelang. Hanks erhielt die höchste Auszeichnung 1994 für "Philadelphia" und im Jahr darauf für "Forrest Gump". Von den BAFTA Awards, den Golden Globes und Weiterem gar nicht zu reden. Er ist der jüngste Würdenträger des American Film Institutes, dort wurde ihm schon vor elf Jahren die Auszeichnung für sein Lebenswerk verliehen. Mit Mitte 40. Und das nur wegen seines knautschigen Gesichts? Sicher nicht.

Lange Jahre musste sich der freundliche Mann vom Image des schüchternen Jungen freischwimmen. Er wirkt, als spiele er seine Rollen im Vorbeigehen, doch sein Aufwand war oft gewichtig: Schon 1992 nahm er für den Baseballtrainer in "Ein Klasse für sich" 15 Kilogramm zu, angeblich vor allem mit Hilfe von Eiscreme. 30 Pfund verlor er für "Philadelphia", um für "Cast Away - Verschollen" (2000) erst 50 Pfund zu- und dann wieder abzunehmen.

Dabei muss er nicht alles ausprobieren, auf die Bösen legt er wenig wert. Den Antihelden will er nur spielen, wenn er seine Motivation verstehen kann, nicht um des Effektes willen. Ansonsten bleibt er gerne bei dem, was er gut kann. Er taugt zum kleinen Mann, zum hilflosen Helden. Weil er es schafft, das Allgemeine zum Besonderen zu erheben, auf der Leinwand und im Dialog.

Auch für seine Umgänglichkeit schätzt man ihn in der Branche sehr: "Wir waren stundenlang auf hoher See unterwegs", erinnert sich Regisseur Paul Greengrass an die Dreharbeiten zu "Captain Phillips", "und Tom hat sich nie beschwert. Er war immer der Erste, der sich umdrehte und sagte: 'Ich bin soweit. Lasst uns das nochmal machen." Und er ist witzig, wenn andere langweilig sind. Geht es zum Beispiel um die Standardlobrede über Kollegen, lästert Hanks fantasievoll los oder sagt so etwas wie "Keine Ahnung, wie der/die in den Film kam. Mir hat da keiner Bescheid gesagt, ehrlich".

Hanks hat vier Kinder, zwei von seiner verstorbenen ersten Frau Samantha Lewes und die anderen beiden mit Rita Wilson, mit der er seit 1988 skandalfrei verheiratet ist. Sein ältester Sohn, Schauspieler Colin Hanks, hat ihn in diesem Jahr zum zweiten Mal zum Opa gemacht. Ob er viel Zeit für seine beiden Enkeltöchter hat, ist allerdings fraglich: "The Da Vinci Code - Sakrileg" wird nach "Illuminati" wohl noch eine zweite Fortsetzung bekommen, in der Hanks wieder als Symbologe Robert Langdon gefragt ist. Außerdem gilt es auch schon bald "Saving Mr. Banks" zu bewerben, eine Kostümkomödie, in der er Walt Disney und Emma Thompson die "Mary Poppins"-Autorin P.L. Travers spielt. Voraussichtlich am 6. März 2014 soll der Film in die deutschen Kinos kommen - also nur vier Tage, nachdem Hanks bei der 86. Verleihung der Academy Awards womöglich seinen dritten Oscar in Empfang genommen hat.

Quelle: teleschau - der mediendienst