Tanta Agua - Nichts als Regen

Tanta Agua - Nichts als Regen





Nichts als eine postmoderne Familie

Ausgerechnet die "Hauptstadt des Quellwassers von Uruguay" hat Alberto (Néstor Guzzini) für die Kurzferien mit seinen Kindern ausgewählt, die sonst bei seiner geschiedenen Frau leben. Die Stimmung in Papas Auto ist von Anfang an ziemlich mies, und irgendwann setzt auch noch der Regen ein, der sich im Laufe der nächsten 107 Minuten von "Tanta Agua - Nichts als Regen" recht hartnäckig halten wird. Als die kleine postmoderne Restfamilie den für eine Woche gemieteten Bungalow betritt, rutscht die Stimmung noch tiefer in den Keller. Die sich ein wenig fremd gewordene Familie muss sich viel zu kleine Räumlichkeiten teilen, in denen es zum Entsetzen der Kinder nicht mal einen Fernseher gibt. Und der Pool ist auch geschlossen ...

Da stehen nun die rebellisch-wortkarge Teenagertochter Lucia (Malú Chouza), die ihrem Vater ohne es zu wissen so anrührend ähnlich ist, der unternehmungslustige kleine Bruder Federico (Joaquín Castiglioni) mit seiner quietschgelben Taucherbrille und der enttäuschte Papa am Pool und starren auf die schier undurchdringliche Regenwand. Immer wieder finden die beiden Regisseurinnen Ana Guevara und Leticia Jorge in ihrem unaufgeregten Regiedebüt scharf beobachtete Bilder für die schwierige Dynamik unter einzelnen Familienmitgliedern.

Der gelegentlich ein wenig zu entspannte Film lässt sich Zeit, die Beziehungen zwischen Alberto, Lucia und Federico allmählich aufzuweichen. Zunächst entfliehen alle ein wenig der Enge ihres Zusammenseins, in dem sie sich anderen Menschen zuwenden. Der kleine Federico findet in dieser beinahe schon surreal wirkenden Ferienanlage, von deren Atmosphäre auch der Zuschauer rasch absorbiert wird, schon bald einen Kumpel. Alberto flirtet zur Entspannung ein wenig mit der Empfangsdame, und Lucia freundet sich schließlich mit der gleichaltrigen Susanna (Sofia Azambuya) an. Die Lage spitzt sich jedoch - am Rhythmus dieses ruhig dahinfließenenden Coming-of-Age-Films gemessen - dramatisch zu, als Lucia sich in den gutaussehenden Santiago (Pedro Duarte) verguckt. Der hat es jedoch leider eher auf ihre blonde neue Freundin abgesehen.

Kein Lebensabschnitt ist frei von Komplikationen, Schmerz und Enttäuschung lauern an jeder Ecke. Da ist es letztlich doch gut, wenn man nach dem Bad in Selbstmitleid irgendeine Art von Familie im Rücken hat, die einen wieder aufbaut - auch wenn das Sich-Zusammenraufen manchmal ganz schön mühselig sein kann.

Quelle: teleschau - der mediendienst